Irak: Wiederherstellung der Familienbande

Wien, Genf (Rotes Kreuz) - Seit einem Monat durchleben irakische Familien eine äußerst schwierige Zeit. Die Bombardierungen, die Unterbrechung der Kommunikationsmittel (Telefon, Radio, Fernsehen) und der Transportmöglichkeiten, Gefangennahmen und die herrschende unsichere Lage in verschiedenen Städten des Landes haben in der Bevölkerung und unter den im Ausland lebenden Irakern große Besorgnis hervorgerufen. Der Kontakt zu Angehörigen ist in vielen Fällen abgebrochen und die Menschen warten sehnlichst auf Lebenszeichen.

In der momentanen schwierigen Situation ist die Wiederherstellung des Kontakts zwischen Familienmitgliedern von größter Bedeutung. Das Rote Kreuz hat in seinem Ausbildungszentrum Ecogia in der Schweiz, das etwa 20 Kilometer von Genf entfernt liegt, eine Sonderstelle des Zentralen Suchdienstes für den Irak eingerichtet, die ihre Tätigkeit am 26. März aufgenommen hat. Sie zentralisiert alle Daten, die Kriegsgefangene und die Wiederherstellung der Familienbande betreffen. Für diese Stelle arbeiten über 50 Personen, darunter Englisch-/Arabisch-Übersetzer, Operateure für die Dateneingabe, Informatiker und verschiedene Spezialisten im Bereich der Gefangenenhilfe und Suchtätigkeiten. Pierre Barras, Verantwortlicher der Stelle, erklärt: "Unsere Prioritäten liegen in der Datensammlung über Kriegsgefangene und als vermisst gemeldete Personen sowie in der Kontaktherstellung zwischen Familien, die durch den Konflikt getrennt wurden."
Die Arbeit der Sonderstelle stützt sich auf Daten, die die Delegierten beim Besuch und der Registrierung von Kriegsgefangenen, die sich in Händen der Koalitionsstreitkräfte im Irak und in Kuwait befinden, sammeln. Bisher wurden über 4 000 Kriegsgefangene besucht und registriert.
Die Mitarbeiter der Sonderstelle bearbeiten weiters die von den Behörden der Gewahrsamsstaaten ausgestellten Gefangenschaftskarten sowie die Daten, die von den Behörden der Vereinigten Staaten, Grossbritanniens und Australiens in Übereinstimmung mit den Genfer Konventionen eingerichteten nationalen Auskunftsbüros übermitteln. Darüber hinaus erhalten sie Hunderte kurzer, so genannter Safe and Well-Karten (Bestätigungen, dass die jeweiligen Personen bei guter Gesundheit sind), die von den Rotkreuz-Delegierten in Irak eingesammelt und per Fax weitergeleitet werden. Solche Karten werden auch von im Ausland lebenden Irakern übermittelt. Diese wertvollen Nachrichten werden über das IKRK und das Netzwerk der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften umgehend an die Empfänger im Irak und anderen Ländern weitergeleitet.

Das Rote Kreuz hat zusätzlich die Web-Site Family Links - Gulf 2003 (www.familylinks.icrc.org) eingerichtet, die jenen Personen, die ohne Nachricht von Angehörigen sind, hilft, diese wieder zu finden und Nachrichten auszutauschen. "Derzeit gehen bei uns über 400 Anfragen pro Tag ein", meint Pierre Barras, als er, als zweiter Equipe der Operateure, seine von 15:00 bis 23:00 Uhr dauernde Schicht beginnt.

Informationen zum Suchdienst des Roten Kreuzes und zur humanitären Hilfe im Irak unter http://www.roteskreuz.at. Das Rote Kreuz ruft zu Spenden für die vom Krieg betroffenen Menschen auf. Spenden kann man auf der einen Seite im Internet: https://spende.roteskreuz.at, oder auf das Konto 2.345.000 bei der PSK – Kennwort "Irak-Krise".

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17.04.2003

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