Grüne: Europarat schützt Gebärdensprache - Österreich hat dringend Handlungsbedarf

Susanne Jerusalem: "Recht auf Gebärdensprache."

Wien (Grüne) - Rasche Konsequenzen aus dem Beschluss des Europarates zum Schutz der Gebärdensprachen, fordert heute die Bildungssprecherin der Wiener Grünen, Gemeinderätin Susanne Jerusalem. "Österreich darf seine Ignoranz gegenüber gehörlosen Menschen nicht aufrechterhalten", so Jerusalem. In Anbetracht des diesbezüglichen Beschlusses des Europarates stellt Jerusalem fest:
"Das Recht auf Gebärdensprache kommt, Österreich hat demnach dringend Handlungsbedarf."

Die Charta für Regional- und Minderheitensprachen des Europarats ist das wichtigste Dokument zum Schutz von Minderheitensprachen, leider wurden die Gebärdensprachen Europas vollkommen vergessen. Nunmehr wurde das Versäumte nachgeholt. Die parlamentarische Versammlung des Europarates hat beschlossen, dem Ministerrat zu empfehlen, den europäischen Gebärdensprachen einen gleichwertigen Schutz zukommen zu lassen. Es wurde anerkannt, dass rechtliche Werkzeuge notwendig seien, ‚um die Rechte der Gebärdensprachen-benützerInnen am europäischen Kontinent zu sichern.'

In der EU haben folgende Länder ihre nationale Gebärdensprache auf unterschiedliche Weise anerkannt:
- In Dänemark wurde 1991 die offizielle Anerkennung von Dänischer Gebärdensprache in Bezug auf das Schulsystem beschlossen. Bilinguale Erziehung mit Gebärdensprache als primäres Mittel zur Verständigung im Unterricht und als Unterrichtsfach ist gesetzlich vorgeschrieben. - Seit 1995 ist die Finnische Gebärdensprache in der Verfassung verankert.
- In Frankreich hat die Französische Gebärdensprache in der Bildung und Ausbildung Gehörloser einen fixen Platz.
- In Griechenland gibt es seit dem Frühjahr 2000 ein Gesetz, das besonders den schulischen Bereich betrifft.
- Das norwegische Parlament hat 1991 eine Reorganisation des Bildungswesens beschlossen, nach der Norwegische Gebärdensprache einen fixen Platz im Schulwesen einnimmt.
- Portugiesische Gebärdensprache ist seit 1997 in der Verfassung verankert.
- Schweden hat 1980 die schwedische Gebärdensprache anerkannt: auch hier ist sie die erste Sprache im Schulwesen und gehörlose Kinder haben ein Recht darauf, in dieser Sprache bzw. bilingual unterrichtet zu werden.
- Die tschechische und die slowakische Republik haben ihre Gebärdensprachen per Gesetz anerkannt

In Österreich gab es mehrere Anläufe, die österreichische Gebärdensprache rechtlich anzuerkennen, die alle im Parlament scheiterten.

"Die Schwierigkeit der Aufgabe als gehörloses Kind die Lautsprache zu erlernen, ist mit einer Situation verglichen worden, in der ein hörender Europäer, nur mit einem Bleistift und einem Block Papier versehen, in eine schall-isolierte Glaskabine hineingesetzt wird. Draußen vor der Kabine ist der Lehrer; er spricht, liest und schreibt ausschließlich Japanisch. Wie lange würden Sie brauchen um Japanisch zu lernen? Wie gut würden Sie es lernen?", bringt Susanne Jerusalem ein anschauliches Beispiel.

Die Grüne Gemeinderätin verweist darauf, dass etwa in der Gehörlosenschule im 13. Bezirk in der Maygasse nur wenige PädagogInnen die österreichische Gebärdensprache voll beherrschten und von einem bilingualen Unterricht keine Rede sein könne. Die Gebärdensprache sei nicht einmal Voraussetzung dafür, hier unterrichten zu können. Von Seiten des Unterrichtsministeriums würde darauf verwiesen, dass sich Österreich für die Lautsprache entschieden hätte. Dazu die Wiener Bildungssprecherin Susanne Jerusalem abschließend: "Das ist Diskriminierung pur und muss ein Ende haben."

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