ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposium: Glatteis, Föhn und Nebelwand - Wetterkapriolen und Straßenverkehr

34 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher empfinden die Wettersituation als größte Gefahrenquelle auf der Straße

Wien (ÖAMTC-Presse) - Dichtes Schneetreiben, schwere Stürme, dazwischen Sonnenschein, Blitz und Donner - der launische Wettermonat April wurde seinem Ruf in den vergangenen Tagen bereits mehr als gerecht. Viele Verkehrsteilnehmer kamen mit den Wetterkapriolen kaum zu Rande, was nicht ohne Folgen blieb: Auf der Süd-Autobahn im Wechselgebiet kam es am Sonntag zu zwei Massenkarambolagen, in die mehr als 40 Pkw und ein Reisebus verwickelt waren. Das trifft das Thema des Frühjahrs-Symposiums von ÖAMTC und ÄKVÖ, Ärztliche Kraftfahrvereinigung Österreichs, auf den Punkt: Die Wetterkapriolen im Straßenverkehr. Wenn Glatteis, Föhn & Co den Verkehrsteilnehmern das Leben schwer machen.

Das Wetter zeigt sich jeden Monat in einem anderen Gewand. Dementsprechend vielfältig sind die Auswirkungen auf den Menschen im Straßenverkehr. Bei einer aktuellen ÖAMTC-Befragung unter 400 Österreicherinnen und Österreichern gaben 34 Prozent an, die Wettersituation als größte Gefahrenquelle auf der Straße zu erleben. Läuft das Wettergeschehen aus der Norm und sind die Fahrbedingungen kritisch, ist dann häufig Angst als Co-Pilot mit an Bord. Vor allem von wetterfühligen und wetterempfindlichen Menschen wird das Wetter in seinen Ausprägungen recht dramatisch erlebt. Ganz im Gegenteil sehen manche Autolenker gerade im kapriziösen Wetter eine spannende Herausforderung auf der Straße. Inmitten dieses Spannungsfeldes beschäftigten sich sieben Referenten aus verschiedensten Fachgebieten damit, wie das Wetter von außen und von innen auf den Verkehrsteilnehmer wirkt.

"Die mit Abstand gefährlichsten Wettererscheinungen für Autofahrer sind Glatteis, Fahrbahnnässe und schlechte Sicht", sagte ORF-Meteorologe Manfred Bauer beim Symposium. Aber das Wetter wirkt auch auf den Menschen ein. "Da muss man nicht an spezielle Phänomene wie den Föhn im Inntal oder beständigen Hochnebel im Wiener Becken denken, die auf das Wohlbefinden Einfluss haben können. Immerhin stellt auch große Hitze für jede zehnte Person eine Gefahr dar", so Bauer weiter. Hohe Unfallgefahr besteht aus Sicht von Universitätsprofessor Gerald Fischer, Forschungsstelle für Medizinische Bioklimatologie am Hygiene-Institut der Universität Graz, bei Gewittertätigkeit und Schwüle, besonders an "Tropentagen" mit Temperaturen über 30 Grad. "Das Herz-Kreislauf-System wird besonders belastet, die Reaktionszeit ist verlängert", erläuterte Fischer. Auch wenn die Luftdruckwerte sinken, ist mit einem Anstieg der Unfallraten zu rechnen.

Aus verkehrspsychologischer Sicht hat etwa langanhaltend sonniges Wetter häufig trübe Auswirkungen auf die Unfallbilanz. "Beständiges Schönwetter, angenehme Temperaturen und trockene Fahrbahn bedeuten meist hohes Verkehrsaufkommen. Nach dem Motto 'nichts wie raus' herrscht regelrechte Aufbruchstimmung", erläuterte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. "Zahlreiche Lenker sind dann versucht, vieles lockerer zu nehmen, stärker aufs Gaspedal zu treten und auflauernde Gefahren leichter zu ignorieren."

Nicht angepasste Geschwindigkeit als Unfallursache Nummer Eins

Tatsächlich passiert der überwiegende Teil der Unfälle nicht bei widrigen Wetterumständen, sondern wenn es heiter oder bewölkt ist. "Bei 70 Prozent aller Unfälle ist die Fahrbahn trocken, bei etwa 24 Prozent nass. Schneefahrbahn oder eisglatte Straßen haben den geringen Anteil von rund einem Prozent", berichtete Verkehrstechniker Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit über die Unfallstatistik. Allerdings sind Verletzungsschwere und Zahl der Getöteten gerade bei Unfällen auf Schnee- und Eisfahrbahn sowie bei Nebel oder Wind deutlich erhöht. Unfallursache Nummer Eins: Die Lenker sind schlichtweg zu schnell unterwegs.

Norbert Filippits, der Leiter des ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrums Tirol (wird im Mai eröffnet), weiß aus der Praxis, dass nur ein sehr kleiner Teil aller Unfälle auf fahrbahnbedingte Überraschungseffekte (Eisregen, plötzliches Aquaplaning, Hitzeschäden der Fahrbahn, Spurrinnen, Bodenwellen, schmierige Fahrbahn usw.) zurückzuführen ist. "Zum Großteil sind unsere Probleme hausgemacht. Das fängt schon beim zu späten Wechsel auf Winterreifen an", sagte Filippits. Umgekehrt steckten dieses Jahr viele Lenker zu früh auf Sommerreifen um, wie man an den Unfällen vom vergangenen Wochenende sehen konnte. "Kann man den Fahrbahnzustand ausmachen, ist es einem möglich, die Geschwindigkeit anzupassen - vorausgesetzt man will", so Filippits. Blindes Vertrauen in ABS, ESP & Co allein nützt seiner Ansicht nach wenig: "Es ist sicherlich bekannt, dass einem die beste Technik nicht hilft, wenn man sie falsch einsetzt."

Das fordern ÖAMTC- und Symposiums-Experten

"Das Wetter können wir nicht ändern, aber unser Verhalten als Verkehrsteilnehmer", so eine Schlussfolgerung aus dem Symposium. Wetterbedingte Risikofaktoren sind im Straßenverkehr nicht zu unterschätzen, mancher Verkehrsunfall wäre mit Sicherheit zu verhindern, sind sich ÖAMTC- und Symposiums-Experten einig.

* Autofahrer sensibilisieren: Die Lenker müssen Tempo und Fahrweise den Witterungsbedingungen anpassen und den Sicherheitsabstand einhalten. Die allgemeinen Tempobeschränkungen gelten nur unter "optimalen Bedingungen hinsichtlich Sicht und Fahrbahn-Beschaffenheit". Bei Verschlechterung muss die Devise daher grundsätzlich "Runter mit dem Tempo" lauten. Läuft das Wettergeschehen aus der Norm, unbedingt passiv fahren. Die ÖAMTC-Experten appellieren an die Kraftfahrer, immer mit "Reserven" unterwegs zu sein. Nur so kann man noch reagieren oder ausgleichen, wenn Unerwartetes auf einen zukommt.

* Sicherheit der Straßen prüfen: Unfallhäufungspunkte, die vor allem bei Schlechtwetter eine Gefahr darstellen, müssen aufgefunden und saniert werden. Bei allen Straßenneubauten und Umplanungen werden auf Betreiben des ÖAMTC bereits jetzt in der Planungsphase Verkehrssicherheits-Audits durchgeführt. Das bestehende Straßennetz muss periodisch auf kritische Stellen überprüft werden, und zwar unabhängig vom Unfallgeschehen. Untersucht gehören beispielsweise Beleuchtung, gute Sichtverhältnisse, Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche und rechtzeitige Erkennbarkeit von Markierungen und Beschilderungen.

* Unterstützende Technik im Fahrzeug: Weniger Ablenkung durch technische "Spielereien" im Auto, mehr echte Hilfe für die Kraftfahrer in schwierigen Wettersituationen, wie z.B. "Wetterwarner", die etwa bei Glatteis- bzw. Nebelgefahr ansprechen, lautet der Appell an die Industrie.

* Moderne Technik im Straßenraum: Der ÖAMTC erneuert seine Forderung nach einem elektronisch gesteuerten Verkehrsmanagement. Mit Hilfe von telematischen Verkehrsinformationen können Lenker sicher durch kritische Wettersituationen gelotst werden. Dazu gehören auch rechtzeitige Warnhinweise in nebelgefährdeten Zonen, wie das Warnsystem, das derzeit in Oberösterreich getestet wird. Durch moderne Kameratechnik kann Nebelbildung kilometerweit vorher erkannt und die Lenker rechtzeitig gewarnt werden.

* Rascher Verkehrsinformationsdienst: Die wichtigste Informationsquelle für den Kraftfahrer ist das Autoradio. Hier sind alle Informations-Lieferanten gefordert, schnellstmöglich eine Warnung über die kritische Wettersituation zu versenden. In Extremsituationen - derzeit meist bei Glatteis - werden sogar Autobahnen gesperrt. In Italien hat man über Sperren bei starkem Nebel diskutiert. Solche Maßnahmen können aber immer erst mit etwas Verzögerung ergriffen werden. Die aktuelle Verkehrsinformation über Rundfunk ist daher derzeit sicher eines der effektivsten Kommunikationsmittel.

* Effiziente Verkehrsüberwachung: Bei Schlechtwetter sind der Verkehrsüberwachung durch die Exekutive - sowohl den Beamten im Einsatz, als auch der Technik - Grenzen gesetzt. Es muss alles getan werden, um rücksichtslose und rasende Lenker schon bei normalen Bedingungen zur Vernunft zu bringen. Diese Lenker-Gruppe darf die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer in kritischen Wettersituationen nicht noch zusätzlich gefährden.

Aviso an die Hörfunk-Redaktionen:
Ein Interview mit ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger ist auf der APA-Audio-Plattform verfügbar.

(Schluss)
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