"Lebendig begraben" - Wie gehen wir mit unseren Alten um

Offener Brief an Frau Barbara Stöckl

Wien (OTS) - Ich darf zu Ihrem heutigen Thema "LEBENDIG BEGRABEN" einen Beitrag leisten.

Als Vorsitzender der Bundessektion Landesanstalten und Betriebe in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (Sozial- u. Pflegeberufe) verstehe und kenne ich Ihre Sorge um die Pflege und die Betreuung der älteren Menschen in Österreich.

Ich habe auch aus medizinischer Sicht Verständnis, dass Sie Ihr Anliegen im Rahmen einer Schocktherapie veröffentlichen. Ich kenne Sie und schätze Ihre hervorragende Arbeit, besonders Ihr soziales Engagement und weiß auch, dass Sie sich um eine objektive Berichterstattung bemühen.

Es muss daher auch veröffentlicht werden, dass österreichweit in einer Vielzahl von erstklassigen Heimen die älteren Bewohnerinnen und Bewohner hervorragend gepflegt und betreut werden.

Es wäre kontraproduktiv, die positive Arbeit unserer Heime durch ausschließlich negative Berichte in Bausch und Bogen zu verwerfen.

Mißstände gehören selbstverständlich sofort abgestellt und das ist klarerweise die Aufgabe der Heimaufsicht.

Die Sozialreferenten der Bundesländer haben dieses Instrumentarium der Heimaufsicht geschaffen. Die Heimaufsicht steht den Heimen beratend und unterstützend zu Verfügung und hilft, Probleme zu lösen.

Die Bundessektion Landesanstalten und Betriebe in der GÖD deckt keinesfalls etwaige Missstände in Alten- u. Pflegeheimen. Wir dürfen aber herzlich einladen, Heime zu besuchen, die bestens laufen.

Zum Beispiel haben der Sozialreferent der OÖ. Landesregierung Landesrat Josef Ackerl und der Referent für soziale Anstalten Prim. Dr. Walter Aichinger eine Verordnungsregelung herbeigeführt, die bei Neubauten von Altersheimen Ein- u. Zweibettzimmer vorsieht. Bei Sanierungsbedarf von bestehenden Einrichtungen wird nach dieser Verordnungsnorm umgebaut.

Freiheitsbeschränkende Maßnahmen werden nicht gutgeheißen, im Alltag ist aber oftmals im Interesse der Bewohner notwendig, das Herausfallen aus dem Rollstuhl oder Bett zu verhindern.
Ein Verzicht auf diese Schutzmaßnahmen kann wegen der hohen Verletzungsgefahr nicht verantwortet werden.
Der zuständige Bundesminister Vizekanzler Mag. Herbert Haupt wird gebeten, zum Schutz der BewohnerInnen ein diesbezügliches Gesetz zu schaffen (übergreifende Zusammenarbeit mit weiteren Ministerien ist notwendig)

Auch die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst fordert eine österreichweite Ausbildungsoffensive für Pflegeberufe, wie sie beispielsweise der Landeshauptmann von Oberösterreich, Dr. Josef Pühringer gestartet hat.

Für das diplomierte Gesundheits- u. Krankepflegepersonal im Alten u. Pflegeheimbereich gibt es keine eigene Ausbildungsstätte zum Erwerb des Diploms. Die Alten- u. Pflegeheime müssen auf jene Absolventen der Gesundheits- u. Krankenpflegeschulen warten, die keine Anstellung in einem Krankenhaus bekommen. Eigene Ausbildungsstätten wäre sinnvoll. Auch hier wäre offensiv vorzugehen.

Frau Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat wird gebeten, eine Pflegeausbildungsoffensive zu starten, um mehr Personal für Pflege-u. Altenheime zu bekommen.

Im Rahmen der Arbeitsmarktförderungsmaßnahmen (Sozialreferat Minister Bartenstein) sind genügend Budgetmittel vorhanden. Sie müssen nur angesprochen werden.

Johann Hable
Vorsitzender

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