Europa-Abgeordnete Flemming: Das "Jahrhundert der Senioren" stellt Europa vor große Aufgaben

Wien/Brüssel (OTS) - Neueste deutsche Untersuchungen zeigen, dass sich bis zum Jahr 2050 nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa der Altersaufbau der Bevölkerung umgedreht haben wird: Bei nahezu gleichbleibender Gesamtbevölkerung wird die Zahl der über 65-Jährigen fast doppelt so hoch sein wie die der Jüngeren. EU-Parlamentsabgeordnete Dr. Marilies Flemming weist daher darauf hin, dass sich aus der weiter steigenden Lebenserwartung und den veränderten Alterstrukturen zwingender Handlungsbedarf für Europas Regierungen zur Sicherung der Pensions- und Gesundheitssysteme ergibt.

Flemming berichtet von den aktuellen Analysen auf Basis der internationalen Statistiken: Schon seit Jahren werden in Deutschland weniger Kinder geboren als zur langfristigen Erhaltung der Bevölkerungszahl notwendig sind. Der auch heute noch anhaltende Rückgang der Geburtenhäufigkeit begann aber bekanntlich erst nach den 60er Jahren. Noch in den 50er und 60er Jahren war die zur Bestandserhaltung notwendige Kinderzahl voll gegeben. Die damals Geborenen sind nun heute die starken Jahrgänge im Alter von etwa Mitte bis Ende dreißig, die in 10 bis 15 Jahren dann die größte Bevölkerungsgruppe der Senioren stellen werden. was nunmehr zur Folge hat, dass sich bis zum Jahr 2050 die Zahl älterer Menschen von heute 18,4 Mio. bis auf rund 25,2 Mio. weiter erhöht - und damit ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung von etwa 22 auf rund 36 Prozent ansteigen wird. Es werden im Jahr 2050 demnach 100 Menschen im Alter von 20 bis 64 Jahren dann 52 Menschen über 65-Jähriger gegenüber stehen.

Die Lebenserwartung wird weiter zunehmen: Ein Kind, das heute geboren wird, hat eine über 30 Jahre höhere Lebenserwartung als ein Kind, das vor hundert Jahren zur Welt kam. Selbst gegenüber 1970 hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung um rund 7 Jahre erhöht und in der Bevölkerungsvorausberechnung wird bis zum Jahr 2050 von einer weiteren Zunahme der Lebenserwartung um etwa 4 Jahre ausgegangen.

Über 80 Prozent der Senioren befinden sich heute in einer so genannten "stabilen Lebensphase" und leben selbständig in der eigenen Wohnung. Allerdings wird sich die Zahl alleinstehender älterer Menschen stark erhöhen, z.B. in Deutschland bis zum Jahr 2030 von rund 7,8 Mio. auf voraussichtlich 13,2 Mio. Die Berliner Altersstudie zeigt, dass bei den bis 69-jährigen Senioren nur 8,4 Prozent in Senioreneinrichtungen leben. Dieser Anteil sinkt bei den 70- bis 84-Jährigen auf 5,8 Prozent und steigt dann bei den über 84-Jährigen sehr deutlich auf 19 Prozent an. Gerade die Zunahme der über 85-Jährigen ist es, die für diese Bevölkerungsgruppe einen speziellen Ausbau in der Altersversorgung der Zukunft erfordern wird.

Altersbedingte Veränderungen sind grundsätzlich fortschreitend, irreversibel und bei allen Menschen vorkommend. Trotz zahlreicher unterschiedlicher Definitionen des Alterungsprozesses ist davon auszugehen, dass ab dem 35. Lebensjahr die Körperfunktionen um durchschnittlich 1 Prozent pro Jahr nachlassen.

"Eine Reform des Pensionssystems ist eine dringende und nicht wegzudiskutierende Notwendigkeit", unterstrich EU-Abgeordnete Dr. Marilies Flemming heute. "Wer glaubt, hier aus tagespolitischen Gründen 'Nein' sagen zu können, wird schuld sein an einer schlechten Altersversorgung der heutigen jungen Generation in 30 oder 40 Jahren".

Flemming begrüßte in diesem Zusammenhang auch ausdrücklich die Tatsache, dass sich der Ratsgipfel in Brüssel am 21. März mit diesem Thema befasst hat: Die Mitgliedstaaten werden in den Schlussfolgerungen des Rates aufgefordert, weitere Reformen der Pensionssysteme sicherzustellen. Überdies soll die offene Koordinierungsmethode im Pensionsbereich weiter angewendet und die erzielten Fortschritte im Jahr 2006 auch in den neuen Mitgliedstaaten überprüft werden. Kommission und Rat werden um die Vorlage von Studien über die gemeinsamen Herausforderungen für die Pensionssysteme ersucht. Der Europäische Rat begrüßte zudem ausdrücklich den gemeinsamen Bericht des Rates und der Kommission über das Gesundheitswesen und die Altenpflege.

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