Güterbeförderer: "Ohne Road Pricing-Weitergabe keine Überlebenschance"

Branche weist falsche Vorwürfe der Transportgewerkschaft zurück

Wien (PWK206) - "Die Hauptlast des Road Pricing trägt der Binnenverkehr und nicht der Transitverkehr. Unsere Tarife sind zu hoch. Wir fordern eine Anpassung des Road Pricing an das europäische Niveau" betonte der Obmann des Fachverbandes Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer Österreich, Komm.Rat Adolf Moser Dienstag in einem Pressegespräch zu aktuellen Fragen des Güterbeförderungsgewerbes. Ein Transportbetrieb, der auch nur ansatzweise versucht, das Road Pricing selbst zu tragen, habe keine Überlebenschance. Er werde von den Kosten buchstäblich aufgefressen, ergänzte der stellvertretende Obmann und Vorsitzende des Fernverkehrsausschusses im Fachverband, Ing. Nikolaus Glisic: "Ohne Road Pricing-Weitergabe ist jeder Meter, den der Unternehmer fährt, ein Meter näher zum Konkursrichter. Das beste Geschäft ist dann das, das er nicht macht. Die Folgen für den Wirtschaftsstandort Österreich kann sich jeder selbst ausmalen".

Die Branche sehe sich, so Obmann Moser, fünf Monate vor Einführung des Road Pricing in Deutschland und neun Monate vor der Einführung in Österreich mit einer Reihe von Problemen und Belastungen konfrontiert. Dazu gehören manche Auswirkungen der EU-Erweiterung, eine vom ÖAMTC angezettelte Debatte über Unfälle im Straßenverkehr und nicht zuletzt die seit Anfang Dezember 2002 laufenden KV-Verhandlungen.

Die Branche stehe unter einem enormen Wettbewerbsdruck. Es sei daher unverzichtbar, das KV-Regelwerk an die Gegebenheiten anzupassen, führte Moser aus. Dazu gehöre, dass jene Fahrer-Stunden, in denen wirklich nicht gearbeitet wird und die auch keine Bereitschaft darstellen, von den Unternehmern nicht bezahlt werden müssen. "Uns vorzuwerfen, auf diesem Wege Lohnkürzungen ´über die Hintertüre´ anzustreben, ist schlicht und einfach falsch". Es sei unverständlich, dass die Gewerkschaft vor dem Hintergrund schwieriger Entwicklungen nicht mit sich reden lässt, unterstrich Fachverbandsgeschäftsführer Rudolf-Christian Bauer.

In den heimischen Transportbetrieben laufen die Vorbereitungen für das Road Pricing bereits auf Hochtouren, berichtete Glisic. Dabei stelle sich immer mehr heraus, dass die hereinkommenden Beträge nur ein Durchlaufposten sein können. "Wir Transporteure werden durch das Mautgesetz zwar die Inkassanten, keinesfalls aber die Zahler dieses Benützungsentgelts sein. Zur Kassa gebeten werden letztlich die Auftraggeber und die Konsumenten", betonte der Sprecher der österreichischen Fernverkehrsunternehmer.

Nach seinen Schätzungen werden sich die Transportkosten je nach Lage des Auftraggebers und des Transportstandortes zwischen zehn und 40 Prozent erhöhen. Besonders betroffen sind jene Branchen, die in unmittelbarer Konkurrenz zu deutschen Betrieben stehen. "Österreich besteht nicht nur aus Alpenübergängen. Ein Großteil des Verkehrs bleibt im Lande. Ein durchschnittlicher Tarifsatz von 22 oder ein Höchstsatz von 27,3 Cent sind sicher nicht o.k.", betonte Glisic. Er rechne mit einer Abnahme des Verkehrsvolumens um sechs Prozent, was massive Auswirkungen auf das Steueraufkommen und andere Bereiche haben werde. In diesem Zusammenhang habe er den "massiven Aufschrei" anderer Wirtschaftszweige vermisst. Scharfe Kritik übte Glisic auch am "weit überhöhten administrativen Mehraufwand", der nun auf die Betriebe zukomme.

Österreichs Transportunternehmer sind, so Moser und Glisic, mit der mit Abstand höchsten Kfz-Steuer in Europa belastet. Als Gegenmaßnahmen sprechen sich die Branchenvertreter, neben einer steuerlichen Entlastung und der Anpassung des Road Pricing an das Europa-Niveau, für den ersatzlosen Entfall der fünf Sondermautstrecken in Österreich sowie für die Einführung eines Ökobonus aus. (hp)

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Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe
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