ÖGB-Kaske: Stummvoll verhöhnt und provoziert ArbeitnehmerInnen

HGPD-Chef: Eigenen "Pfründe" verteidigen und ArbeitnehmerInnen zur Kasse bitten ist verwerflich

Wien (ÖGB/HGPD). Während die Koalitionsregierung ein Pensionssystem plant, das für die arbeitenden Menschen in Österreich nichts anderes bedeutet als "Länger arbeiten und weniger Pension", wagt es ein Vertreter der christlichen Partei, die ArbeitnehmerInnen zu provozieren und zu verhöhnen", stellte der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske, zu den gestrigen Aussagen von ÖVP-Politiker Günther Stummvoll in einer heutigen Aussendung fest.++++

Günther Stummvoll ist wohl einer der wenigen, der die Kritik an seiner Einkommenssituation nicht versteht. Wenn er argumentiert, dass sein Salär in Höhe von monatlich 12.000 Euro leistungsgerecht honoriert sei, weil er einer der besten Redner im Parlament sei, so ist das eine unerhörte Verhöhnung der ArbeitnehmerInnen, von denen viele mit einem Bruchteil dessen auskommen müssen, was Herr Stummvoll monatlich abkassiert.

Provokant auch seine Argumentation, dass er "der billigste Abgeordnete" ist. Hätten die ArbeitnehmerInnen in Österreich nicht andere Sorgen, wäre man ja dazu geneigt, eine öffentliche Sammlung für den ÖVP-Politiker zu organisieren. Stummvoll ist sich auch nicht zu schade dafür, noch ein Schäufchen nachzulegen, indem er seine Gage damit rechtfertigt, dass seine 12.000 Euro keine Sozialleistung sind, sondern das Ergebnis von 23 Jahren Arbeit. Es gibt sehr, sehr viele ArbeitnehmerInnen, die 40, 45 und mehr Jahre gearbeitet haben und deren Ergebnis ebensoviel Wert ist, wie die "hervorragenden Leistungen" eines Herrn Stummvolls, so Kaske weiter. Allerdings nicht als "beste Redner im Parlament", sondern als HeimhelferInnen oder im Reinigungsgewerbe, hinter der Werkbank, beim Hochofen oder am Bau und das oft zu unmenschlichen Bedingungen. Das Ergebnis ihrer langjährigen Arbeit soll nun aber mit einer ungerechten Pensionsreform und massiven Leistungskürzungen nach unten revidiert werden.

Statt sich dafür einzusetzen, dass es zu einem fairen und zukunftsorientieren Pensionssystem kommt, geht es dem christlichen ÖVP-Politiker nur darum, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Das ist verwerflich und unterstreicht die arbeitnehmerInnenfeindliche Haltung eines Herrn Stummvolls. Sich selbst als "leistungsorientiert" bezahlt zu verstehen und ohne mit der Wimper zu zucken ein unfaires Pensionssystem zu unterstützen, das für die ArbeitnehmerInnen Leistungskürzungen bis zu 33 Prozent bringen könnte, ist abzulehnen. Herrn Stummvoll ins Stammbuch geschrieben: "Die vielen ArbeitnehmerInnen, die mit einem Bruchteil von dem auskommen müssen, was Herr Stummvoll verdient, leisten zum österreichischen Bruttoinlandslprodukt wesentlich mehr als nach eigenen Angaben 'einer der besten Redner im Parlament'", so der HGPD-Chef abschließend. (ew)

ÖGB, 5. April 2003 Nr. 237

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