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Prognose für 2003 und 2004: Anhaltend geringes Wirtschaftswachstum

Wien (WIFO) - Die österreichische Wirtschaft wird im Jahr 2003 zum dritten Mal in Folge um nur etwa 1% wachsen. Zur anhaltenden Schwäche der Inlandsnachfrage kommen die wirtschaftlichen Auswirkungen der geopolitischen Instabilitäten. Für 2004 sind die Unsicherheiten besonders groß, derzeit wird neuerlich ein unterdurchschnittliches Wachstum angenommen (+1,7%). Die schlechte Wirtschaftslage hat einen weiteren Anstieg von Arbeitslosigkeit und Budgetdefizit zur Folge.

Die österreichische Wirtschaft wuchs im Jahr 2002 real um 1%. Das entspricht etwa dem Wert, den das WIFO schon im Dezember 2001 prognostiziert hatte (+1,2%). Im III. und IV. Quartal expandierte das BIP saisonbereinigt allerdings nicht mehr. Die Stagnation dürfte sich heuer fortsetzen. Die Auswirkungen der geopolitischen Instabilitäten auf die Gesamtwirtschaft tragen dazu ebenso bei wie die nicht überwundene Schwäche der Binnennachfrage. Das Wirtschaftswachstum wird in Österreich im Jahr 2003 nur 1,1% betragen. Damit erreicht die Rate das dritte Jahr in Folge nur etwa 1% pro Jahr. Ein so geringes Wachstum über drei Jahre war bislang noch nicht zu beobachten.

Die Aussichten für 2004 sind derzeit von großen Unsicherheiten über die Entwicklung der geopolitischen Lage und die Reaktionen der Wirtschaftspolitik geprägt und deshalb noch sehr vage. Für das kommende Jahr wird gegenwärtig ein Wachstum von 1,7% angenommen -neuerlich weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Sowohl 2003 als auch 2004 dürfte die heimische Wirtschaft damit etwa im gleichen Ausmaß expandieren wie im Durchschnitt des Euro-Raumes. Ein Konjunkturaufschwung scheint in Europa nur möglich, sofern die weltweiten Unsicherheiten wegfallen und die Rohstoffpreise merklich zurückgehen. Die vorliegende Prognose nimmt als externe Rahmenbedingungen einen Erdölpreis von 29 $ je Barrel im Jahr 2003 und 23 $ im Jahr 2004 sowie einen Wechselkurs von 1,08 $ je Euro an.

Die real-effektive Aufwertung der Währung dämpft die Steigerung des österreichischen Exports. Die Warenausfuhr wird sich heuer real um 4,3% und im kommenden Jahr um 7,5% erhöhen. Wie in den vergangenen zwei Jahren bleibt der Export aber - trotz der ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen - der wichtigste Wachstumsmotor der österreichischen Wirtschaft. Die mäßige Expansion der Auslandsnachfrage veranlasst die Exportunternehmen zu Zurückhaltung im Bereich der Investitionen. Die Ausgaben für Maschinen, Fahrzeuge, Elektrogeräte und Software dürften heuer real um nur 3% ausgeweitet werden, nachdem sie seit 2000 kumuliert um 13% eingebrochen sind. Gegen Jahresende sind vor dem Auslaufen der befristeten Investitionsprämie Vorzieheffekte zu erwarten. Erst 2004 könnte eine konjunkturelle Erholung der Investitionstätigkeit eintreten (Ausrüstungen +5,5%). Auch das Wachstum der Sachgüterproduktion bleibt nachfragebedingt schwach, es erreicht real nur 1,8% (2003) bzw. 3% (2004). Das ist zu wenig, um einen neuerlichen umfangreichen Abbau von Arbeitsplätzen in der Industrie zu verhindern.

Die Entwicklung der Inlandsnachfrage liegt weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. Nach dem Rückgang in den Jahren 2001 und 2002 ist heuer allerdings eine leichte Zunahme zu erwarten. Die Ausgaben der privaten Haushalte werden durch die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt und die schwache Entwicklung der Nettomasseneinkommen gedämpft. Sie expandieren aber um knapp 1 1/2%, während der öffentliche Konsum stagniert. Die Bauinvestitionen erholen sich im Bereich des Tiefbaus aufgrund verstärkter Infrastrukturausgaben für Schiene und Straße, dem Hochbau fehlen hingegen Impulse.

Hauptergebnisse der Prognose

1) Nettoproduktionswert, einschließlich Bergbau. – 2) Einschließlich sonstiger Anlagen. – 3) Laut Statistik Austria. – 4) Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren (Benchmark). – 5) Laut Eurostat. – 6) Laut Arbeitsmarktservice. – 7) Ohne Bezieher und Bezieherinnen von Karenz- bzw. Kinderbetreuungsgeld, ohne Präsenzdiener.

Der Preisauftrieb beschleunigt sich auf Verbraucherebene heuer leicht, die Inflationsrate wird 1,9% erreichen. Dies ist sowohl auf die Energieverteuerung als auch auf den Anstieg der Dienstleistungspreise, vor allem im Bereich des Wohnungsaufwands, zurückzuführen. Dazu kommt eine Steigerung der Preise von Industrieerzeugnissen. Im kommenden Jahr verlangsamt sich die Inflationsrate wieder auf etwa 1 1/2%. Der hohe Außenwert des Euro dämpft den Anstieg der Importpreise, von Seiten der Lohnstückkosten ist kein Preisdruck zu erwarten.

Das geringe Wirtschaftswachstum hatte 2001 und 2002 einen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um kumuliert 38.000 zur Folge. Eine Umkehrung dieses negativen Trends zeichnet sich für 2003 und 2004 nicht ab. Heuer wird die Zahl der aktiv Beschäftigten nochmals leicht zurückgehen. Neben der Sachgütererzeugung gehen auch im Bauwesen und im Handel viele Arbeitsplätze verloren. Der öffentliche Sektor plant eine Fortsetzung des Beschäftigungsabbaus. Die Zahl der Arbeitslosen nimmt weiter zu und erreicht im Jahresdurchschnitt 2003 240.000 (+8.000). Die Arbeitslosenquote beträgt 7,0% der unselbständigen Erwerbspersonen nach traditioneller österreichischer Berechnungsmethode bzw. 4,2% der Erwerbspersonen laut Eurostat. Im Jahr 2004 könnte die Beschäftigung verhalten zunehmen. Die Zahl der Arbeitslosen wird allerdings nicht sinken, weil mit dem Inkrafttreten erster Schritte zur Abschaffung der Frühpension und dem zu erwartenden starken Zustrom ausländischer Arbeitskräfte das Arbeitskräfteangebot merklich zunimmt.

Der Staatshaushalt wies im vergangenen Jahr nach Angaben des Finanzministeriums und von Statistik Austria ein Defizit von 1,2 Mrd. € (0,6% des BIP) auf. Für heuer liegt noch kein Bundesvoranschlag vor. Das WIFO erwartet aufgrund einer weiterhin konjunkturbedingt schwachen Entwicklung der Steuereinnahmen, der Verschiebungen von Hochwasserausgaben ins Jahr 2003 und zusätzlicher Ausgaben etwa für die Familienförderung einen Anstieg des Abgangs im Staatshaushalt auf etwa 1,2% des BIP (2 3/4 Mrd. €). Die schlechte Konjunktur belastet das Budget durch die Dämpfung des Wachstums der Steuereinnahmen und durch hohe Ausgaben für Arbeitslosigkeit auch im kommenden Jahr. Das Defizit könnte dann 1% des BIP betragen.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 4/2003!

Tabellen und Graphiken zu den Presseaussendungen des WIFO finden Sie jeweils auf der WIFO-Website,
http://titan.wsr.ac.at/wifosite/wifosite.search?p_typeid=98&p_languag
e=1&p_type=0.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Markus Marterbauer, Tel.: 01/798 26 01/303,
E-Mail: Markus.Marterbauer@wifo.ac.at

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