Chemiegewerkschaft für gerechte Reformen aber gegen Sozialraub!

KV-Verhandlungen für 43.000 Chemiebeschäftigte unterbrochen!

Wien (GdC/ÖGB). Angesichts der für Arbeitnehmer dramatischen Reformvorschläge der schwarz/blauen Regierung hielt die Gewerkschaft der Chemiearbeiter am 10. April einen außerordentlichen Bundesvorstand ab. Dieses höchste Gremium der Chemiegewerkschaft kam einhellig zu der Auffassung, dass die von der jetzigen Regierung angedachten Veränderungen - in erster Linie die Pensionsreformen, aber auch dramatische Verschlechterungen im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich - mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abzulehnen sind.++++

Bereits im Vorfeld der Sitzung hatte der Vorsitzende der Chemiegewerkschaft, Wilhelm Beck, deutlich gemacht, dass gerade Arbeitnehmer aus dem Betreuungsbereich der Chemiegewerkschaft von diesen unsozialen Maßnahmen besonders betroffen seien. "Wenn nach den Vorstellungen der schwarz/blauen Regierung Arbeiter in Zukunft länger arbeiten müssten und dafür als Dank und Anerkennung noch weniger Pension bekämen, so trifft das vor allen Dingen Schichtarbeiter ganz besonders. Diese sind oft einer jahrzehntelangen, schweren gesundheitlichen Belastung ausgesetzt.
Die zigtausend "Schichtler" in der Industrie, haben die geringsten Lebenserwartungen (71,5 Jahre), die längste Lebensarbeitszeit (von 15 bis künftig 65) von 50 Jahren und die vergleichsweise niedrigsten Pensionen. Wenn diese Gesetzesvorlage so umgesetzt wird, bezahlen die Betroffenen Arbeiter 50 Jahre lang Beiträge, um für 6,5 Jahre eine um bis zu 40 Prozent geringere Pension zu bekommen.

Sehr viele wird dieses Schicksal allerdings nicht treffen, da sie bereits heute oft nicht in der Lage sind, bis 60 ihren Job auszuüben oder sie ihr Unternehmen rechtzeitig "freisetzt", bevor mit Krankenständen gerechnet werden muss. Dank der "sozialen Gesinnung der Machthaber" werden sie ihren Lebensabend jahrelang als Sozialhilfebettler fristen müssen.

Die Verantwortlichen in Wirtschaft und Regierung, wie Bartenstein, Prinzhorn usw. werden sich nicht zurücklehnen können und glauben, dass ein derartig ungerechter "Sozialraub" keinen Einfluss auf das Klima des sozialen Friedens hat.

"Die Arbeitnehmer haben sich das System der sozialen Sicherheit mit ihrer gewerkschaftlichen Stärke in den Betrieben erkämpft und sie werden es ebendort mit solidarischer Macht verteidigen", so Wilhelm Beck.

Der Bundesvorstand der Chemiegewerkschaft sprach sich einhellig dafür aus, die von der Bundesregierung geplante Pensionsreform, aber auch alle anderen sozial unverträglichen Härten mit allen zur Verfügung stehenden gewerkschaftlichen Maßnahmen zu bekämpfen!

Die Chemiegewerkschaft sieht sich darüber hinaus mit einem anderen, aktuellen Problem konfrontiert: Bei den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen für die 43.000 Beschäftigten der chemischen Industrie wurde auch in der zweiten Verhandlungsrunde von Arbeitgeberseite kein vernünftiges Angebot vorgelegt - vielleicht auch bezeichnend für die derzeitige Situation in der ehemals vorbildlichen österreichischen Sozialpartnerschaft.

ÖGB, 10. April 2003
Nr. 257

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