"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Stimmungsumschwung" (von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 27.03.2003

Schwarzach (OTS) - Die Amerikaner sind, so hört man jedenfalls,
von den Irakern überrascht: Keine jubelnden Menschenmassen am Straßenrand, wenn sie mit ihren Panzern anrollen; keine Soldaten, die kompanieweise zu den selbsternannten "Befreiern" überlaufen; und bislang auch keine Anzeichen von einer Kapitulation des Regimes von Saddam Hussein.

Auch in den USA selbst beginnt die Stimmung zu schwanken. Man beginnt zu begreifen, dass dieser Krieg nicht wie ein steriles Videospiel abläuft, sondern dass er Opfer fordern wird - unter den US-Soldaten ebenso wie unter der irakischen Zivilbevölkerung.

Der österreichischen Regierung hat es dieser Stimmungsumschwung offenbar erleichtert, in der gestrigen Parlamentsdebatte unerwartet klare Worte zu finden. Sie weiß sich nun mit der überwiegenden Mehrheit der Weltöffentlichkeit einer Meinung, wenn sie den Angriff der Amerikaner als völkerrechtswidrig brandmarkt.

Das müde Gewäsch vom Montag ist damit endgültig vom Tisch: Die Aufforderung der Klubobleute von ÖVP und FPÖ, sich angesichts der "sehr sensiblen Situation" mit öffentlichen Diskussionen zurückzuhalten, war lächerlich und peinlich. Die Gesinnung am Parlamentseingang abzugeben, um nur ja niemanden vor den Kopf zu stoßen, ist einer Demokratie unwürdig. Der Stimmungsumschwung in der Regierung war überfällig.

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