"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Ohne Illusionen" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 11. April 2003

Innsbruck (OTS) - Vielleicht rückt endlich in den Mittelpunkt, wovon bisher nur am Rande die Rede war: Was hilft, was nützt den Irakern sofort und langfristig?
Die ersten Reaktionen auf das Ende des Saddam-Regimes von dies- und jenseits des Atlantiks lassen wenig Hoffnung aufkommen. Washington will vor Ort weiter maßgeblich mit seinen Verbündeten mitreden, gestalten und eine Kriegsprämie lukrieren. Europa verweist nach der gescheiterten Nagelprobe seiner Einigkeit mit neuem Nachdruck auf die UNO und schielt nicht minder nach lukrativen Geschäften.
Jedem sei geraten, in den Neubeginn mit möglichst wenig Illusionen und möglichst viel Behutsamkeit zu gehen. Ein Land, das zuerst Beute der Kolonialherren war, dann über weite Strecken fern der Demokratie regiert wurde, taugt nicht zur Erprobung vermeintlicher Patentrezepte.
Nur in jeder Beziehung überzeugende Veränderungen können den Irak zum Ausgangspunkt für einen umfassenden Wandel Richtung Frieden im Nahen und Mittleren Osten machen. Dabei ist vor allem Geduld gefragt. Erfahrung verstärkt Skepsis: Was wurde nach der Befreiung Kuwaits 1991 von amerikanischen und europäischen Politikern nicht alles an Reformansätzen versprochen. In der Realität gab es dann vor allem einen drastischen Anstieg der Waffenlieferungen in die Region. Präsident Bush, der seinen Kriegskurs kompromisslos verfolgt hat, überraschte in den Stunden des von ihm angestrebten Erfolges mit leisen Tönen. Er weckte ziemlich blass gewordene Erinnerungen an den Wahlkämpfer Bush, der sich vorgenommen hatte, der übrigen Welt mit Demut zu begegnen. Neue Konturen, in der von vielen kritisierten und beargwöhnten neuen Weltordnung mit amerikanischer Dominanz? Beliebig wiederholen lassen sich Kraftakte aus Donald Rumsfelds Büro nicht.

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