Integration durch Arbeit: Neue Zugänge zum Arbeitsmarkt für Menschen am Rand der Gesellschaft

Wien (OTS) - Arbeitslosigkeit ist der Armutsfaktor Nummer Eins in Österreich. "Je länger jemand aus dem Erwerbsprozess draußen ist, desto schwieriger kommt er wieder hinein", schildert Caritas-Präsident Franz Küberl die Praxis. "Ganz extrem zeigt sich das am Beispiel der Sozialhilfe-EmpfängerInnen oder jener, die gar keine öffentliche Unterstützung bekommen." Sie haben keine Arbeit und finden sich nur zum Teil in den Statistiken des AMS wieder. Gudrun Biffl, Arbeitsmarktexpertin, glaubt, dass es etwa 100.000 bis 140.000 Männer und Frauen sind, die wenig realistische Chancen auf ein Arbeitsplatz haben.

Sie haben keine Zugänge zu Qualifizierungsmaßnahmen. Für viele dieser sogenannten "Outsider" - Menschen am Rande der Gesellschaft -ist der Weg zurück versperrt, sind die Einstiegshilfen ungeeignet. Viele dieser Menschen sind nicht zu 100 Prozent leistungsfähig, sind körperlich oder psychisch beeinträchtigt. Biffl weiß, dass vielfach die Kombination von mehreren Problemen die Herausforderung für die Reintegration ist und flexible Modelle notwendig sind.

"Deshalb muss das arbeitsmarktpolitische Instrumentarien zur Integration in den Arbeitsmarkt erweitert werden", gibt Küberl zu bedenken. Es ist notwendig Experimente zu wagen, die uns das Know-How dafür liefern. "Integration durch Arbeit" (ida) - ein durch das EU-Programm "Equal" gefördertes Projekt der Caritas in Zusammenarbeit mit 9 Organisationen versucht für Menschen, die weit weg vom Arbeitsmarkt sind, neue Zugänge zu schaffen.

"ida" erreichte in den ersten drei Monaten bereits 170 Menschen, obwohl erst fünf Projekte mit TeilnehmerInnen zu arbeiten begonnen haben. Ziel ist es, 680 Männern und Frauen die Möglichkeit zu geben, stundenweise Arbeitserfahrungen zu sammeln. "Die positiven Erfahrungen der ersten Wochen zeigen aber, dass es weit über 1.000 sein werden, denen wir hier die Chance einer Qualifizierung geben können", berichtet die Projektkoordinatorin Mag. Barbara Reiterer.

"ida"-Projekte gibt es in fünf Bundesländern und sie erreichen die unterschiedlichsten Zielgruppen. In Wien und Salzburg gibt es Arbeitsangebote besonders für Langzeitarbeitslose und Obdachlose. Im Burgenland fokussiert das Projekt "Mri Buti" auf Angehörige der Roma-Minderheit. In Tirol werden drogenkranke Menschen, in der Steiermark Sozialhilfe-EmpfängerInnen in ländlichen Regionen in den Arbeitsprozess integriert.

Integration durch Arbeit ist ein Experiment, das auf mehreren Ebenen wirken soll: erstens bekommen konkrete Menschen eine konkrete Chance. Zweitens werden "Wegweiser" für die Arbeitsmarktpolitik und Sozialpolitik erarbeitet. Und drittens werden Hilfestellungen für benachteiligte Menschen weiterentwickelt.

Arbeiten wollen und arbeiten können Franz Küberl sieht die langjährigen Caritas-Erfahrungen bestätigt: Arbeitslosigkeit ist nicht eine Frage mangelnden Wollens, sondern eine Frage mangelnden Könnens und angenommen Werdens. Das Können bezieht sich für viele Menschen auch auf die soziale Kompetenz im Arbeitsleben: Pünktlichkeit, Konfliktfähigkeit, Ausdauer, Teamfähigkeit - damit sie den Anforderungen des Arbeitsmarktes auch psychisch Stand halten.

Arbeit motiviert Der regelmäßige Tagesablauf, die Möglichkeit Leute zu treffen, aus dem gewohnten Umfeld wegzukommen, etwas zu lernen sind enorme Motivationsfaktoren. "In der Projektplanung sind wir davon ausgegangen", berichtet Küberl, "dass es einige Zeit dauern wird um Menschen, die so weit weg vom Arbeitsmarkt sind, in eine einigermaßen regelmäßige Tätigkeit zu integrieren. Doch die Erfahrung zeigt: Die meisten MitarbeiterInnen erscheinen regelmäßig zur Arbeit, obwohl dazu im Rahmen dieses niederschwelligen Projektes keine Pflicht besteht.

Umbau und Modernisierung der Sozialhilfe Sozialhilfe ist kein Gnadenakt des Staates, sondern Überlebenshilfe für Menschen. Sozialhilfe ist das letzte Auffangnetz für Menschen in unserer Gesellschaft und das letzte Netz zur Existenzsicherung. Der praktische Vergleich in unserem Projekt zeigt die verschiedenen Anwendungen der neun Sozialhilfegesetze der Bundesländer. Leider muss nach wie vor kritisch angemerkt werden, dass der Vollzug der Sozialhilfegesetze oft sehr beliebig ist.

Es zeigt sich, dass es sinnvoll ist arbeitsaktivierende Maßnahmen mit der Sozialhilfe zu verknüpfen. Und diese Maßnahmen können ohne Zwang auskommen. Die Menschen brauchen Hilfe, sie wollen arbeiten, Sanktionen helfen nicht.

Arbeitsmarkt erweitern "Wo der Markt versagt, ist der Staat gefordert" glaubt Küberl. Etwa auf dem Weg der Förderung von Projekten für die Männer und Frauen, die erst nach einem mehrjährigen Integrationsprozess wieder am ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können.

"Wir brauchen einen erweiterten Arbeitsmarkt mit gestuften, differenzierten und durchlässigen Angeboten und auch mit Projekten für die, die auf Dauer den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt nicht bewältigen werden, sieht Küberl die politische Herausforderung aber noch weiter gesteckt. Denn es gelte der Erfahrung Rechnung zu tragen, "dass Arbeit nicht nur entscheidend für die Existenzsicherung" sei, "sondern auch Basis für Selbstwertgefühl, für ein selbstständig gestaltetes Leben, für ein Leben in der Mitte der Gesellschaft. Es geht um ein Miteinander - auch wenn diese Menschen eine schwierige Ausgangsposition haben.

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