Viel Feind – viel Ehr’

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Es liegt in der Natur der Sache, dass schmerzhafte Änderungen Widerstand hervorrufen. Deswegen werden ja wichtige Reformen oft erst angegangen, wenn es zu spät ist. Umso mehr sind mutige Politiker zu loben, die sich durch Widerstand nicht beirren lassen, wenn sie von der Richtigkeit einer Sache überzeugt sind.

Der Umkehrschluss gilt freilich nicht: Eine Idee muss nicht schon deshalb gescheit sein, weil alle dagegen sind.
Gerade einem christlich sozialen Politiker wie Wolfgang Schüssel stünde es daher wohl an, zwischen Karfreitag und Ostermontag einige Stunden in sich zu gehen und nachzudenken, wenn gegen seine Vorstellungen von einer Pensionsreform nicht nur die Opposition Sturm läuft (no na!), nicht nur die Gewerkschaften und der eigene Arbeitnehmerflügel, sondern wenn auch alle namhaften Pensionsexperten, Wirtschaftsvertreter und zuletzt sogar der Wiener Kardinal ihre Stimme warnend erheben.

Vielleicht führt dieses In-sich-gehen noch vor Pfingsten zu einer Erkenntnis, die in einem neuen Pensionsreform-Entwurf gipfelt.
Die Eckpunkte eines solchen Entwurfs:

Eine Pensionsreform eignet sich nicht zur kurzfristigen Budgetsanierung. Sie muss also kurzfristig keine Einsparungen bringen.
Etwa in fünfzehn, zwanzig Jahren stösst unser derzeitiges Pensionssystem durch die demografische Entwicklung an seine Grenzen. Zu diesem Zeitpunkt muss die Reform bereits wirken.
Menschen, die bis dahin das Pensionsalter erreichen, sollten die Chance haben, durch längeres Arbeiten zumindest jene Pension zu erreichen, die ihnen nach derzeitigem Recht als Frühpensionist zustünde.
Im Interesse der Massenkaufkraft – die in 20, 30 Jahren zu einem hohen Teil von den Pensionisten abhängen wird – müsste ein Durchschnittsverdiener bei durchschnittlichem Karriereverlauf so viel Pension erhalten, dass er davon leben kann. Private Vorsorge ist gut, aber für Leute mit unterdurchschnittlichen Einkommen in der Praxis unerschwinglich.
Es muss eine Lösung gefunden werden, die auch Frauen, die Ausfallzeiten wegen der Kindererziehung hatten, eine ausreichende Pension sichert.
Es muss mittelfristig ein Pensionssystem geben – mit gleichen Beiträgen und gleichen Pensionsleistungen für Arbeiter, Angestellte, Selbstständige, Beamte und Politiker.

Und dann wollen wir das Schlagwort "Pensionsreform" zumindest für zehn, fünfzehn Jahre nicht mehr hören.

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