"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Der Friede ist in weiter Ferne (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 08.04.2003

Klagenfurt (OTS) - Das gestrige Gipfeltreffen in Belfast war kaum noch ein Kriegsrat und nur vordergründig der Nachkriegsordnung im Irak gewidmet. Es ging um nicht weniger als um eine Nachkriegsordnung für die künftige Welt. Und genau dabei vertreten Präsident Bush und Premier Blair weit gehend konträre Haltungen.

Dass UN-Generalsekretär Kofi Annan zur selben Stunde zu einer Weltsicherheitsrats-Sondersitzung lud, weist auf die Dramatik der Entscheidung. Worum geht es? Mit dem nun stündlich absehbaren Sturz des Regimes in Bagdad beabsichtigt Washington nun gleich auch die UNO und den Weltsicherheitsrat loszuwerden. In der Nachkriegsordnung des Iraks ist laut Bush-Plan kein politischer Platz für die UNO. Nur wer "Leben und Blut geopfert" habe, habe Anrecht auf die "leitende Rolle". Das ist die neue Sicht der USA. Tony Blair ist dagegen. Er weiß; mehr noch als der Krieg muss der Frieden von den Vereinten Nationen legitimiert sein, oder der Friede kommt nie.

Genau das steht zu befürchten, wenn die USA in Bagdad ihren pensionierten General Garner als Statthalter Bushs und seltsamen Vorboten der Demokratie installiert haben werden. Eine enttäuschte irakische Opposition, ein betrogenes Volk, eine gedemütigte arabische Welt, eine entmachtete UNO. Der Krieg mag gewonnen werden, der Friede ist in weiter Ferne.

Rückfragen & Kontakt:

Kärntner Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
ktzredaktion@apanet.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI0001