"Neues Volksblatt" Kommentar: "Israelische Ängste" (Von Manfred Maurer)

Ausgabe vom 29. März 2003

Linz (OTS) - Israels Angst vor der irakischen Rache hat sich
bisher als unbegründet erwiesen. Und es ist unwahrscheinlich, dass sich Saddam zu einem Raketenangriff hinreißen lassen wird. Denn anders als im letzten Golfkrieg wäre das aus Bagdader Sicht kontraproduktiv, weil es einen anderen Kriegsgrund gibt: Damals war es der Überfall auf Kuwait, jetzt sind es die verbotenen irakischen Waffen. Jede Rakete auf Israel wäre ein Beweismittel und damit ein Selbstvernichtungsschlag gegen die irakische Propaganda.
Die israelische Regierung ist dennoch extrem beunruhigt. Aus Scharons Perspektive betrachtet droht Israel tatsächlich eine immense Gefahr, gegen die aber weder Gasmasken noch Patriot-Abwehrraketen schützen. Die erste "feindliche" Attacke hat Israel bereits schwer getroffen: Der britische Außenminister Straw erinnerte daran, dass neben dem Irak auch Israel UNO-Resolutionen einfach ignoriert und sich dieses Messen mit zweierlei Maß aufhören müsse. Noch sagt das nur ein Brite. Doch wird auch Bush nichts anderes übrig bleiben, will er nach dem Krieg die arabische Welt besänftigen. Ohne eine Abkehr Washingtons von seiner Israel-Hörigkeit braucht Bush das Wort Nahost-Frieden erst gar nicht in den Mund zu nehmen. Davor fürchtet sich Scharon. Hoffentlich zu Recht.

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