Ärztliche Ordinationen sind keine Inkassobüros

Wien (OTS) - "Wenn die verantwortlichen Politiker der Meinung
sind, dass Selbstbehalte im Gesundheitswesen der richtige Weg sind, um Strukturprobleme zu lösen, so ist dies zur Kenntnis zu nehmen. Wenn jedoch die neue Gesundheitsministerin sämtlichen Ordinationen in Inkassobüros umfunktionieren möchte, indem sie fordert, dass die Ärzte diesen Selbsthalt einheben sollen, so ist dies vermutlich darauf zurückzuführen, dass sie ihre Funktion erst relativ kurz ausübt und noch nicht im Detail über die tatsächlichen Abläufe in Arztordinationen informiert ist. Seitens der niederösterreichischen Ärzteschaft wird die Einhebung eines Selbstbehaltes durch die Ärzte jedenfalls striktest abgelehnt. Wir sind nicht bereit, die ohnedies durch unnötige administrative Aufgaben verringerte Zeit für die Zuwendung zu unseren Patienten noch weiter beeinträchtigen zu lassen." meinte heute der Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte, Dr. Anton Hengst aus Haag.

Seitens der Ärztekammer wird der Vorschlag von Hauptverbands Geschäftsführer Dr. Kandlhofer begrüßt, der alle Verantwortlichen zur Erarbeitung einer gemeinsamen Lösung zu einem Gespräch einladen möchte. Es existieren noch sehr viele offenen Detailfragen in diesem Bereich, die einer dringenden Lösung bedürfen. Vor allem die logistische und personelle Infrastruktur, die ein Inkasso, Mahn- und Kontrollwesen für die Einhebung von Selbstbehalten voraussetzt, sind derzeit in keiner ärztlichen Ordination gegeben. Und auch die nötigen Aufwendungen für ein solches Unterfangen sind weder in den betriebswirtschaftlichen Kalkulationen der Arztpraxen noch in den derzeitigen Honoraren beinhaltet.

Seitens der Ärztekammer wird - wenn es zu einer Einführung eines Selbstbehaltes kommt - ein Modell favorisiert, welches eine e-card inkl. Bankomatkartenfunktion zur Direktabbuchung vorsieht.
Dr. Hengst: "Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass bereits heute viele Menschen durch die Rezeptgebühr einer schweren finanziellen Belastung ausgesetzt sind. Ich glaube, dass seitens der Politik völlig übersehen wird, dass eine derartige Maßnahme dazu führen könnte, Arztbesuche oft erst zu spät in Anspruch zu nehmen. Dadurch könnte auch die Qualität in der medizinischen Versorgung sinken. Wenn die Patienten beim Arztbesuch auch noch mit der zusätzlichen psychologischen Barriere einer Zuzahlung konfrontiert sind, könnte dies in vielen Fällen gänzlich vom Arztbesuch abhalten. In Folge würden möglicherweise schwerwiegende Erkrankungen mit unabsehbaren gesundheitliche Folgen nicht rechtzeitig entdeckt werden."

Die Ärztekammer für NÖ besteht auf der Einhaltung der Zusagen der Gesundheitsministerin, dass der Zugang zu medizinischen Leistungen in Österreich - unabhängig vom sozialen Status - durch keinerlei Barrieren erschwert werden darf und für alle Menschen gleich sein muss.

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