Waneck: Österreich ist Nummer 3 bei sozialer Gerechtigkeit im Gesundheitssystem

Aufbau einer konzeptionellen Schmerztherapie - Schwerpunkt Orthopädie

Wien, (BMSG/STS) – "Der Global Competitiveness Report 2002 hat Österreich unter 75 Ländern auf Rang 3 gelistet, was die soziale Gerechtigkeit beim Zugang zum Gesundheitssystem betrifft", gab heute FP-Gesundheitsstaatssekretär Univ. Prof. Dr. Reinhart Waneck bekannt. "Entscheidend dafür ist die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Gesundheitssystem mit sehr viel Engagement und mit hoher fachlicher Qualifikation arbeiten, die aber durch die laufenden Reformdiskussionen nicht verunsichert werden dürfen." *****

Vordringliche Aufgabe der Gesundheitspolitik in Österreich sei die Absicherung unseres im internationalen Vergleich hochqualitativen Gesundheitssystems, betonte Waneck. Daher seien auch alle Reformmaßnahmen dem Ziel untergeordnet, allen Menschen in Österreich einen von ihrem Einkommen unabhängigen Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung zu ermöglichen, so der Staatssekretär.

Ein wesentlicher Punkt, um Patienten einem Zugewinn an Lebensqualität zu geben, sei der Aufbau einer konzeptionellen Schmerztherapie, betonte Waneck. Schmerz sei eine unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung, die mit einem bereits geschehenen oder möglichen Schaden verbunden sei, beziehungsweise mit solch einem Schaden erklärt werden könne. Daneben sei Schmerz ein Begriff, der ein extrem weites Spektrum von Erfahrungen, Empfindungen und Gefühlen umschließt, die sich nicht nur hinsichtlich ihrer Intensität sondern auch in ihrer Dauer, ihrem Rhythmus, ihrem Empfindungsmuster, ihrer Empfindungsqualität, Ausbreitung, Lokalisation und schließlich im Ausmaß vegetativer und emotionaler Reaktionen unterscheiden könne, so Waneck.

Man unterscheide prinzipiell in akuten und chronischen, somatischen und viszeralen Schmerzen, und bei Kopfschmerzen auch hinsichtlich primären "idiopathischen" oder sekundären "symptomatischen" Schmerz. Häufig liege dem Schmerz eine Entzündung zugrunde. Beispiele dafür seien bakterielle Infektionen (z.B. Mandelentzündung), Entzündungen nach chirurgischen Eingriffen oder Verletzungen z.B. bei chronischer Polyarthritis. Auch Zahnschmerzen seien oft mit einer Entzündung verknüpft.

"Eine Vielzahl von Maßnahmen wurde in Österreich für Schmerzkranke schon ergriffen, wie die Einrichtung von Schmerzkliniken, Schmerzambulanzen in einer Reihe von Spitälern", erinnerte Waneck. Weiters liegen in Arztpraxen vermehrt Informationen in Form von Broschüren, etc. auf, die auf das Thema Schmerz eingehen. "Was in Österreich fehlt, ist eine sogenannte ‚konzeptionelle Schmerztherapie’ und festgeschriebene Qualitätsstandards für Ambulanzen und Ordinationen", so Waneck.

"Rückenschmerzen und Erkrankungen des Bewegungsapparates haben sich im Laufe der letzten Jahre zu einem der häufigsten Krankheitsbilder entwickelt", so Waneck. Im Jahr 2000 sei diese Krankheitsgruppe mit über 8,5 Millionen Krankenstandstagen und über 1,6 Millionen Spitalstagen Spitzenreiter der Krankenstatistik gewesen. Rund 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung leide unter chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates. "Der Tatsache, dass es sich hierbei um einen der Hauptgründe für enorme Neuzugänge zur Erwerbsunfähigkeitspension handelt, wollen wir entgegen wirken", so Waneck.

Die im Gesundheitswesen tätigen Ärzte (Fachärzte wie Allgemeinmediziner), so Waneck, hätten bisher wenig Möglichkeiten gehabt, sich die notwendige Spezialisierung bei der gezielten Schmerzbekämpfung anzueignen. Dies führte etwa dazu, dass z. B. im orthopädischen Bereich eine eindeutige Tendenz Richtung chirurgischer Eingriff zu verzeichnen gewesen sei. Diese Tendenz sei auch durch die Leistungsverrechnung der Krankenversicherungsträger und Fonds verstärkt worden. "Dem wollen wir entgegenwirken, weshalb wir gemeinsam mit einem geeigneten Kooperationspartner ein Center of Excellence für orthopädische Schmerztherapie gründen wollen, das in der Prävention und Gesundheitsvorsorge als Ausbildungssystem bestehende Defizite in diesem Bereich beseitigen soll", gab Waneck bekannt.

Dies könne aber nur ein erster Schritt zur Errichtung eines gesamten Netzwerkes qualifizierter Ärzte sein, die analog zu einem solchem Center oder in ähnlich spezialisierten Einrichtungen die ambulante Nachversorgung wohnsitznahe und kosteneffizient übernehmen könnten, so Waneck. In diesem Zusammenhang erinnerte Waneck auch, dass in Zusammenarbeit mit Vizekanzler Sozialminister Mag. Herbert Haupt schon seit längerem Bemühungen liefen, ein Zusatzdiplom für Schmerzmedizin im Österreichischen Ärztegesetz zu verankern, die praktisch schon abgeschlossen seien.

"Durch die Schaffung dieses Centers und den Ausbau von schmerzlindernden Behandlungskapazitäten kommt es nicht nur zu einer treffergenauen Diagnostik, problemadäquaten Behandlung, Reduktion der Behandlungskosten durch Wegfall kostenintensiver chirurgischer Behandlungen, sondern vor allem zu einem Zugewinn an Lebensqualität von schmerzgeplagten Patienten", schloss Waneck. (Schluss) mg bxf

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