ÖAMTC: Neuralgische Lkw-Unfallstellen auf Autobahnen rasch entschärfen

Straßenseitige Maßnahmen als wesentliche Forderung der ÖAMTC-Initiative "Sicherer Schwerverkehr"

Wien (ÖAMTC-Presse) - In der Nacht auf heute ereigneten sich
gleich zwei schwere Lkw-Unfälle. Auf der Tauern-Autobahn bei Salzburg stürzte ein Tankwagen um, auf der West-Autobahn bei Altlengbach wurde ein Lkw-Lenker nach einer Panne von einem Schwerfahrzeug angefahren und schwer verletzt. "Um den Lkw-Verkehr auf Österreichs Straßen sicherer zu gestalten, müssen neuralgische Unfallstellen dringend entschärft werden", fordert ÖAMTC-Verkehrstechniker Roman Michalek. Er hat die unfallträchtigsten Strecken auf Österreichs Autobahnen erhoben.

Besonders viele Lkw-Unfälle ereignen sich beispielsweise auf der Brenner-Autobahn (A13), auf den Wiener Stadt-Autobahnen (A22/23) und der Außenring-Autobahn (A21). Gemessen an ihrer Verkehrsstärke sind Lkw auf diesen Autobahnen überproportional am Unfallgeschehen beteiligt. Auf der A8, der Innkreis-Autobahn wurden 2001 drei von vier tödlich Verunglückten bei Lkw-Unfällen getötet. Auf der West-Autobahn (A1) ereignen sich besonders viele Lkw-Unfälle zwischen Böheimkirchen und St. Pölten sowie zwischen St. Pölten und Loosdorf. Einen hohen Anteil von Unfällen mit Lkw-Beteiligung gibt es auf der Tauern-Autobahn bei Stadt Salzburg, auf dem Streckenabschnitt zwischen Pass Lueg und Werfen sowie zwischen Flachau und Zederhaus. Auf der Südost-Autobahn (A3) sowie der Karawanken-Autobahn (A11) gibt es österreichweit die wenigsten Lkw-Unfälle.

"Die Belastung, die Schwerfahrzeuge auf Österreichs Straßen ausüben, ist verglichen mit dem Pkw-Verkehr eine vielfache", erläutert Michalek. "Oft sind schlichtweg Fehler im Straßenbau daran schuld, dass sich Autobahnen rasch abnützen." Sind beispielsweise die Fahrstreifen, auf denen Lkw unterwegs sind, zu schmal, wird die Spurrillenbildung beschleunigt. "Je schlechter der Straßenzustand, desto größer die Unfallgefahr", beschreibt Michalek die Folgen. Um alle Straßen in Österreich Lkw-sicher zu gestalten, müssen Straßenbau-Maßnahmen daher den Anforderungen der Schwerfahrzeuge entsprechen:

* Lkw-Sicherheit auf Autobahnen:
Entsprechende Belastung vorausgesetzt, sollen auf Autobahnen künftig drei Fahrstreifen je Fahrtrichtung zum Standard gehören. Der erste und zweite Fahrstreifen müssen ausreichend breit sein, damit Lkw-Tauglichkeit gegeben ist. Der dritte Fahrstreifen soll ausschließlich den Pkw-Fahrern zur Verfügung stehen, ein Lkw-Fahrverbot ist dann unbedingt notwendig.

Schwere Unfälle gibt es immer wieder, wenn Lkw auf Autobahnen die Alu-Mittelleitschiene durchbrechen. Sämtliche Mittelsicherungen müssen daher durch Beton oder Stahl ersetzt werden. Der Verkehrstechniker wiederholt die Forderungen des ÖAMTC, den Bau von zweiten Tunnelröhren auf Autobahnen zügig fortzusetzen sowie Pannenstreifen und Pannenbuchten entsprechend auszubauen.

* Lkw-Sicherheit auf Freilandstraßen:
Vielen Durchzugsstrecken mangelt es an geeigneten Lkw-Überholstellen. Bei starkem Gegenverkehr zieht ein Lkw oft eine lange Pkw-Kolonne hinterher. "Beim ein oder anderen Autofahrer steigt der Überholdruck, unbesonnene Überholmanöver sind die Folge", schildert Michalek eine tagtägliche Szenerie. Auf Freilandstraßen mit starker Lkw-Belastung sollen daher an geeigneten Abschnitten Überholstreifen gebaut werden, um Pkw sichere Überholmöglichkeiten zu bieten. Außerdem soll das Straßenbankett auf Freilandstraßen befahrbar sein, damit leichtes seitliches Abkommen nicht gleich zum Unfall führt.

* Lkw-Sicherheit im Ortsgebiet:
Niedrige Lkw-Geschwindigkeit ist nach Ansicht von ÖAMTC-Experten Michalek das Um und Auf für sicheren Schwerverkehr im Ortsgebiet. Nicht nur, um die Begegnung mit dem Pkw gefahrlos zu ermöglichen, sondern vor allem auch, um die schwächsten Verkehrsteilnehmer, nämlich Fußgänger und Radfahrer zu schützen. "Querungsstellen für Fußgänger gehören ganz deutlich abgesichert", fordert Michalek.

In seiner Initiative "Sicherer Schwerverkehr" hat der ÖAMTC ein Forderungspaket geschnürt, darunter zahlreiche Maßnahmen, die das Handlungsfeld Infrastruktur betreffen. "Diese straßenseitigen und gesetzlichen Maßnahmen sind notwendig, damit Österreichs Straßen dem Lkw-Verkehr besser Stand halten", sagt Michalek. Der Club fordert regionale Durchfahrts-Verbote für Lkw im untergeordneten Netz dann, wenn parallel Autobahnen und Schnellstraßen verlaufen (z.B. in der Wachau). Im untergeordneten Netz soll nur lokaler Lieferverkehr stattfinden. Lkw-Überholverbote bzw. Mindestgeschwindigkeiten auf Überholspuren, zeitliche Beschränkungen auf Transitrouten oder Fahrbeschränkungen in Siedlungen dienen der Entflechtung von Güter-, Reise- und Anrainerverkehr.

Aviso an die Redaktionen:
Zwei Grafiken zu den Lkw-Unfällen auf Österreichs Autobahnen sind auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/presse/ abrufbar.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

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