Ein neuer Imperialismus

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Nachdem die New Economy mit all ihren Illusionen zusammengebrochen ist, triumphiert ein neuer Imperialismus. Er zeigt sich sich in nackter Gestalt im amerikanischen Militärschlag gegen den Irak. Denn die salbungsvollen, in europäischen Ohren mehr als konstruiert klingenden Worte des Präsidenten Bush an seine Nation können nicht davon ablenken, dass die USA von einer einfachen Rechnung ausgehen. Ein kurzer Krieg soll es sein, der sich mittelfristig selbst finanziert und auf Dauer sogar rentiert.

Der Irak-Krieg von heute ist nicht der von 1991 und ist auch nicht mit der Militäraktion gegen Afghanistan nach dem 11. September zu vergleichen. 1991 waren die Amerikaner und mit ihnen die übrige freie Welt gezwungen, auf den Überfall der irakischen Armee auf Kuwait zu reagieren. Es wurde unter hohen Kosten die alte Ordnung wiederhergestellt – leider auch in dem Sinn, dass der Diktator und Menschenschinder Saddam Hussein an der Macht blieb. So gesehen also:
stranded costs. Eine teure Geschichte. Desgleichen in Afghanistan.

Heute geht es aber laut Bush darum, das irakische Volk zu befreien und reif für die globale Wirtschaftsordnung zu machen, was durch ein amerikanisches Besatzungsregime abgesichert wird. Da liegt Zukunft drin, auch für die gigantischen Ölfelder Iraks, die seit vielen Jahren nicht ausgebeutet werden durften. Es wird zwar wegen des technischen Rückstands lange dauern, bis das Schwarze Gold sprudelt, aber der Break Even kommt. Iraks Position unter den Ölförderern und an der Seite der USA soll zur weltweiten Stabilisierung der Energiepreise beitragen.

Über die Kosten des vorgestern gestarteten Feldzuges kursieren Traumrechnungen – von 60 Milliarden bis 1,9 Billionen Dollar sei alles möglich. Die Aktion wird zweifellos teuer werden. Aber andererseits: Um wie viel kostet ein Flugzeugträger weniger, wenn er nicht im Krieg ist? Der Supermacht-Status ist mit ausserordentlich hohen Fixkosten behaftet. Bush scheint geradezu besessen zu sein, den Nachweis einer positiven Schlussbilanz zu erbringen. Sein Risiko hat freilich eine ähnliche Dimension wie das der New Economy. Sie platzte in der unerforschten Cyber-Welt. Jetzt probt Amerika den New Imperialism in einem fremden Kulturkreis. Es lassen sich ein Dutzend Faktoren aufzählen, warum die variablen Kosten im Umgang mit einem islamischen Staat nicht hoch genug anzusetzen sind. Es kann total schief gehen.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001