Einzelhaft von jugendlichen Insassen - Jugendrichterin Matschnig dementiert Standard-Bericht

WIEDERHOLUNG DER OTS0113 von heute

Wien (OTS) - Als unerlässlich notwendige Maßnahme von Oberstleutnant Peter Prechtl mussten zwei jugendliche Haftinsassen der Justizanstalt Josefstadt vorübergehend von ihren Mitinsassen abgesondert werden, da sie ihren Mithäftling in unerträglichem Ausmaß quälten und bedrohten. Die zwei jugendlichen Insassen wurden in normale, zehn Quadtratmeter großen Zellen untergebracht, in denen sich entgegen einer Zeitungsmeldung ein Fenster, ein Tisch, ein Sessel, ein Bett, ein WC sowie ein Waschplatz befindet. Jugendrichterin Beate Matschnig dementiert sowohl gegenüber dem Anstaltsleiter als auch gegenüber dem Justizministerium, die in der Zeitung "Standard" vom 17.April 2003 (Jugendhaft in der "Korrekturzelle") veröffentlichten Äußerungen zu den Vorfällen und zum Jugendstrafvollzug getätigt zu haben. Sie habe zwar mit der zuständigen Redakteurin gesprochen, ihre Aussagen seien jedoch falsch wiedergegeben worden. Zum nebenstehenden Einspalter mit dem Titel "U-Haft oftmals für jugendliche Asylwerber" erklärt Richterin Matschnig, die hier wiedergegebenen Angaben ausschließlich auf erwachsene Insassen bezogen zu haben.

Ebenso musste ein 17jähriger Afrikaner abgesondert werden, da er zwei Justizwachebeamte angegriffen und verletzt hatte. Dieser Jugendliche kam in einen Einzelhaftraum, in dem sich entgegen der Zeitungsmeldung ein Fenster befindet. Auch gibt es hier keine Pritsche sondern eine etwa 30 Zentimeter hohe Matratze.

Solche Maßnahmen hat es auch schon in der Haftanstalt in Wien Erdberg gegeben, die Einzelhaftzellen in der Rüdengasse waren mit einem Bett und einem WC ausgestattet, und im Gegensatz zu denen in Wien-Josefstadt hatten die Zellen nicht einmal ein Fenster sondern nur eine Klappe. Ergänzend ist zu sagen, dass sich in Wien-Erdberg in sämtlichen Zellen, in denen die Jugendlichen untergebracht waren, die WC's hinter einem Vorhang befanden. In der Haftanstalt Josefstadt sind nunmehr die WC's vom übrigen Haftraum getrennt. Völlig unrichtig ist auch die Angabe im Standard, dass die Jugendlichen 20 Stunden in den Hafträumen zu verbringen hätten: Entsprechend dem Jugendgerichtsgesetz sind sie täglich mehrere Stunden mit Sport beschäftigt, der Sporthof im Freien wird derzeit mehrmals täglich von den Jugendlichen benützt. Im Übrigen dementiert Jugendrichterin Matschnig auch, eine diesbezüglich Angabe gemacht zu haben. Die Begriffe "Korrekturzelle" und "Absonderungszelle" existieren nicht mehr; dass sich in den Einzelhaftzellen außer dem Bett kein Inventar befindet, dient dem Selbstschutz des Insassen. Anstaltsleiter Oberstleutnant Prechtl schließt aus, dass die Jugendlichen Sprechkontakt zu den erwachsenen Insassen hatten, was den Sinn der Einzelhaft ja auch ad absurdum führen würde. Um aber auch absurden Argumenten entgegenzuwirken, wird in den kommenden Tagen im Jugendappartement ein Haftraum als Einzelhaftraum adaptiert. Man versucht in der Haftanstalt Josefstadt durch umfangreiche Sportmöglichkeiten den Jugendlichen einen Ausgleich für überschüssige Energien zu bieten: Täglich fordern sportliche Aktivitäten die jugendlichen Insassen zu körperlichen Leistungen heraus. An oberster Stelle der Beliebtheitsskala steht Fußball, aber auch Handball, Volleyball, Badminton und Tischtennis dienen als Ventil für den Bewegungsdrang der Jugendlichen. Ebenfalls Fußball und auch Basketball wird im Sporthof der Anstalt gespielt.

Sport wird auch als Therapiemaßnahme eingesetzt: Jeden Dienstag wird schwierigen Jugendlichen eine Bewegungstherapie mit dem Ball angeboten.

Neben 15 PC-Lernplätzen wird den jugendlichen Insassen in der Haft auch der Besuch der Hauptschule angeboten. Daneben werden im Festsaal laufend Filmvorführungen und fallweise Auftritte bekannter Künstler wie der Jazz Gitti geboten. In der Bibliothek können die Jugendlichen auf 16 000 Bücher zurückgreifen.

Derzeit werden in der Justizanstalt Wien-Josefstadt von sechs Bediensteten Group-Counselling-Gruppen abgehalten, in denen den Insassen Gelegenheit gegeben wird, Erfahrungen des täglichen Lebens auszutauschen und Strategien für Problembewältigungen zu entwickeln. Zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft führt ein Freizeitkoordinator Gruppen und Sozialausgänge durch wie zum Beispiel zur Firma Siemens oder in die Spanische Hofreitschule.

bxf

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