Lebensmittelverband kritisiert Einwegpfand als "Ökoschmäh"

Wien (OTS) - Kritik am neuerlichen Vorstoß der Wiener Umweltstadträtin Kossina in Richtung Einweg-Pfand für Getränkeverpackungen kommt vom Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Wie deren Geschäftsführer Michael Blass heute Freitag erklärte, sei ein Einwegpfand "sowohl ökologischer wie ökonomischer Unsinn. Damit wird weder das Mehrwegsystem gefördert, noch der Umwelt wirklich genützt. Einziger und schmerzlicher Effekt:
Der Steuerzahler wird zusätzlich mit mehr als 100 Millionen Euro jährlich belastet."

Wie Blass betonte, werde mit der Einführung eines Zwangspfandes in Österreich nur das gut funktionierende und bequeme Sammelsystem der ARA (mit Rücklaufquoten von fast 80 Prozent) massiv gefährdet und verteuert. Aus Zwangspfand resultierten bestenfalls marginale Umweltauswirkungen, denn Getränkeverpackungen werden bereits seit Jahren gemeinsam mit allen anderen Verpackungen zum Nutzen der Umwelt erfolgreich gesammelt und anschließend verwertet. Im Restmüll machen Getränkeverpackungen nur einen geringen Anteil von 3-4 Prozent aus. In Wien wird der Restmüll zudem verbrannt und in Form von Fernwärme für die Haushalte sinnvoll verwertet. Blass kann etwa bei einem Dosenanteil von maximal 0,5% im Wiener Restmüll bei bestem Willen auch keinen Müllberg sehen. "Das Littering-Argument zieht in Österreich nicht, da wir dieses Problem nicht haben. Die Verschmutzung auf manchen öffentlichen Flächen (etwa durch Hundekot, Zigaretten usw.) hat Wien gut im Griff" so Blass.

"Eine Förderung von Mehrweg wird mit dem Zwangspfand schon gar nicht erreicht, wie das Beispiel Schweden zeigt, wo es seit langem Erfahrungen mit dem Zwangspfand gibt. Dort ist nämlich Mehrweg drastisch zurückgegangen. Angesichts der horrenden Kosten für ein neues und zusätzliches Sammelsystem (z.B. Investitionen für Rücknahmeautomaten) und des bestenfalls marginalen Umweltnutzens, sei es gerade heute schlicht unverantwortlich, die Steuerzahler für einen Ökoschmäh teuer bezahlen zu lassen", betonte der Geschäftsführer des Fachverbands. Damit erweist Kossina weder der Umwelt noch dem Steuerzahler einen Dienst.

Die Wirtschaft, so Blass weiter, bekenne sich zur freiwilligen Selbstverpflichtung, das heißt, Sammlung und Verwertung von Verpackungen zum Nutzen für die Umwelt und selbstverständlich weiterhin ein Angebot an den Konsumenten, Mehrwegverpackungen zu kaufen. Man müsse den Menschen die Wahlfreiheit lassen, selbst für jeden Konsumanlass die geeignete Verpackung zu wählen. Eine Bevormundung von "oben" ist verzichtbar. Es sei schließlich auch bezeichnend, dass sich bislang keine der großen Handelsketten bereit erklärt habe, das von Kossina angestrebte und wohl nur auf Kosten der Wiener Steuerzahler gehende Experiment "Einwegpfand in Wien" gemeinsam mit der Umweltstadträtin durchzuführen.

Rückfragen & Kontakt:

Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie
Mag. Jutta Kaufmann-Kerschbaum
Tel. 01-713 1505
j.kaufmann@dielebensmittel.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEB0002