Waldbesitzer sind Vertragspartner

Walddialog muss nachhaltige Forstwirtschaft stärken

Wien (OTS) - Wälder sollen vor Lawinen und Muren schützen, den Menschen Raum zur Erholung bieten, einen Beitrag zu Umweltschutz sowie Artenvielfalt leisten, Holz produzieren. Doch wer kümmert sich um den Wald? In Österreich befinden sich rund 80 Prozent der Wälder in Privatbesitz, die meisten davon werden seit Generationen als Familienbetriebe geführt. Will man über die Zukunft der Wälder diskutieren, muss man ihre Besitzer als Vertragspartner sehen.

"Rund 170.000 Forstbetriebe unterschiedlichster Größen sorgen seit Generationen für die österreichischen Wälder", sagt Stefan Schenker, Präsident des Hauptverbandes der Land- und Forstwirtschaftsbetriebe anlässlich der Eröffnung des Walddialogs. "Das Ziel der Waldbesitzer ist seit jeher, ihren Kindern einen gesunden und sorgsam gepflegten Baumbestand zu übergeben, der die wirtschaftliche Grundlage sichert." Daher ist die nachhaltige Bewirtschaftung ein zentraler Gedanke: dem Wald werden nur so viele Bäume entnommen, wie sie nachwachsen. Dies ist einer der wesentlichen Gründe für die stetige Zunahme der Holzvorräte. In Österreich bestehen etwa 47 Prozent der Landesfläche aus Wald, die Tendenz ist steigend.

Leistungswunder Wald

Die Anforderungen der Gesellschaft an den Wald sind vielfältig. Eine seiner wichtigsten Funktionen ist es, die Menschen und Infrastruktur vor Naturgefahren wie Lawinen und Muren zu schützen. Viele Regionen Österreichs wären ohne Schutzwälder nicht bewohnbar. Überdies bietet der Wald seinen Besuchern Raum zur Erholung und steht allen offen. "Die Waldbesitzer und ihre Partner wie etwa der Tourismus haben durch Langlaufloipen, Schipisten oder Mountainbike-Wege diese Gebiete noch attraktiver gemacht", so Schenker. Der Wald leistet zudem einen großen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen sowie für den Umweltschutz. Geschützte Gebiete können von ihren Besitzer nur bedingt, in den meisten Fällen jedoch gar nicht wirtschaftlich genutzt werden. Für diesen Einkommensverlust sollten die Waldeigentümer entschädigt werden.

Aufgrund der ständig steigenden Treibgasemissionen und ihren fatalen Folgen für unser Klima, sollte gerade der Umweltschutz ein zentrales Thema im Walddialog sein. Dabei ist folgender Blickwinkel wichtig: Europa wird heute zu 80 Prozent aus nicht erneuerbaren Energieträgern wie Erdöl, Gas, und Kohle versorgt. Mehr Holznutzung ist sinnvoll, denn dies könnte eine Unmenge an sauberer Energie liefern. Bei der Verbrennung von Holz entsteht kein zusätzliches CO2; überdies ist der Wald ein riesiger Kohlenstoffspeicher. Er holt CO2 aus der Luft und verwendet es beim Baumwachstum als Baustein für das Holz. Der Kohlenstoff bleibt auch im verbauten Holz wie etwa Fenstern oder Möbeln gespeichert. Außerdem schafft die Nutzung Platz für junge Bäume, die in der Hauptwachstumsphase mehr CO2 binden als alte. Mit dem neuen Ökostromgesetz wird von Österreich ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

Holz macht stark

Österreich wird seit über 2000 Jahren von Menschen geprägt: so entstanden Dörfer, Verkehrswege, Bauten, Städte. Doch auch die Landschaft mit ihren Wäldern, Feldern, Wiesen und Seen wurden von den Bewohnern unseres Landes geformt. Somit sind auch der Wald und seine Bewirtschaftung Teil unserer Kultur. Die letzten 50 Jahre zeigen, welche großen Leistungen die Forstbetriebe in Österreich für den Wald und seine Nutzer erbracht haben. Wurden von der Politik und Lehre Mitte des vergangenen Jahrhunderts noch eine Waldbewirtschaftung mit ziemlich einheitlichen Baumbeständen gefördert, so haben die Waldbesitzer bereits 2/3 dieses Naturraums durch sorgsame Pflege in einen naturnahen Zustand gebracht.

Die österreichische Forst- und Holzwirtschaft hat jedoch auch wirtschaftlich Erfolgsgeschichte geschrieben: das Holz bildet den Rohstoff für unsere wettbewerbsstarke Säge- und Papierindustrie, in Zukunft wird dieses Naturprodukt auch für die Energieerzeugung stark an Bedeutung gewinnen. Aus der Wald- und Holzwirtschaft beziehen 290.000 Menschen ihr Einkommen; der Wirtschaftszweig sichert in den schwachen ländlichen Regionen dringend benötigte Arbeitsplätze.

Holz und Holzprodukte aus Österreich sind aufgrund ihrer Qualität im Ausland sehr gefragt: Mit 6 Mio. m3 ist Österreich der 5. größte Nadelschnittholz-Exporteur der Welt. Davon gehen 4 Mio. m3 an unseren Hauptmarkt Italien und etwa 500.000 m3 nach Deutschland. Nach wie vor ist der Überseemarkt mit Japan sowie Amerika ein wichtiger Abnehmer für die österreichischen Schnittholzproduzenten - über 700.000 m" werden in diese Länder exportiert. Die Papier- und Plattenindustrie verkauft über 80 Prozent ihrer Waren in andere Länder.

"Weniger bekannt ist, dass der Rohstoff aus unseren Wäldern neben dem Tourismus der wichtigste Devisenbringer ist: mit 2,52 Mrd. Euro stand die Forst- und Holzwirtschaft im Jahre 2001 an der Spitze der Leistungsbilanz", so Schenker. Dies entspricht mehr als dem Dreifachen der Bundesausgaben für den Bereich Gesundheit - im Jahr 2001 wurden dafür rund 748 Mio. Euro aufgewendet.

Partnerschaft als Chance

Die österreichischen Waldbesitzer sind für Gespräche mit Interessensgruppen immer offen. "Wir sehen den Walddialog daher als Chance, das gegenseitige Verständnis zu stärken", sagt Schenker. "Er bietet zudem eine Plattform, auf der wir unsere emotionale Verbundenheit mit dem Wald und Bäumen vermitteln können." Die Waldeigentümer sind offen für die Bedürfnisse der Gesellschaft - dies sollte aber nicht in Form von weiteren Vorschriften geschehen.

Die Waldbesitzer sind jedoch als Vertragspartner gerne bereit, auf Wünsche der Allgemeinheit einzugehen und diese im Rahmen der Möglichkeiten umzusetzen. Wie gut dies funktioniert, zeigt die Zusammenarbeit von Forstbetrieben mit den Gemeinden: sie ermöglicht unter anderem den Bau von ländlichen Wegen oder Wasserleitungen. Die Partner im Walddialog sollten darauf achten, dass sich die Diskussion nicht auf das Aufstellen von Forderungen und Gegenforderungen konzentriert. Gelingt es durch diesen neuen Weg, Lösungen für Konflikte zwischen Waldeigentümern und Interessensgruppen zu finden, so wird der Wald auch in Zukunft seine vielfältigen Leistungen zum Wohle aller erbringen können.

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Kristin Dawes
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