"Kleine Zeitung" Kommentar: "Bush und das ABBA-Syndrom: 'The winner takes it all!'" (Von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 09.04.2003

Graz (OTS) - Bei der Neuordnung des Irak machen die USA keine Konzessionen.

Noch tobt der Krieg im Irak. Noch wissen wir nicht wirklich, ob es die gefürchtete große Schlacht um Bagdad geben wird, oder ob die Amerikaner den Gegner nicht schon längst zerbombt
und zermürbt haben. Vorerst konzentriert sich die Supermacht darauf, Symbole zu zerstören.

Das nennt man psychologische Kriegsführung: Wenn die Statuen des Diktators zermalmt, seine Bilder vernichtet, seine Mosaike zertrümmert werden, wenn amerikanische Soldaten in
verlassenen Palästen an goldenen Wasserhähnen drehen, dann stirbt die Mär von der Allmacht eines Despoten.

Aber die Panzerfahrten zu den Präsidentenpalästen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Amerikaner die Fünf-Millionen-Einwohner-Metropole noch nicht einmal annähernd unter
Kontrolle haben. Selbst ein paar hundert, wenn nicht tausende Saddam-Gardisten, die sich wohl längst ihrer Uniformen entledigt haben, können, nein, werden Widerstand leisten. Diese
Männer haben nicht mehr viel zu verlieren. Und geschützt durch eine wehrlos zwischen die Fronten geratene Zivilbevölkerung können sie den neuen Herren noch einige Sorgen bereiten.

Aber die Amerikaner haben vorgebaut. Denn da der exakte Zeitpunkt eines Sieges schwer definierbar sein könnte und da nicht sicher ist, ob man Saddam als Kriegstrophäe wird vorweisen
können das Beispiel von Osama Bin Laden hat George W. Bush vorsichtig gemacht , soll demnächst eine Art Parallelmacht installiert werden. Motto: Saddam mag ja noch existieren
aber die wahren Herren sind wir Amerikaner!

Wer daher in den westlichen Ländern, in der irakischen Opposition oder gar in der arabischen Welt gehofft hat, bei der Nachkriegsordnung mitreden zu können, wird in Washington ähnlich erfolgreich sein wie jene, die Bush und Co. von diesem Krieg abbringen wollten. "Wir haben den Irak mit unserem Blut befreit
wir bestimmen daher auch ganz allein, wie es jetzt
weitergeht!" Das ist die amerikanische Irak-Doktrin.

Der große Verlierer könnte dabei Tony Blair werden, der zwar britisches Blut im Irak vergossen hat, von Bush als Juniorpartner aber dennoch kaum ein Mitspracherecht für die
Nachkriegsordnung eingeräumt bekommt. Und die UNO hat in diesem Kampf um die Macht ohnedies bestenfalls noch die Rolle eines Statisten.

George W. Bush und Co. agieren nach dem Motto eines 80er-Jahre-Songs der Popgruppe ABBA: "The Winner takes ist all Dem Sieger gehört alles". Es werden ihm allerdings auch die
Probleme gehören, die aus dieser Haltung wachsen. ****

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