Armutskonferenz: Ungleiche Gesellschaften sind ungesund

Univ. Prof. August Oesterle zeigt auf 5. Armutskonferenz positive Wirkung ausgewogener Verteilung von Einkommen und Lebenschancen auf die Gesundheit auf

Wien (OTS) - Der Zusammenhang von Armut und Krankheit steht im Zentrum der Eroeffungsvortraege zur 5. Oesterreichischen Armutskonferenz (20./21. Maerz, Salzburg), die von gut 500 TeilnehmerInnen aus Sozialeinrichtungen, Betroffenenorganisationen, Frauenprojekten, Wohlfahrtsverbänden, Armutsforschung und öffentlichen Einrichtungen besucht wird.

Im Eingangsreferat betonte Univ.Prof. August Oesterle, Abteilung fuer Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversitaet Wien, dass in reichen Staaten <Gesellschaften mit groesseren Ungleichheiten in Einkommen, Arbeit und Wohnen einen schlechteren gesundheitlichen Gesamtzustand aufweisen als solche mit ausgewogener Verteilung von Einkommen und Lebenschancen.> <Sobald ein bestimmter Grad an Wohlstand erreicht ist>, so Oesterle, <duerfte die relative Hoehe des Einkommens ausschlaggebend fuer die gesundheitliche Situation sein. Die Ausgewogenheit der Einkommensverhaeltnisse wurde als jener Faktor identifiziert, der am staerksten die hoehere Erkrankung und den frueheren Tod Aermerer erklaert. Mit fallendem Einkommen sinkt die Lebenserwartung.>

Oesterle wies auch darauf hin, dass sich dies besonders deutlich bei Kindern zeige. <Arme Kinder weisen einen schlechteren Gesundheitszustand auf. Teilt man die Gesellschaft in drei soziale Schichten treten bei Kindern in der unteren Schicht mehr Kopfschmerzen, Nervositaet, Schlafstoerungen und Einsamkeit auf. Diese Kinder tragen die soziale Benachteiligung als gesundheitliche Benachteiligung ein Leben lang mit. Sie sind auch als Erwachsene deutlich kraenker als der Rest der Bevoelkerung.>

In diesem Zusammenhang versetzt die angekuendigte Streichung der Notstandshilfe DIE ARMUTSKONFERENZ in Alarmbereitschaft. <Studien belegen, dass die Notstandshilfe zu jenen Leistungen gehoert, die am Staerksten den wirklich von Armut Betroffenen zu Gute kommen>, so Michaela Moser von der Armutskonferenz. <Das drohende Abrutschen in die Sozialhilfe bedeutet nicht nur ein geringeres Einkommen, sonder auch den Verlust an sozialen Rechten und Beteiligungsmoeglichkeiten. Der Druck auf sozial Schwache wird dadurch noch verstaerkt und damit auch ihre gesundheitliche Situation verschlechtert.> Von den Auswirkungen seien einmal mehr im besonderen Masse Frauen betroffen.

Die gut 70 Vertreterinnen von sozialen Frauenorganisationen, die im Vorfeld der Konferenz ein Treffen zu <Frauen-Armut> veranstalteten, appellieren daher an die neue Frauenministerin Rauch-Kallat sich fuer die Beibehaltung der Notstandshilfe einzusetzen und dafuer zu sorgen, dass arbeitslose Frauen diese Versicherungsleistung unabhaengig vom Partnereinkommen erhalten. <Generell erwarten wir uns von der Frauenministerin>, so Moser, <dass die Bekaempfung von Frauenarmut auf ihrer Prioritaetenliste an oberster Stelle steht>. Die Frauen fordern auch eine geschlechtergerechete Finanz- und Budgetpolitik, Massnahmen zur Umverteilung der Arbeit und existenzsichernde Standards in der Sozialpolitik.

Gegen die akute Bedrohung durch die Streichung der Notstandshilfe wird sich DIE ARMUTSKONFERENZ mit allen Mitteln einsetzen, unter anderem ist der Start eine Unterschriftenaktion geplant.

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