Drogentestung führt nicht zu Drogenkonsum

Das Wiener Projekt ChEck iT! und die Städte Amsterdam und Hannover erarbeiten erstmalig eine Pilltesting - Studie

Wien (OTS) - Zu ersten Mal konnte im Rahmen einer EU-Studie
bewiesen werden, dass Pilltestingprogramme - wie z.B. ChEck iT! - das tatsächliche Konsumverhalten beeinflussen: Der Ecstasykonsum wird gesenkt und das Risikoverhalten verringert. Wiens Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann zeigte sich über den Erfolg des wissenschaftlichen Projekts "chEck it" hoch erfreut:
"Die Studie zeigt, dass die Drogenpräventionsprogramme der Stadt Wien greifen." Erfreulich sei auch die finanzielle Unterstützung des Projektes seitens des Bundesministeriums für soziale Sicherheit und Generationen.****

Drogentest führt zu geringerem Konsum

Die Studie, die gemeinsam von den Städten Wien, Hannover und Amsterdam und den jeweiligen Pilltestingprogrammen durchgeführt wurde, geht auf eine Initiative der EU-Kommission zurück.
Die 3-Städte-Untersuchung konnte klar nachweisen, dass bei KonsumentInnen der so genannten Partydroge Ecstasy durch das Pilltesting eine Verhaltensänderung herbeigeführt wird.
Je häufiger die KonsumentInnen ihre Pillen testen lassen, desto seltener konsumieren sie Ecstasy. Darüber hinaus konsumieren TesterInnen in der Regel weniger Pillen, wenn ihr Testergebnis eine hohe Dosierung angibt. Die Vermutung, dass TesterInnen ihre Pillen nicht einnehmen, wenn das Ergebnis der Analyse nicht das erwartete Ecstasy angibt, kann durch die EU-Studie erstmals wissenschaftlich bestätigt werden.

ChEck iT! bietet den höchsten Standard der europäischen Pilltestingprogramme

Das wissenschaftliche Projekt ChEck iT! wurde 1997 gegründet und testet seit damals Ecstasy-Tabletten vor Ort auf großen "Rave-Veranstaltungen". Die besondere Unterstützung der Stadt Wien und der Exekutive hat den Erfolg in der Zielgruppe der potentiellen DrogenkonsumentInnen ermöglicht. Für ChEck iT! wurde eigens eine komplette Laborausrüstung für den mobilen Einsatz adaptiert.

Das Projekt "Drops Hannover" arbeitet ähnlich, allerdings können vor Ort nur so genannte Schnelltests durchgeführt werden.

In Amsterdam arbeiten das Jellinek-Institut und DIMS (Drug Information Monitoring System) zusammen. Dort wird hauptsächlich in einer Beratungsstelle mit Schnelltest und Laboranalyse gearbeitet.

Allen drei Pilltestingprogrammen gemein ist der Auftrag zur Vermeidung von problematischen Konsummustern beizutragen. Generelles Ziel ist es kurz-, mittel- und langfristige Gesundheitsschäden der jugendlichen KonsumentInnen zu verhindern.

3-Städte-Studie bestätigt die hohe Glaubwürdigkeit der Pilltestingprogramme

In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass 81 % der befragten DrogenkonsumentInnen noch nie eine Drogenberatungsstelle aufgesucht haben. Weit über der Hälfte der Befragten gab an, sie würden auf keinen Fall eine traditionelle Beratungsstelle aufsuchen. Die weitaus gefragteste Informationsquelle für KonsumentInnen von Ecstasy sind FreundInnen und Bekannte, die schon Drogenerfahrung haben. Durch die Pilltestingprogramme konnte dieses einseitige Informationsverhalten durchbrochen werden.
Je häufiger das Testprogramm in Anspruch genommen wird, desto höher wird die Glaubwürdigkeit der Angebote der Pilltestingprogramme eingeschätzt. Im gleichen Umfang sinkt dabei der Einfluss des FreundInnenkreises.

Studie beweist, Pilltesting kann den Einstieg verhindern

Die wichtigsten Gründe nicht mit dem Konsum von Ecstasy zu beginnen sind nach Aussagen der Befragten:

o prinzipielle oder ideologische Motive
o Angst vor gefährlichen Konsequenzen
o Vorbehalte gegenüber der Wirkung von Ecstasy

Warnungen vor gesundheitlich besonders gefährlichen Substanzen und die Vermittlung von potentiellen Risiken des Konsums, wie es den Aufgaben von Pilltestingprogrammen entspricht, halten einige Jugendliche davon ab mit dem Konsum zu beginnen.
So gab z. B. fast ein Drittel der Befragten an, Ecstasy wegen der gefährlichen Substanzen, die beim Pilltesting entdeckt werden, nicht zu nehmen. Ein weiteres Viertel gab als Grund sich von Ecstasy fern zu halten, die "Warn-Flyer" an, mit denen vor den Inhalten getesteter Pillen gewarnt wird. Schon allein die Präsenz von Pilltestingprogrammen unterstreicht die Gefahren potentieller gesundheitlicher Schädigungen. So gaben rund zwei Drittel der NichtkonsumentInnen an "ich glaube, es schädigt meinen Körper".

EU-Studie bestätigt ChEck iT!

Die Leiterin des wissenschaftlichen Projekts ChEck iT!, Mag.ª Sophie Lachout, sieht durch die Studie die Wiener Präventionsarbeit bestätigt: "Der Vorwurf, Pilltesting würde den Konsum von Partydrogen fördern, ist damit wissenschaftlich widerlegt. Die Probleme junger Menschen müssen ernst genommen und in adäquater Form behandelt werden. Daher ist ein Ausbau der Möglichkeiten, mit denen ChEck iT! die Konsumgewohnheiten der RavebesucherInnen positiv beeinflussen kann, wünschenswert."

(Schluss) flo

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