Csörgits: Arbeitsbedingungen der Handelsbeschäftigten zählen offensichtlich nicht

Samstagsschutz-Regelung muss bleiben, faire Rahmenbedingungen nötig

Wien (ÖGB). Mit der Ausweitung der Ladenöffnungszeiten drohen massive Verschlechterungen für die Handelsbeschäftigten. "Minister Bartenstein hat wieder einmal vergessen, dass er nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Arbeitsminister ist und auch Frauenministerin Rauch-Kallat sind die Arbeitsbedingungen in der Frauenbranche Handel offensichtlich egal. Die Regierung hätte gleichzeitig mit der
Liberalisierung der Öffnungszeiten ein Paket zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Handelsbeschäftigten verabschieden müssen, doch das Gegenteil ist der Fall", sagt ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits anlässlich der heute auf der Tagesordnung des Ministerrats stehenden Ausweitung der Ladenöffnung. Besonders empört darüber ist Csörgits, dass laut Regierungsprogramm den Handelsbeschäftigten die im Kollektivvertrag fixierte Regelung, wonach jeder zweite Samstag arbeitsfrei bleiben muss, weggenommen werden soll.++++

Der ÖGB lehnt eine Rückkehr zur Sechs-Tage-Woche für die Handelsbeschäftigten ab. "Schon jetzt sind die Arbeitsbedingungen im Handel alles andere als familienfreundlich. Durch die Liberalisierung der Öffnungszeiten müssen die Beschäftigten noch länger bis in den späten Abend hinein arbeiten. Die Samstags-Schutzregelung muss bleiben", fordert Csörgits.

Die Ausdehnung der Öffnungszeiten müsste den Beschäftigten mit erhöhten Zuschlägen für die Abendbeschäftigung abgegolten werden. Zudem sei die flächendeckende Schaffung von Kinderbetreuungseinrichtungen mit entsprechenden Öffnungszeiten sicherzustellen. Ebenso wenig geklärt sei, wie die Beschäftigten -vor allem in den ländlichen Gegenden - in der Nacht nach Hause kämen, wenn kein öffentliches Transportmittel mehr fahre. "Mit den 500 Euro brutto, die eine Teilzeitbeschäftigte im Handel verdient, wird sie sich schwerlich ein Auto leisten können", erklärt Csörgits.

Um der seit Jahren feststellbaren Verdrängung der Vollzeit durch 'McJobs' im Handel Einhalt zu gebieten, müssten die Anreize für Unternehmer zur Schaffung von nicht existenzsichernder Beschäftigung beseitigt werden. "Wir fordern den Einbezug der atypischen Beschäftigungsverhältnisse in den vollen sozialversicherungsrechtlichen Schutz. Die Betroffenen wären dadurch besser abgesichert, und die Arbeitgeber würden es sich überlegen, ob sie statt mehrere geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse nicht doch ein 'normales' Dienstverhältnis anbieten wollen."

Auch für die Teilzeitbeschäftigten forderte Csörgits mehr Rechte:
"Überstundenzuschläge sollen bereits nach Überschreiten der vereinbarten Arbeitszeit anfallen." Derzeit sind die Zuschläge erst nach Überschreiten der kollektivvertraglichen Arbeitszeit zu bezahlen - die Mehrarbeit der Teilzeitbeschäftigten kostet nur den normalen Stundenlohn/-gehalt. (mfr)

ÖGB, 18. März 2003 Nr. 176

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