FESTVERANSTALTUNG IM PARLAMENT ZUR EU-ERWEITERUNG Khol heißt neue EU-Mitglieder mit Festakt herzlich willkommen

Wien (PK) - Mit einer Festveranstaltung im Parlament
unterstrichen heute Nationalratspräsident Andreas Khol und Bundesratspräsident Herwig Hösele die Bedeutung der
Unterzeichnung der EU-Beitrittsverträge mit zehn europäischen Ländern in Athen. "Wir wollen mit diesem Freudenakt die zehn
neuen Mitglieder der Europäischen Union herzlich willkommen heißen", betonte Khol, der zur Festveranstaltung im Hohen Haus nicht nur zahlreiche österreichische Politiker, sondern auch die Botschafter der derzeitigen und künftigen Mitglieder der Europäischen Union und die Gesundheitsminister Dänemarks, Griechenlands, Sloweniens und Zyperns begrüßen konnte.

In seiner Eröffnungsrede erinnerte Khol an eine Rede des
damaligen österreichischen Bundeskanzlers Josef Klaus 1964 in Straßburg vor dem Europäischen Parlament. Er sei ein Europäer, habe Klaus gemeint und darauf hingewiesen, dass das europäische Haus zwei Flügel habe. "Heute können wir feststellen, der zweite Flügel ist gebaut", sagte Khol, er sei zwar noch nicht
vollständig bezogen, aber die neuen EU-Mitglieder zeigten, dass
das europäische Haus seiner Vollendung entgegen gehe. "Wir wollen mit Ihnen zusammenarbeiten, kulturell, politisch und wirtschaftlich", bekräftigte der Nationalratspräsident in
Richtung der neuen EU-Mitglieder.

Der Botschafter Griechenlands Christos Alexandris erklärte, er freue sich als Grieche und als Europäer "in einem Tempel der Demokratie" die neuen EU-Mitglieder begrüßen zu können. Durch die Unterzeichnung der EU-Beitrittsverträge mit zehn europäischen Ländern wird seiner Meinung nach der Begriff des sich weiterentwickelnden Europas deutlich zum Ausdruck gebracht. Ein gespaltenes Europa existiere nicht mehr, unterstrich Alexandris, ebenso wenig wie es ein altes und ein neues Europa gebe.
Alexandris erinnerte auch an die Geburtsstunde des europäischen Gedankens und meinte, auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs, in den Ruinen und in den Konzentrationslagern sei
dieser europäische Gedanke "die Vision der Sterbenden und die Hoffnung der Überlebenden" gewesen.

Jiri Grusa, der Botschafter der Tschechischen Republik, sprach stellvertretend für die neuen Mitgliedstaaten die Symbolik des Ortes an und meinte, die Tschechen hätten ein Jahrhundert gebraucht, um dorthin zu gelangen, wo sie einst waren. Tschechen, Polen, Slowaken, Ungarn und Slowenen stehen nun wieder gemeinsam
mit den Österreichern in diesem Parlament, und gemeinsam mit Litauern, Letten, Esten, Maltesern und Zyprioten betreten sie den Boden der Europäischen Union - zivil, bescheiden und dennoch
stolz, sagte er.

Als Vertreter jener Völker, die ein Europa erlebt haben, "in dem Demokratie mehr Wunsch als Wirklichkeit war", drückte Grusa den Bürgern der EU-Staaten seine Dankbarkeit aus, Dankbarkeit dafür, dass sie die neuen Staaten wollten, wollen und wollen werden. In Anspielung an die Werte der griechischen Polis, Mut und Weisheit, bezeichnete Grusa die Aufnahme der neuen Mitgliedstaaten als
mutig und weise. Die Beitrittsstaaten seien gleichzeitig alt und
neu - alt als Kulturen und neu als Freunde und Partner.

Bundesratspräsident Herwig Hösele begrüßte die Erweiterung als Europäisierung des Kontinentes und bemerkte in Anspielung an ein Zitat von Papst Johannes Paul II, Europa atme nun mit beiden
Lungen. Die europäische Idee sei mehr als eine
Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung, Europa bedeute Einheit in der Vielfalt und stehe vor allem für eine Konzeption
der Demokratie, der universellen Menschenrechte und des Friedens. Entscheidend ist für Hösele dabei, dass dieser Gedanke von den Bürgern Europas gemeinsam getragen werde. Die überwältigenden Ergebnisse der bisherigen EU-Referenden in Slowenien, Ungarn und Malta seien ein ermutigendes Signal für die notwendige Akzeptanz und drücken gleichzeitig eine verpflichtende Hoffnung aus, die es zu erfüllen gilt, meinte Hösele. In diesem Sinn betrachtete der Bundesratspräsident den heutigen Tag als Tag der Freude, als Auftrag und Ansporn, das gemeinsame europäische Haus weiter auszubauen.

Im Rahmen der Festveranstaltung wurde als Willkommensgruß an die neuen EU-Mitglieder auch das von der Parlamentsdirektion herausgegebene Buch "Von der Donaumonarchie zum vereinten Europa" präsentiert. Darin werden 20 Abgeordnete des österreichischen Reichsrates porträtiert - sechs Slowenen, drei Italiener, sieben Tschechen, drei Polen, ein Ukrainer - die damals bzw. später in ihren Heimatländern Geschichte schrieben (siehe Parlamentskorrespondenz Nr. 212). (Schluss)

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