"Neues Volksblatt" Kommentar: "Vietnam-Gespenst" (Von Manfred Maurer)

Ausgabe vom 27. März 2003

Linz (OTS) - =

Nur eine Woche nach Kriegsausbruch gibt es in den USA
erste Anzeichen eines Stimmungsumschwunges. Die rund um die Uhr auf allen Sendern laufende Live-Berichterstattung zerstört Illusionen vom Spaziergang nach Bagdad. Obwohl die Bilderflut nur die nie zu einem realistischen Gesamtbild zusammenfügbare Summe von Momentaufnahmen darstellt, ziehen die Betrachter ihre Schlüsse daraus. Momentan scheint demnach vieles nicht nach Plan zu laufen: Die Guerillataktik der Iraker, Sandstürme, als falsch entlarvte Erfolgsmeldungen lassen Zweifel aufkommen. Noch beziehen sie sich vor allem auf die erwartete Kriegsdauer: Die Euphorischen, die sich anfangs von nahezu ungehindert durch die Wüste rasenden Panzern beeindrucken ließen, sind zu einer Minderheit geschrumpft. Doch erste Zweifel an der Strategie werden laut. Und schon fällt gelegentlich das Wort, das jeder US-Präsident fürchten muss, der einen Krieg beginnt: Vietnam. Ein solcher Vergleich in dieser frühen Phase des Krieges ist ebenso unangemessen, wie es die unrealistische Erwartung eines Sechs-Tage-Sieges war. Dass dieses Gespenst schon nach den ersten schrecklichen Bilden herumzugeistern beginnt, muss Bush dennoch alarmieren. Die Stimmung könnte schneller kippen, als seine Soldaten vorrücken.

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