Busch: Nutzungsanspruch des Menschen an das Tier bedingt Verantwortung

Wissenschaft verlangt, die Bedarfe der gehaltenen Tiere zu kennen

Wien (AIZ) - "Verantwortungsbewusste landwirtschaftliche Nutztierhaltung geht vom Nutzungsanspruch des Menschen an das Tier aus. Sie orientiert sich an den Gestaltungskriterien nachhaltiger Entwicklung mit ihren drei gleichrangigen Zieldimensionen 'ökonomischer Wohlstand', 'ökologische Stabilisierung' und 'soziale Sicherheit'. Der Tierschutz ist als ein wesentliches Handlungsziel und zugleich Bewertungskriterium innerhalb des Nachhaltigkeits-Zielbereiches 'ökologische Stabilisierung' zu verstehen. In diesem Zielbereich spielen neben tier-ökologischen auch umwelt-ökologische Faktoren, wie konkrete Haltungsformen, eine besondere Rolle. Landwirtschaftliche Nutztierhaltung ist im Unterschied zur Haltung von Heim- und Begleittieren ökonomisch motiviert und nimmt eine wichtige gesellschaftliche Funktion wahr. Dieser Nutzungsanspruch entbindet jedoch die landwirtschaftlichen Tierhalter nicht davon, in einer dem Tier gegenüber verantwortungsbewussten Weise zu handeln", stellte Roger J. Busch, Geschäftsführer des Institutes Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN) an der Ludwig-Maximilians-Universität München, im Rahmen der parlamentarischen Tierschutz-Enquete fest.

Bedarfe der Tiere erkunden

"Um herauszufinden, wie der landwirtschaftliche Tierhalter seinen Tieren im Sinne einer 'nachhaltigen Bewirtschaftung' begegnen muss, die ihrerseits als ethisch geboten betrachtet werden kann, ist es wesentlich, die Bedarfe der gehaltenen Tiere zu kennen. Hierzu leisten die Fachwissenschaften, insbesondere die Ethologie, Hilfestellung. Die Rede von 'Bedürfnissen' der Tiere ist in diesem Zusammenhang nicht zielführend, sondern leistet möglicherweise strategischen Verschleierungen Vorschub. Bedürfnisse der Tiere, verstanden als subjektiv gefühlte Bedarfe, sind dem Menschen erkenntnismäßig nicht zugänglich", so der Ethik-Experte.

"Es ist ganz klar, dass landwirtschaftliche Nutztierhaltung das einzelne gehaltene, beziehungsweise genutzte Tier im Blick haben muss. Die Orientierung an der zoologischen Art des gehaltenen Tieres kann in diesem Zusammenhang allenfalls als allgemeiner Betrachtungsrahmen dienen, nicht aber zur umfassenden Bewertung beispielsweise der Auswirkungen von Aufstallungssystemen auf das einzelne Tier. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang noch, dass innerhalb der Arten durch Züchtungsfortschritte eine weitgehende Anpassung der Tiere an Haltungssysteme erfolgte und die Bedarfe der so konditionierten Tiere andere sind als die ihrer Ahnen", erklärte Busch weiter.

"Als Voraussetzung für die Schaffung neuer gesetzlicher Grundlagen für den Tierschutz in Österreich sind wissenschaftlich belastbare, also ökonomische, technische und ethologische Daten von Deutungen zu unterscheiden. So müssen zur Bewertung der konkreten Formen landwirtschaftlicher Nutztierhaltung mögliche Güterabwägungen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten anhand solider wissenschaftlich plausibler Kriterien durchgeführt werden", verlangte der Wissenschafter.
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