"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Enteignetes Österreich (von Claudia Grabner)

Ausgabe vom 05.04.2003

Klagenfurt (OTS) - Empörung macht dem Entsetzen Platz: Der Aufschrei verstummt in stiller Betroffenheit. Ohnmächtig verfolgt das Volk, was man ihm an Unverfrorenheit antun will. "Nicht einmal reformradikale Länder wie Polen haben ihrer Bevölkerung so etwas zugemutet" - wer Sozialexperten Bernd Marin kennt, weiß seine Warnung doppelt schwer einzuschätzen: Marin zählt zur Riege der reformwilligen, reformmutigen Expertenwelt. Doch auch er spricht von "Tollkühnheit", ja, "Enteignung".

Enteignung: Nichts anderes ist es. Da hilft kein Schönreden. Kein Pensionssicherungs-Gefasel. Enteignung. So, wie das Wort mit aller Härte geschrieben steht: Der österreichische Arbeitnehmer zahlt mehr an Pensionsbeiträgen ein, als er zurückbekommt! Oder anders gesprochen: Menschen, die heute mit 55 Jahren in Frühpension gehen, erhalten eine höhere(!) Pension, als hinkünftig Arbeiter, die bis 65 Jahre hackeln. Punktum. Von länger arbeiten ODER weniger Pension keine Rede. Die korrekte Diktion lautet: Länger arbeiten UND viel weniger Pension...

Die Volksseele kocht. Und erreicht den Siedepunkt, wo sie erfahren muss: Der Miterfinder der Pensionsreform macht nun selbst via Volksabstimmung gegen die eigenen Bösitäten mobil! Österreich wird von einer FPÖ regiert, die nicht weiß, was sie an Wahnsinnstaten mitbestimmt! Armes, leidgeprüftes Österreich...

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