Schenker: Politischer Einfluss auf Waldbewirtschaftung nimmt ständig zu

Private Waldbesitzer denken über europäische Forstkompetenz nach

Wien (AIZ) - "Die Waldbewirtschaftung ist immer mehr dem Einfluss verschiedener internationaler Politikbereiche ausgesetzt, in den nächsten Jahren dürfte sich dieser Trend fortsetzen", stellt der Präsident des Hauptverbandes der Land- und Forstwirtschaftsbetriebe Österreichs, Stefan Schenker, im Gespräch mit dem AIZ fest. Als Beispiel nennt er die Umsetzung von Natura 2000, die Klimaschutzpolitik und die EU-Wasserrahmenrichtlinie. "Diese Maßnahmen bedeuten für die Forstwirte Bewirtschaftungseinschränkungen und Auflagen, ohne dass ein Gesamtkonzept dahinter erkennbar wäre", so Schenker. Auf EU-Ebene gebe es bekanntlich keine gemeinsame Forstpolitik, dieser Bereich werde zum Teil in der ländlichen Entwicklungspolitik, in der Umweltpolitik oder in der Energiepolitik behandelt. "Wir sind jetzt dabei zu überlegen, ob eine europäische Forstkompetenz in Brüssel zu einer Verbesserung der unbefriedigenden Situation führen könnte", erklärt Schenker.

Schutz des Eigentums wichtig

"Das wichtigste für die privaten Waldeigentümer ist der grundlegende Eigentumsschutz. Im EU-Konvent ist derzeit eine wichtige Diskussion darüber im Gange, ob die Charta der Grundrechte, die von einer EU-Ratskonferenz verabschiedet wurde, Bestandteil der europäischen Verfassung sein soll oder nur als Anhang erwähnt wird", erläutert Schenker. Dies sei ein entscheidender Unterschied, weil in dieser Charta der Schutz des privaten Eigentums gut aufgehoben sei.

Der Präsident weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass durch die EU-Erweiterung der Privatwald-Anteil in der Union von derzeit 60% auf 50 bis 55% sinken werde - je nach Grad der Privatisierungen in den osteuropäischen Staatswäldern. Der Anteil der Waldfläche an der Gesamtfläche der EU von 36% dürfte nur minimal sinken. "Holz ist auch in diesen Ländern eine besonders wichtige Ressource. Die Erdölvorräte sind begrenzt. Wenn in zehn bis 15 Jahren begonnen wird, Atomkraftwerke stillzulegen, wird Holz als Energieträger interessanter", ist Schenker überzeugt.

Natura 2000: Umsetzung unbefriedigend

Als weiteres Beispiel für politische Einflussnahme auf die Waldwirtschaft führt Schenker die europäischen Naturschutzrichtlinien im Rahmen von Natura 2000 an. Die Umsetzung in Österreich sei sehr unbefriedigend, weil in manchen Bundesländern der Interpretations-Spielraum für diese Richtlinie nicht genutzt werde. "Andere europäische Länder gehen hier pragmatischer vor, Frankreich ist hier vorbildlich. Die Regierung hat dort mit den Grundeigentümern einen Vertrag geschlossen, in dem vereinbart ist, dass Auflagen und Leistungen, die die Eigentümer belasten, nach den Regeln dieses Vertrages abzugelten sind", erklärt Schenker. Damit sei gewährleistet, dass die Eigentümer nicht unnötige Belastungen zu tragen haben. Für Österreich ergebe sich daraus die Forderung nach der vollen Umsetzung der Managementpläne im Bereich des Vertragsnaturschutzes.

Klimaschutz: Unbedankte Rolle der Forstwirte

In internationalen Klimaschutzabkommen (Kyoto-Protokoll) spiele der Wald als Kohlenstoffspeicher eine wichtige Rolle. "In der politischen Diskussion geht aber völlig unter, dass sich Länder wie Österreich in der Vergangenheit sehr bemüht haben, durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Diese Leistung der privaten Waldbesitzer bleibt unbedankt", zeigt sich der Präsident enttäuscht. Gleichzeitig werde die Industrie vom Emissionshandel mit Treibhausgasen profitieren.

Forst-Zertifizierung schafft Bewusstsein für nachhaltige Wirtschaftsweise

Differenziert sieht Schenker die Diskussion über die Forst-Zertifizierung: Ursprünglich sei von Umweltorganisationen versprochen worden, wer zertifiziertes Holz auf den Markt bringe, könne höhere Erlöse lukrieren. "Leider kostet heute der Kubikmeter zertifiziertes Holz um keinen Cent mehr als herkömmliches Holz. Wenn man jetzt in der EU darüber diskutiert, ob sich die Kommission mit Rahmenbedingungen für Waldzertifizierung befassen soll, dann muss man dem mit Skepsis begegnen", stellt Schenker fest. Sehr wohl könne aber die Zertifizierung bessere Absatzchancen bringen. Vor allem aber werde damit bewusst gemacht, dass nachhaltige Forstwirtschaft der Umwelt dient und Holzverwendung keine Zerstörung von Ressourcen darstellt. Diese Botschaft müsse noch stärker zum Konsumenten gelangen.

"Wir unterstützen die PEFC-Zertifizierung, ein System, das in Europa weitaus führend ist", so Schenker. Wichtig sei das Prinzip der Freiwilligkeit. Hervorzuheben sei auch, dass in den PEFC-Kriterien auf die Unterschiede in einzelnen Ländern Rücksicht genommen wird, "weil man nicht den Wald auf der ganzen Welt über einen Kamm scheren kann". Aus diesem Grund gebe es auch keine international anerkannte Definition für den Begriff "Biodiversität", weil die biologische Vielfalt eines Kontinents nicht mit dem anderer Erdteile vergleichbar sei.

Als weiteres Beispiel nennt der Präsident die EU-Wasserrahmenrichtlinie. "Diese Richtlinie betrifft den Wald in allen Einzuggebieten und entlang von Flussläufen, hier werden bereits Bewirtschaftungspläne angedacht. Das wird auch uns treffen", erwartet Schenker. Mit den Betroffenen habe aber bis jetzt noch keine Diskussion über die Detailkonzepte und Ziele stattgefunden, hier bestehe noch ein Informationsdefizit. Die privaten Forstbetriebe hofften, dass die Umsetzung dieser Richtlinie pragmatischer und partnerschaftlicher vor sich gehen wird als etwa bei Natura 2000.

Brauchen wir eine europäische Forstkompetenz?

"Die genannten Beispiele zeigen, dass der politische Einfluss auf die Waldbewirtschaftung bereits jetzt sehr groß ist", resümiert Schenker. Die Bewirtschaftungsstandards und -regeln würden immer höher hinaufgeschraubt, um die Notwendigkeit von Abgeltungen und Förderungen wegzudiskutieren. Daher habe der Hauptverband in den letzten Monaten mit den europäischen Waldbesitzerverbänden und den Verwaltungs- beziehungsweise Regierungsstellen der einzelnen Länder einen Diskussionsprozess über folgende Frage begonnen: Brauchen wir eine europäische Forstkompetenz in der EU-Kommission?

Klar sei bisher, dass eine derartige Forstkompetenz gravierende Vor- und Nachteile hätte: Niemand wolle beispielsweise ein europäisches Forstgesetz oder eine Richtlinie für nachhaltige Forstwirtschaft in Europa, der dann alle nationalen Forstgesetze angepasst werden müssten. "Wir wollen eine Kompetenz, die zuständig dafür ist, dass die Menschen im ländlichen Raum im privaten Wald wirtschaften können. Wir wollen, dass es dabei möglich ist, entsprechende Einkommen aus Waldwirtschaft zu erzielen, und wir möchten der verarbeitenden Industrie einen Rohstoff zur Verfügung stellen", fasst Schenker den Grundgedanken zusammen.

Derzeit sei noch nicht klar, ob diese Ziele nur durch eine europäische Forstkompetenz sichergestellt werden können. Es liege stark in der Verantwortung der Mitgliedsländer, wie sie die Verordnungen der EU umsetzen. Anlässlich der Forstministerkonferenz in Wien (28. bis 30.04.) werde der Hauptverband bei einem Meeting des Zentralverbandes der europäischen Waldbesitzer (CEPF) auch dieses Thema ansprechen.

Von der Forstministerkonferenz selbst erwarte man sich eine Verbesserung der traditionell guten Kontakte mit EU-Staaten und den Kandidatenländern. Die bisherigen Ministerkonferenzen hätten zu einem intensiven Diskussionsprozess über Waldschutz geführt. In Wien werde Bilanz über Aktivitäten in den einzelnen Ländern gezogen. Schenker hofft, "dass der Ministerprozess weitergeführt wird und dass dabei die große Bedeutung des Rohstoffes Holz im Zusammenhang mit Klimaschutz, Umweltanliegen, Energiesparen und Wirtschaft zum Ausdruck kommt".
(Schluss) kam

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