PRÖLL: GUTE LEISTUNGSBILANZ DER WLV, ERSCHRECKENDE LAWINENBILANZ

Präsentation des Jahresberichtes 2002 der Wildbach- und Lawinenverbauung

Wien (OTS) Der Winter 2002/2003 enthält eine äußerst zwiespältige Lawinenbilanz. Im verbauten Gebiet haben die Schutzmaßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) absolute Sicherheit gewährt, abseits der gesicherten Siedlungen und Zonen ist der vergangene Winter als einer der schlimmsten in der Geschichte der Alpen zu bezeichnen. Der Leichtsinn von Schifahrern und Snowboardern hat im freien alpinen Gelände zu Lawinenopfern geführt, die bei entsprechender Vorsicht absolut vermeidbar gewesen wären. Dies relativiert die positive Bilanz der WLV und muss in den Wintersportregionen zum Anlass genommen werden, über neue Strategien bei der Information der Gäste und Sportler nachzudenken. Dies erklärte Lebensminister DI Josef Pröll anlässlich der Präsentation des Jahresberichtes 2002 des Forsttechnischen Dienstes der Wildbach-und Lawinenverbauung.****

Die Schneesituation im vergangenen Winter war gekennzeichnet durch einen häufigen aber eher geringen Schneefall und durch sehr tiefe Nachttemperaturen. Dadurch kam es zu einem ungünstigen Schneedeckenaufbau. Es bildete sich Schwimmschnee. Durch stürmische Winde gab es weiters umfangreiche Schneeverfrachtungen, durch welche der Schnee stark verdichtet wird. Es entstanden gefährliche Schneewächten und spröde Schneedecken. Verbunden mit dem herrlichen Wetter wurde diese wenig bedrohlich aussehende, aber insgesamt trügerische Schneesituation vielen Wintersportlern abseits der Piste zum tödlichen Verhängnis. Die vorläufige Bilanz liegt bei 130 Lawineneinsätzen und 32 Toten. 2001/02 lagen die Vergleichswerte bei 87 Einsätzen und 23 Toten.

Im Gegensatz dazu kam es im verbauten Gebiet im heurigen Winter zu keinen größeren Lawinenabgänge, für Siedlungsräume bestand keine Gefahr. Sämtliche Lawinenschutzbauten haben sich bestens bewährt und verhindert, dass einzelne Lawinen auf besiedeltes Gebiet abgegangen sind. Die Schutzbauten wären noch aufnahmefähig gewesen, die Lawinenverbauungen hätten auch bei noch größeren Schneefällen weiterhin Schutz für die Menschen und ihre Siedlungsräume geboten.

Die Bilanz der WLV zeigt dennoch, dass 2002 insgesamt ein schwieriges Jahr war. Im vergangenen Jahr wurde Österreich von einer bisher nie da gewesene Serie von Naturkatastrophen heimgesucht. Aus der Analyse der Hochwasserereignisse ist abzuleiten, dass ohne die umfangreichen Schutzmaßnahmen und Verbauten der WLV an Wildbächen und Flüssen die Schäden ein vielfach höheres Ausmaß erreicht hätten. Die Höhe der Schäden, die an den Schutzbauten der WLV entstanden, werden alleine auf rund 18 Mio. Euro geschätzt. Gerade die Ausnahmesituation 2002 belegt aber die Effizienz und Schlagkraft der WLV. Die hohe fachliche Kompetenz und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Folgen des Hochwassers so rasch behoben werden konnten, sagte Pröll.

PLATTFORM FÜR NATURGEFAHREN-MANAGEMENT
Die Hochwasserereignisse 2002 haben aber auch zu einer schärferen Sichtweise über wichtige strategischen Zielsetzungen und Aufgaben für die Zukunft geführt. Das Geschäftsfeld "Schutz vor Naturgefahren" als ressortübergreifende Koordinierungsplattform hat im abgelaufenen Jahr seine erste schwere Bewährungsprobe bestanden. Es wird daher auch in Zukunft Plattform für die Entwicklung von Schutzstrategien sein und im Katastrophenfall der Abstimmung aller Akteure im Bereich des Naturgefahrenmanagements dienen. Mit diesem Instrument sollen neu entstehende Anforderungen, etwa durch den Klimawandel, unter Beteiligung aller Gebietskörperschaften effektiv bewältigt werden können.

Auf Grund der Erfahrungen scheinen jedenfalls schon jetzt folgende Maßnahmen sinnvoll:
Eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen der Wildbach- und Lawinenverbauung und der Bundeswasserbauverwaltung in den Gebirgsregionen,
die stärkere Bewusstseinsbildung für die Umsetzung der Schutzziele in der Raumplanung,
eine reguläre Einbindung der Experten in die Sicherheitsplanung und das Katastrophenmanagement anderer Gebietskörperschaften sowie
eine Verknüpfung aller relevanten Daten sowie deren Zugänglichkeit für Behörden aller Gebietskörperschaften.

Der unschätzbare Wert des Gefahrenzonenplans als Instrument der Sicherheitsplanung wurde im Hochwasserjahr 2002 jedenfalls bestätigt. Der Forsttechnische Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2010 eine flächendeckenden Bereitstellung dieser Gutachten zu erreichen.

Das Problem des zunehmenden Verlusts natürlicher Retentionsräume, die für den Siedlungs- und Kulturraum dauerhaft in Anspruch genommen werden, wurde vom Hochwasser deutlich offen gelegt. Die "Schutzwirkung der Fläche" ist einer der ältesten Leitgedanken des Forsttechnischen Systems, sie hat gerade im Katastrophenjahr 2002 ihre Aktualität und Berechtigung gezeigt.

Im Bereich Forschung und technologischer Entwicklung sind ebenfalls Schwerpunkte zu setzen. Es geht um die Weiterentwicklung von umfassenden Schutzsystemen, von Frühwarnsystemen, prozessbezogener Simulationstechnik, digitaler Datenbereitstellung, von Messtechnik und Datenerfassung in Einzugs- und Risikogebieten sowie der Bemessung und Sicherheit von Schutzbauten.

2002 war als Katastrophenjahr auch wichtiges Lernjahr. Es hat gezeigt, dass der Schutz vor Naturgefahren ein überregional wirkendes und nachhaltiges Naturgefahrenmanagement benötigt sowie im Katastrophenfall gut ausgebildete und professionell agierende Katastrophenhelfer. Darüber hinaus muss trotz umfangreicher Gefahrenprävention mehr als bisher bewusst sein, das ein Restrisiko bleibt. Eigenverantwortung und -vorsorge werden auch in Zukunft Schlüsselpunkt einer erfolgreichen Strategie zur Vermeidung und Minimierung von Naturkatastrophen bleiben, sagte Pröll abschließend.

(Schluss)

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