Sonntags Rundschau: Ex-Olympiasieger schießt Giftpfeile Richtung Linz

Peter Seisenbacher droht Klage und Ausschluss aus dem Judo-Verbands-Vorstand

LINZ (OTS) - Olympiasieger Peter Seisenbacher ist auf dem besten Weg, sich selbst aufs Kreuz zu legen. Der Wiener griff bei seiner Kritik an einer Entscheidung des ÖJV-Trainerrates in die unterste Schublade. Seisenbachers Skandal-Mail (links) macht derzeit über Österreichs Grenzen hinaus die Runde. Die Verwunderung ist groß. Dem Judo-Olympiasieger der Jahre 1984 (Los Angeles) und 1988 (Seoul) droht eine Klage.
Anlass für den Schlagabtausch ist eine Verbandsentscheidung. Der ÖJV-Trainerrat musste aus elf Bewerbern für vier Plätze am Heeressportleistungszentrum (HSZ) eine Selektion treffen. Weil Seisenbachers empfohlene Schützlinge Andreas und Christian Kölldorfer nicht das Rennen machten, geriet der Doppel-Olympiasieger in Rage. Er schoss vor allem Richtung Linz Giftpfeile. Ins Visier nahm der Doppel-Olympiasieger Nationaltrainer Klaus Stollberg und den Vorsitzenden des Trainerrates, Reginald Ecker.
Beide haben von Vorstandsmitglied Seisenbacher nun die Nase voll. "Wir dulden die persönlichen Diffamierungen nicht länger. Nicht nur ein Olympiasieger hat einen guten Ruf zu verlieren, sondern auch Normalsterbliche müssen reagieren, wenn sie grundlos der Korruption beschuldigt werden", fordern die Linzer die Einberufung eines Ehrenrates. "Nach dessem Spruch gibt es ein Nachspiel vor Gericht", sagt Ecker. Seisenbacher, der sich nicht als Buhmann des Verbandes sieht, droht die Suspendierung.

Das Skandal-Mail im Wortlaut:
Hallo liebe Leute, seit gestern ist es traurige Gewissheit. Der Trainerrat hat einen bösen Korruptionsfall. Reginald Ecker und Stollberg (Vorname vergessen) haben die Kölldorfer-Twens Andreas und Christian um ihren verdienten Platz in der Sportschule des Bundesheeres gebracht.
Nur der NÖ-Präsident Hans Berger und meine Wenigkeit versuchten das Unheil noch abzuwenden, vergebens. Anstatt bei der HSNS acht Monate an ihrem Judo zu arbeiten, dürfen unsere Jungs nun in Kaisersteinbruch durch den Wald koffern. Für alle judobegeisterten jungen Athleten, die bald zum Bundesheer müssen, können wir nur empfehlen, folgende Übungen in ihr Trainingsprogramm aufzunehmen:
-Huldvolle tiefe Verbeugungen, wann immer der
Nationalteam-Herrscher in Sichtweite kommt.
-Zustimmendes Kopfnicken in Hunderterserie
mit deutlichem Jawohlruf.
-Schleimen und Sabbern in den Pausen zwischen allen Randoris (Trainingswettkämpfen, Anm. der Redaktion).
-Demütiges Lauschen bei heißem Gegenwind.
Rückgratverdrehungen um 360 Grad.
-Das Lecken und Küssen alter Turnschuhe kann
auch schon einmal eingeübt werden.
-Weiters sollten einige Volkslieder, die die Schönheit der Stadt Linz besingen, auswendig gekonnt werden.
-Außerdem ist es empfehlenswert, bei allen Trainingslagern
ständig einen Kübel mit zehn Kilo Sand mit sich
herumzutragen, damit man bei Gelegenheit den Kopf
in den Sand stecken kann.

Wer all diese Übungen bis zur Perfektion beherrscht, hat gute Chancen, zur nächsten WM zu fahren. Oder er bekommt gleich einen Vorstandsposten im Judoverband, denn Judokenntnisse sind ja dort nicht im Anforderungsprofil.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Positionen wie die des Nationalteam-Trainers öffentlich ausgeschrieben werden sollten, damit sich auch gute Leute bewerben können.

Freundschaft Genossinnen und Genossen (Gruß aus besseren DDR-Tagen)! PETER SEISENBACHER

Rückfragen & Kontakt:

Sonntags Rundschau
Redaktionsleiter
Mag. Michael Petermair
+43/732/7616-210
sonntag@rundschau.co.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OOE0001