MENSCHLICHES ELEND KEINE RECHTFERTIGUNG FÜR DULDUNG VON TIERQUÄLEREI Prof. Antal Festetics bei Tierschutz-Enquetekommission

Wien (PK) Univ.-Prof. Dr. Antal Festetics begann seine Ausführungen im Rahmen der Tierschutz-Enquetekommission mit einer Aussage, die er im Vorfeld der Veranstaltung zu hören bekommen habe: Im Irak sterben in diesen Stunden hunderte Menschen im Bombenhagel, in Äthiopien verhungern tausende von Kindern, wir
aber kümmern uns nicht um das Leiden von Menschen, sondern um Tiere. Eine solche Argumentation sei für ihn aber leicht widerlegbar, sagte Festetics: Erstens sei menschliches Elend
keine Rechtfertigung für die Duldung von Tierquälerei. Zweitens:
Würde man mit dem Tierschutz so lange warten, bis es auf dieser Welt mit allen zwischenmenschlichen Foltern und Morden vorbei
ist, müsste man wohl bis in alle Ewigkeit warten. Drittens: Bei Menschenschutz und Tierschutz gehe es nicht um "Entweder-Oder", sondern um "Sowohl-als-auch". Viertens: Tierschutz diene nicht allein dem Wohlbefinden der Tiere, sondern auch der Humanität unserer selbst.

Wir müssen uns fragen, meinte Festetics, weshalb es schon so weit gekommen ist, dass radikale Tierschützer die gequälten Opfer der KZ-ähnlichen Tierfabriken gewaltsam "befreien" müssen? Das erzürnte Volk habe sein Begehren in Sachen Tierschutz bereits
1996 dem Hohen Haus gegenüber unmissverständlich artikuliert. Seitdem seien sieben Jahre vergangen, aber passiert sei so gut
wie nichts. Das Beschwichtigungs-Vokabular sei ebenso alt wie unwirksam und solle offenbar über die bestehenden täterschützenden Gesetze hinwegtäuschen, urteilte er.

Ziel sei die längst überfällige Bundeskompetenz zum Schutze der uns anvertrauten Mitgeschöpfe. Was den Tierschutz hierzulande so nachhaltig lähme und für die Behörden faule Ausreden ermögliche, sei der veraltete, provinzielle "Kantönligeist" unserer
Judikatur, meinte Festetics. Wenn es um die Not, um das Leiden
der Schwachen und Schutzbedürftigen geht, sei das jedoch keine Frage der politischen Zuständigkeit, sondern der persönlichen Anständigkeit, also der verantwortlichen Moral!

Aus Zeitgründen wolle er auf die Schilderung von so sattsam bekannten, skandalösen Beispielen, wie die Folterkammern der Pelztierfarmen oder die Quälereien bei den EU-Rindertransporten verzichten, führte er weiter aus. Stattdessen wolle er an eine Reihe von Tierquälereien erinnern, die vielleicht weniger bekannt sind: Die Dohle z.B. stehe in Niederösterreich zwar auf der Roten Liste der in ihrem Bestand gefährdeten Vogelarten, gleichzeitig
sei sie aber das ganze Jahr über zum Abschuss freigegeben. Ganz schlimm sei auch die Katzenverfolgung in Österreich, stellte Festetics fest. Die neun Bundesländer haben neun verschiedene Gesetze und gestatten die "Hexenjagd" auf Hauskatzen auch dann,
wenn nach dem Abschuss des Muttertieres die Katzenkinder im
Versteck elend verhungern müssen. Katzen dürfen zum Beispiel in Vorarlberg erschossen werden, wenn sie 500 Meter vom Haus
entfernt sind. Im benachbarten Tirol beträgt die Todesbannmeile 1000 Meter. "Katzen sollten deshalb Geografie lernen, bevor sie
sich uns Freie wagen und ein Maßband mitführen, wenn sie am Leben bleiben wollen."

Wertempfindungen, wie das Mitgefühl des Tierschützers, zur Illusion zu erklären und deshalb zu verspotten, nur weil sie
nicht quantifizierbar seien, ist nach Auffassung von Festetics
eines der größten erkenntnistheoretischen Irrtümer unserer technomorphen Welt. Tiere sind Lebewesen und somit das Ergebnis einer höheren Ordnung. Für den einen sind dies die Kräfte der biologischen Evolution, für den andern das Werk Gottes. Aber wir alle sollten mehr Ehrfurcht haben vor der außermenschlichen Schöpfung, forderte er. Da Tierleiden grenzüberschreitend sei, genüge es nicht, sich auf nationale Regelungen zu beschränken. Es sollte deshalb ein "amnesty international" für Mitgeschöpfe ins Leben gerufen werden mit der Aufgabe, zu untersuchen, wo und wie,
in welchem Land und in welchem Ausmaß Tierquälereien stattfinden. Eine überparteiliche, unabhängige Institution, die ihre internationalen Erhebungen jährlich den Regierungen vorlegt. Dass Tiere eine "Seele" haben, das sei gewiss. Aber wenn er an Stierkampf, Gänsestopfen oder Schlageisen denke, dann müsse man daran zweifeln, ob auch alle Menschen eine Seele haben, schloss Festetics. (Schluss Festetics/Forts. Enquete)

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