Ärztechef Dorner: "Pensionsreform ist frauenfeindlich und ungerecht"

Vor allem Ärztinnen mit langen Ausbildungs- und Wartezeiten werden diskriminiert - Appell an die Bundesregierung: Einwände seitens der Interessensvertreter sollen ernst genommen werden

Wien (OTS) - In der derzeitigen heißen Diskussionsphase um die Pensionsreform äußert auch die Ärztekammer für Wien ihre Bedenken zu den geplanten Neuerungen. Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner: "Die geplante Pensionsreform trifft Ärztinnen und Ärzte genauso wie alle anderen berufstätigen Österreicherinnen und Österreicher. Doch vor allem für Frauen und somit für Ärztinnen stellt die Reform eine enorme Diskriminierung und Benachteiligung dar. Die Verluste, die Frauen durch die Pensionsreform hinnehmen müssen, sind unerhört und ein einziger Frevel der Regierung", so der Ärztechef.

Das sind die Gründe der Ärztekammer für die vehemente Ablehnung der Pensionsreform:

- Die Ärzteschaft in Österreich wird zunehmend weiblicher. Die Abgänger der Medizinuniversitäten sind durchwegs mehr Frauen als Männer. Und gerade die Berufseinsteigerinnen trifft die neue Pensionsregelung am meisten. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Job beträgt bei den Medizinern in etwa eineinhalb bis zwei Jahre. In dieser Zeit verlieren die Berufsanwärter wichtige Versicherungsmonate. Es gibt hier keine Ausnahmeregelung für Ärztinnen.

- Die Ersatzzeiten für die Kindererziehung werden zwar von 18 auf 24 Monate angehoben, einer jungen Ärztin bringt das jedoch wenig. Sie steigt relativ spät ins Erwerbsleben ein, denn durch die längeren Studienzeiten, die Familiengründung und die Mutterschaft wird die Erwerbstätigkeit verzögert. Dadurch ist es fast unmöglich auf die vorgeschriebenen 40 Versicherungsjahre zu kommen. Die Regelung des längeren Durchrechnungszeitraumes ist also gerade für Ärztinnen eine Hürde, die Ihnen das Recht auf Altersversorgung nimmt. Ein Beispiel:
Beendet eine junge Frau ihr Studium im 27. Lebensjahr und rechnet man zwei Jahre Wartezeit auf eine Beschäftigung und zwei Jahre Mutterschutz hinzu, arbeitet die Ärztin bis zur Pension lediglich 29 Jahre. Und das reicht ja bekanntlich nicht für eine sicherere Pension nach dem neuen Entwurf.

- Auch die Absenkung des Steigerungsbetrages wirkt sich auf lange Sicht äußerst negativ auf die Pension einer Ärztin aus. Kürzere Lebensarbeitszeit heißt weniger Geld.

- Im vorliegenden Entwurf finden sich weiters keinerlei Überlegungen zum Gedanken der "Eigenständigen Alterssicherung der Frauen", obwohl zu diesem Thema von der Bundesregierung eine eigene Expertenkommission eingerichtet wurde.

Ärztekammerpräsident Dorner: "Alles in allem handelt es sich bei den Eckpunkten der Pensionsreform um durchwegs negative Neuerungen für Frauen. Die umfassenden Reaktionen seitens der Sozialpartner und die Proteste der Interessensvertretungen müssen der Bundesregierung doch zu Denken geben." Man könne doch nicht eine Reform durchsetzen, so Dorner, die von keiner Interessensvertretung gutgeheißen und sogar aus den eigenen Reihen kritisiert wird.

Bei dieser Reform werde über die Köpfe der Menschen entschieden ohne auf deren Alterssicherung Rücksicht zu nehmen. Dorner: "Es werden Frauen wie Männer in die Unsicherheit getrieben, nur weil die Regierung die richtigen Zahlen sehen will."

Dorner richtet einen Appell an die Verantwortlichen der Bundesregierung: "Jene Einwände, die seitens der Interessensvertreter bis zum Ende der Begutachtungsfrist am 25. April sicher zahlreich eintreffen werden, müssen ernst genommen."

Dorner betont abschließend: "Diese Reform diskriminiert alle Frauen. Doch gerade Frauen, die studieren werden in einem noch viel größerem Ausmaß benachteiligt. Das kann doch nicht im Sinne der Regierung sein. Das ist eine kurzsichtige und unschöne Sichtweise, die dem österreichischen Solidarstaat nicht würdig ist." (bb)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Mag. Brigitte Biedermann
Tel.: (++43-1) 51501/1407
Fax: (++43-1) 51501/1289
biedermann@aekwien.or.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001