Brandsteidl fordert Bilingualität für alle Schüler

In 10 Jahren soll jedes Kind zweisprachig unterrichtet werden

Wien (OTS) - "Unser Ziel ist es, dass in 10 Jahren alle Schüler -beginnend mit ihrem Eintritt in die Volksschule - zweisprachig unterrichtet werden. Mit anderen Worten: Wir fordern Bilingualität für alle Schüler", stellte Wiens Amtsführende Stadtschulratpräsidentin Susanne Brandsteidl im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag fest.

"In einer Welt, die immer stärker von internationaler, ja globaler Vernetzung gekennzeichnet ist, wird es zu 'der Schlüsselqualifikation überhaupt', mehrsprachig kommunizieren zu können. Eine Schule, die den Anspruch, 'fürs Leben zu lernen', ernst nimmt, kommt deshalb nicht umhin, Anstrengungen für den Ausbau zweisprachigen Unterrichts zu setzen. Mit der großen Wiener Bilingualitätsoffensive setzen wird daher genau jene Priorität, die von Seiten der Gesellschaft, des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft immer wieder eingefordert werden. Einmal mehr ist Wien somit Vorreiter", führte Brandsteidl weiter aus.****

Bundesregierung blockiert

Brandsteidl betonte, dass die Anstrengungen für einen Ausbau des bilingualen Unterrichts "zumindest von den Wiener Voraussetzungen her auf einer Vielzahl erfolgreicher Projekte aufbauen können. Wien hat seine Hausaufgaben gemacht". Kritik äußerte sie jedoch daran, dass mit den Stundenkürzungen des Bundes auch dem Projekt des Ausbaus der Bilingualität geschadet werde: "Gehrer spricht von Bilingualität und Fremdsprachenkompetenz und kürzt gleichzeitig den Englisch-Unterricht an den Volksschulen - das ist absurd." Hier werde der Versuch unternommen, "die Dinge zwar schlecht zu machen, aber schönzureden."

Tatsache sei nämlich, dass auch wenn man für bilingualen, also integrierten Sprachunterricht eintrete, dies nichts an der Tatsache ändere, dass dennoch eine extra ausgewiesene Englischstunde wichtig und unverzichtbar sei: "Irgendwo müssen ja zunächst die Basics erworben werden, um den bilingualen Unterricht in anderen Fächern zu einem 'Erfolg' zu machen. Umgekehrt ist es ja auch so, dass obgleich alle Schüler mit Deutschkenntnissen in die Schule starten, es dennoch Deutschunterricht gibt."

Brandsteidl: "Um es bilingual zu sagen: In der Argumentation Gehrers wird Bilingualität zu einem 'Fake' und zu einem Täuschungsmanöver in Sachen Stundenkürzungen." Wenn der Bundesregierung tatsächlich an einem Ausbau des bilingualen Unterrichts gelegen sei, wäre es sinnvoller, so die Stadtschulratspräsidentin, z.B. endlich die Voraussetzungen für die Einstellung von Native Speaker an den Schulen zu vereinfachen.

Zweisprachigkeit ist Realität in Wien

"Doch Schule findet statt - trotz Gehrer. Und deshalb haben wir uns in Wien entschlossen, uns gegen diese Ideologie des 'Immer weniger' in der Bildung zu stemmen und eigene Akzente für den Ausbau des bilingualen Unterrichts zu setzen", meinte sie weiter und führte eine Vielzahl an Beispielen an: So gebe es bereits an 7 Volksschulen, 8 Mittelschulen und 4 Höheren Schulen bestehende bilinguale Angebote. Weiters sei mit der vor zwei Jahren begonnenen GEPS (Global Education Primary School) ein weiterer innovativer Schritt gesetzt worden:
"Inzwischen haben wir bereits vier Schulstandorte, an denen nach den Prinzipien von GEPS einerseits Englisch als Arbeitssprache verwendet wird und andererseits die Schüler speziell in modernen Informationstechnologien geschult werden." Als zusätzliche "im weitesten Sinn bilinguale Projekte" nannte sie unter anderem die "Junior High School" (2 Standorte), die "European Primary School" (2 Standorte), die "European High School" sowie die vier Standorte der Fremdsprachen-Hauptschule "FHS".

Wien setzt auf Bilingualität

Brandsteidl: "Doch Sprachenförderung heißt in Wien nicht allein bilingualer Unterricht in Englisch, sondern umfasst auch andere Sprachen wie Französisch oder die Sprachen unserer östlichen Nachbarländer. Gerade in Hinblick auf die Erweiterung der Europäischen Union ist der Ausbau vor allem der Fremdsprachenangebote in Ungarisch, Slowakisch und Tschechisch von besonderer Bedeutung und kann auch wirtschaftlich mittelfristig einen wichtigen Standortvorteil für Wien bedeuten."

Dies sei auch der Grund, weshalb Wien - der Politik der Bundesregierung zum Trotz - weitere Initiativen im Bereich Bilingualität setze. Brandsteidl: "So werden wir auf der einen Seite im kommenden Schuljahr neue Angebote für den Fremdsprachenunterricht an Wiener Schulen machen und andererseits den direkten Kontakt mit der Wirtschaft intensivieren." "Denn", so Brandsteidl weiter, "es gibt viele positive Signale aus der Wirtschaft: Dort ist man der Meinung, dass der Erfolg heimischer Betriebe in einem internationalen Umfeld ganz zentral von den Kommunikations- und Fremsprachenfähigkeiten künftiger Arbeitnehmer und somit jetziger Schüler abhängt."

Dennoch, aus ihrer Pflicht entlassen könne man Ministerin Gehrer auf keinen Fall: "Wenn unsere Schulen auch weiterhin die bestmögliche Ausbildung für unsere Kinder bieten sollen, dann wird es dafür Ressourcen brauchen - auch und gerade beim Ausbau des Fremdsprachenangebots. Ich fordere die Bundesministerin auf, endlich aktiv zu werden und Initiativen für den Ausbau bilingualer Unterrichtsformen zu setzen. Einsprachigkeit ist heilbar und Einsilbigkeit bringt uns nicht weiter: Die Zeit drängt, Gehrer muss endlich wieder etwas für die Schulen tun."

Wissenschaft bestätigt: Keine Alternativen zu Bilingualität

Abschließend betonte Brandsteidl, dass es "zum Ausbau eines bilingualen Unterrichts an den Schulen in Wahrheit keine Alternative gibt: auf der einen Seite aufgrund der Erfordernisse von Wirtschaft und Gesellschaft, andererseits auch, da die Wissenschaft ganz klar bestätigt, dass Fremdspracherwerb dann besonders erfolgreich ist, wenn er bereits möglichst früh in der Kindheit beginnt." Als Beleg hierfür nannte sie unter anderem Ergebnisse aus der Hirnforschung (vgl. Wartenburger, Reekeren, Abutalebi, Cappa, Villringer und Perani, "Early Setting of Grammatical Processing in the bilingual Brain"), die belegen, dass allein aufgrund der Analyse der Hirnaktivität beim Fremdsprachenerwerb deutlich werde, dass je später Spracherwerb stattfinde, desto stärker das Gehirn "belastet" sei. Überdies zeigten Forschungsergebnisse, dass "Bilingualität ein Türöffner für Multilingualität ist. Mit anderen Worten: Wer bereits im Volksschulalter eine zweite Sprache erlernt, ist später leichter als andere dazu befähigt, sich zusätzliche Sprachen anzueignen."

Brandsteidl: "Wie man es auch dreht und wendet: An der Förderung bilingualen Unterrichts bereits ab der Volksschule führt kein Weg vorbei. Wien wird sich dieser Herausforderung stellen. Im Unterschied zur Frau Ministerin sind wir der Meinung, dass wir den Fremdsprachenunterricht an den Schulen stärken müssen, statt den Spracherwerb in die Abendschule zu verlagern."
(Schluss) ssr

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