ÖGB-Frauen: Verbesserungen beim Kindergeld gefordert

WIFO-Studie bestätigt: Kindergeld zementiert traditionelle Aufgabenteilung ein

Wien (ÖGB). Die von den ÖGB-Frauen seit Einführung des Kindergeldes prognostizierten negativen Auswirkungen für die Frauen werden nun von einer WIFO-Studie bestätigt. Der Anteil der Frauen, die nach der Geburt eines Kindes wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren, ist dramatisch gesunken. Rückgängig ist auch die Zahl der Väter, die in Karenz gehen. "Die Regierung behauptet stets, mit dem Kindergeld werde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die WIFO-Studie stellt dem Kindergeld ein vernichtendes Zeugnis aus", sagt ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits. Die ÖGB-Frauen verlangen nun rasch Nachbesserungen rund um Kindergeld und Karenz. ++++

Der Anteil der Frauen, die wieder eine Beschäftigung aufnehmen, bevor das Kind
2 1/4 Jahre alt ist, sank von 54 Prozent auf 35 Prozent. Insbesondere Frauen, die jung ein Kind zur Welt bringen, Frauen mit mehreren Kindern und Frauen mit niedrigen Arbeitsentgelten ziehen sich nun länger aus dem Erwerbsleben zurück, lautet eines der Ergebnisse der WIFO-Studie. "Gerade Frauen mit mehreren Kindern oder schlechten Jobs sind überdurchschnittlich armutsgefährdet. Je länger sie zu Hause bleiben, um so schwieriger wird der Wiedereinstieg", sagt Csörgits.

Als ersten Schritt zur Beseitigung der Hemmnisse für berufstätige Frauen und Männer beim Kindergeld fordern die ÖGB-Frauen die Aufhebung der komplizierten Zuverdienstgrenze. "Die Zuverdienstgrenze behindert Frauen, die nach der Geburt eines Kindes rasch wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren wollen. Sie ist aber auch ein Stolperstein für Väter, die in Teilzeitkarenz gehen wollen. Denn das Teilzeit-Einkommen der Väter überschreitet häufig den erlaubten Zuverdienst", erklärt Csörgits.

Mit Einführung des Kinderbetreuungsgeldes wurde der Kündigungsschutz für den zweiten Elternteil verschlechtert. "Will der Vater in Karenz gehen, muss er das nun genau innerhalb des vierten Monats vor dem geplanten Antritt melden, damit er kündigungsgeschützt ist. 'Verplappert' er sich und erzählt dem Arbeitgeber unmittelbar nach der Geburt des Kindes, dass er in einem halben Jahr in Karenz gehen will, gilt für ihn kein Kündigungsschutz", erläutert Csörgits.

Die ÖGB-Frauen verlangen, dass der Kündigungsschutz für den zweiten Elternteil wieder ab Bekanntgabe des Karenzwunsches, frühestens ab der Geburt des Kindes, gilt. Für berufstätige Eltern solle es zudem eine zusätzliche Geldleistung geben, deren Höhe vom vorhergehenden Einkommen abhängt.

Einen spezielle Forderung richten die ÖGB-Frauen an die Frauenministerin: "Minister Haupt hat schon vergangenen Sommer eine Infokampagne zur Sensibilisierung für den Unterschied zwischen Kindergeld und Karenz versprochen, aber nie durchgeführt." Die Kampagne wäre dringend nötig. Da es das Kindergeld zweieinhalb Jahre gibt, nehmen die Frauen fälschlich an, auch die Karenz samt Entlassungsschutz gelte so lange. Die Folge: Kehren die Frauen nicht nach der Karenz, die nach wie vor mit dem zweiten Geburtstag des Kindes endet, an ihren Arbeitsplatz zurück, droht die Entlassung. (mfr)

ÖGB, 20. März 2003
Nr. 181

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