Papierindustrie: Positiver Jahresabschluss trotz schlechter Rahmenbedingungen

Schwerpunktthemen: Road Pricing und Ökostrom - für 2003 keine wesentlichen Änderungen zu erwarten

Wien (PWK211) - Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen hat die österreichische Papierindustrie im Jahr 2002 positiver abgeschnitten als erwartet. So nahm die Produktion um vier Prozent auf 4.420.000 Tonnen zu. Der Motor der Entwicklung war dabei der Export, der um 6,5 Prozent stieg und die Exportquote auf nun 84 Prozent erhöhte. Bedingt durch Preisrückgänge, der Durchschnittserlös fiel um 3,9 Prozent, musste die Papierindustrie ein stagnierendes Umsatzergebnis bei 3,5 Milliarden Euro hinnehmen. Für die Produktion wurden 2002 1,5 Millionen Tonnen Zellstoff, 0,4 Millionen Tonnen Holzstoff und 1,9 Millionen Tonnen Altpapier sowie eine Million Tonnen mineralische Stoffe eingesetzt.

Die Anzahl der Beschäftigten stieg 2002 wieder leicht auf nun 9.560 Mitarbeiter. Die KV-Verhandlungen im November gestalteten sich in Folge der sehr unterschiedlichen Entwicklung in den einzelnen Sortengruppen äußerst schwierig. Das größte Projekt 2002 war die Errichtung einer neuen Maschine für Magazinpapiere bei der SCA in Laakirchen. Weitere größere Umbauten und Investitionen wurden von Steyrermühl, Hamburger, Lenzing und Mayr-Melnhof durchgeführt.

In einer eigenen Klima-Branchenstrategie versucht die Papierindustrie den Herausforderungen der Klimapolitik, vor allem dem ab 2005 geplanten europäischen Emissionshandel, zu begegnen. Eine falsche Umsetzung dieses neuen umweltpolitischen Instruments würde die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Betriebe massiv gefährden. Durch das Ökostromgesetz bereits eingetreten sind Kostenbelastungen und die Diskriminierung industrieller Ökostromanlagen, außerdem besteht die dringende Gefahr einer Verteuerung des Rohstoffes Holz.

Aktuelles Thema ist für die Papierindustrie auch die LKW-Maut. 2002 betrug der Bahnanteil im Durchschnitt von Bezügen und Lieferungen 47 Prozent. Das ist ein konstant hoher Wert, der kaum von einer anderen Industrie erreicht wird. Mit der nun aktuellen Version des bevorstehenden Road Pricing ist die Papierindustrie mit einer Wettbewerbsverzerrung konfrontiert. Der österreichische Mauttarif wird mit durchschnittlich 22 Cent pro Kilometer wesentlich höher sein als der in Deutschland mit durchschnittlich 15 Cent pro Kilometer vorgesehene (für schwere LKWs sind es 27 gegenüber 17 Cent pro Kilometer). Für die Papierindustrie zeigt sich, dass jeder Cent aus dem Titel Road pricing eine Kostenbelastung in Höhe von einer halben Million Euro pro Jahr verursachen wird. Bei durchschnittlich 22 Cent wären das 11 Millionen Euro. Umschichtungen sind in Folge des bereits hohen Bahnanteiles in der Papierindustrie kaum möglich.

Für 2003 erwartet die Papierindustrie keine wesentlichen Änderungen zum Geschäftsverlauf des Jahres 2002. Das heißt unter anderem gebremstes Mengenwachstum, steigende Kosten bei Energie, Rohstoffen, Transport und Umweltschutz und schließlich keine größeren Umsatzsteigerungen. Neue Wirtschaftsimpulse sind weder aus Europa noch aus Übersee in Sicht. (us)

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