ÖGB-Frauen: Bilanz über gewerkschaftliche Frauenarbeit unter Schwarz-Blau (2)

Csörgits: "Wir lassen uns vom konservativen Gegenwind nicht aufhalten"

Wien (ÖGB). "Die ÖGB-Frauen fanden sich im Jahr 2000 mit einer Regierung konfrontiert, die darauf abzielte, die österreichische Sozialpartnerschaft dauerhaft zu schwächen und zu zerstören", eröffnete ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits beim 14. ÖGB-Frauenkongress den Bericht der Frauenabteilung über die vergangenen vier Jahre. Mit einer Strategie der Überfallstaktik habe die Regierung Verschlechterungen für die ArbeitnehmerInnen durchgezogen - die Einschnitte hätten die Frauen besonders getroffen, so Csörgits weiter.++++

Bei der ÖGB-Urabstimmung für soziale Gerechtigkeit hätten 806.545 Mitglieder gegen den Belastungskurs gestimmt. "Es liegt an uns, unsere Kolleginnen und Kollegen angesichts neuerlich drohender Belastungen zu motivieren, sich für den Erhalt der sozialen Errungenschaften einzusetzen", sagte Csörgits.

Frauen fänden sich immer häufiger an den Rand des Arbeitsmarktes gedrängt. Während Vollzeitarbeitsplätze zurückgingen, steige die Zahl jener, die über Teilzeit, geringfügige Beschäftigung und freie Dienstverträge sowie Werkverträge beschäftigt seien, laufend an. Der ÖGB habe auf die besorgniserregende Entwicklung reagiert und ein eigenes Beratungs- und Versicherungsangebot für freie DienstnehmerInnen und neue Selbstständige, das Projekt "FlexPower", geschaffen, sagte Csörgits.

ÖGB-Frauen bieten Hilfe für Wiedereinsteigerinnnen -www.kindergeldrechner.at

Das Alternativkonzept der ÖGB-Frauen zum Kindergeld, das einkommensabhängige Karenzgeld Plus, konnten die ÖGB-Frauen bislang zwar nicht durchsetzen. "Wir haben daraufhin überlegt, wie wir den Wiedereinsteigerinnen helfen können, damit die komplizierte Zuverdienstgrenze beim Kindergeld für sie nicht zur Falle wird. Das Ergebnis ist unser Online-Kindergeld-Rechner, mit dem sich die Frauen ausrechnen können, wie viel sie verdienen dürfen, damit sich beides ausgeht: Kindergeld und Job", erklärte ÖGB-Frauensekretärin Sylvia Ledwinka. Unter www.kindergeldrechner.at findet man neben dem Kindergeldrechner auch umfassende Information rund um Kindergeld und Karenz.

Den vormaligen "Frauenminister" Haupt setzten die ÖGB-Frauen zur Jahreswende 2001/2002 erfolgreich unter Druck, als er die Arbeit der Gleichbehandlungskommission blockierte, indem er den Vorsitz monatelang nicht nachbesetzte. Nach dem öffentlichen Protest der ÖGB-Frauen war die Position binnen Wochen neu besetzt und die Kommission konnte wieder arbeiten - 30 Fälle, viele von ihnen aus dem Bereich sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz - hatten sich in der Zwischenzeit angesammelt.

Die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede thematisierten die ÖGB-Frauen mit zwei Einkommens-Enqueten. Zur Bekämpfung der versteckten Einkommensdiskriminierung in den Kollektivverträgen entwickelten sie zudem einen Leitfaden für GewerkschafterInnen und BertriebsrätInnen.

Breite Allianz für Beibehaltung des freien Sonntags

Die Allianz für den freien Sonntag, eine Kooperation von 48 Organisationen zur Hintanhaltung der Sonntagsarbeit, wurde im Oktober 2001 gegründet. Der ÖGB und alle Gewerkschaften sind Mitglied der Allianz, "bei der wir bewusst ein Bündnis mit den Kirchen eingegangen sind", sagte ÖGB-Frauenvorsitzende Csörgits. Nachdem die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten unter der ersten FPVP-Regierung verhindert werden konnte, habe die zweite Auflage der schwarz-blauen Regierung nun neuerlich massive Verschlechterungen für die ArbeitnehmerInnen im Handel und bei handelsähnlichen Dienstleistungen vor. Csörgits kündigte an, der ÖGB werde gemeinsam mit der Sonntagsallianz weiterhin gegen diese Verschlechterungen auftreten.

Auf internationaler Ebene haben die ÖGB-Frauen gemeinsam mit Amnesty International, der ILO (Internationalen Arbeitsorganisation) und RAWA (Revolutionary Association of Women in Afghanistan) Aktionen gegen die Kinderarbeit und zur Unterstützung der Frauen in Afghanistan durchgeführt.

Hinsichtlich der gewerkschaftsinternen Bemühungen um Chancengleichheit berichtete Csörgits, dass sich der ÖGB dazu verpflichtet habe, im Zuge der Organisationsreform das Prinzip des Gender Mainstreaming umzusetzen. Bis zum Bundeskongress des ÖGB im Oktober werde eine Projektgruppe Instrumente zur Umsetzung, Kontrolle und Überprüfung des Gender Mainstreaming erarbeiten und einen entsprechenden Zeit- und Ressourcenplan erstellen, kündigte die ÖGB-Frauenvorsitzende an. (mfr)

ÖGB, Nr. 245 9. April 2003

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