Biosphärenpark Wienerwald: Umfrage zeigt große Zustimmung in der Bevölkerung!

Erhaltung der Kulturlandschaft, Stopp der Zersiedelung, Aufwertung des Naturschutzes und Wienerwald-Bus gefordert

Wien (OTS) - Ja zum Schutzkonzept Biosphärenpark sagen 79% der Menschen, die das Naturjuwel sozusagen vor der Haustüre haben. Das ergibt eine repräsentative Umfrage, die vor kurzem vom market-Institut im Auftrag des Umweltdachverbandes durchgeführt wurde. Befragt wurden dabei mehr als 400 Betroffene aus Wien und ausgewählten Niederösterreichischen Anrainergemeinden, wie etwa Baden, Mödling, Perchtoldsdorf, Purkersdorf und Klosterneuburg. Die Ergebnisse zeigen klar, dass ein nahes Natur- und Erholungsgebiet der urbanen Bevölkerung sehr wichtig ist. Immerhin hielten aber auch 45% der Befragten den gegenwärtigen Schutz des Wienerwaldes für nicht ausreichend und sind damit einer Meinung mit Naturschutzexperten. Dr. Andreas Ranner, Geschäftsführer von BirdLife: "Um den einmaligen Charakter des Wienerwaldes zu erhalten, ist ein besserer Schutz der Wälder und offenen Kulturlandschaften unumgänglich - nur so ist auch seine Funktion als Erhloungsraum für Menschen und Tiere zu erhalten". "Das den Befragten erläuterte Schutzkonzept wird mit großer Mehrheit als geeignet empfunden, die Anliegen des Naturschutzes und die der Nutzer unter einen Hut zu bringen", so market-Studienleiter Dr. Werner Beutelmeyer.

Wienerwald als Ganzes wichtig

Hinsichtlich der Ziele eines Biosphärenpark-Konzeptes erwiesen sich die Erhaltung der Wiesen und Weinberge im Wienerwald (86%), ein Stopp der weiteren Zersiedelung (77%) und die Aufwertung des Naturschutzes (77%) als Topscorer. "Käseglocken"-Naturschutz reicht also nicht im Wienerwald. Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen damit den Handlungsbedarf auf 100% der Wienerwaldfläche. Es wird von der Bevölkerung wie auch von den Experten damit als nicht ausreichend angesehen, nur einen Teil des Wienerwaldes etwa zum Nationalpark zu erklären, da dieses Schutzkonzept die wirklich drängenden Probleme Kulturlandschaftsverlust, Zersiedelung und Verkehrsbelastung nicht lösen kann.

Zustimmung für Wienerwald-Bus

Der Biosphärenpark Wienerwald soll auch dazu beitragen, dass der Ausbau des öffentlichen Verkehrs forciert wird. Eine regelmäßig und über die ganze Strecke verkehrende öffentliche Busverbindung auf der Höhenstraße und der Amundsenstraße würde mehrheitlich (58%) -besonders von der Wiener Bevölkerung - begrüßt werden. Das Wiener Verkehrskonzept und das die Stadt Wien verpflichtende "Klimaschutzprogramm Wien" (KLIP) verlangen zum Thema Mobilität:
"Hauptziel ist es, den Anteil des öffentlichen Verkehrs von 37% aller Wege auf 43% und den Anteil der Radfahrer und Fußgänger von 26% auf 32% anzuheben. Dadurch soll sich der Kfz-Verkehr von 37% auf 25% aller Wege bis zum Jahr 2010 verringern. Um dieses Ziel zu erreichen, sind schnelle, effiziente, umweltfreundliche Verkehrsmittel und neue, flexible Mobilitätskonzepte erforderlich."

"Der Wiener Naturschutzbund hat eine Studie über den öffentlichen Verkehr mit vielen konkreten Verbesserungsvorschlägen im Wienerwald erarbeitet", sagt Ing. Hannes Minich, Vorsitzender des Naturschutzbundes Wien. "Das Herzstück dieser Vorschläge ist insbesondere das Projekt einer Busverbindung durch den Wienerwald vom 14. über den 17. in den 19. Bezirk, der sogenannte Wienerwaldbus", so Minich. Dies ist eine Verbindung, die von der U4 in Hütteldorf ausgehend über Amundsenstraße - Schottenhof - Neuwaldegg -Höhenstraße - Dreimarkstein auf den Cobenzl fahren soll, mit Anbindung an die Autobuslinie 38A auf den Kahlenberg/Leopoldsberg bzw. nach Heiligenstadt zur U4. Die betroffenen Bezirke haben diese Forderung aufgegriffen und ihrerseits gleichlautende Beschlüsse gefasst. "Ein vom Österreichischen Naturschutzbund und der Postbus-Gewerkschaft organisierter ganztägiger Probebetrieb war ein voller Erfolg", so Minich. "Die Wiener Verkehrsbetriebe und die maßgebliche Wiener Rathauspolitik verhindern jedoch diese konkrete Klimaschutzmaßnahme für unsere 'Umweltmusterstadt'", zeigt sich Minich enttäuscht.

Mehr Information notwendig

Die Ergebnisse der jüngsten Umfrage zum Biosphärenpark Wienerwald zeigen darüber hinaus, dass das Schutzkonzept Biosphärenpark bereits nach wenigen Monaten der Diskussion 26% der Bevölkerung bekannt ist. "Die Informations- und Kommunikationsarbeit muss jedoch weiter verstärkt werden. Ein Biosphärenpark ist ein Projekt, das mit den betroffenen Menschen gemeinsam entwickelt werden muss, deshalb ist der Dialog mit der Bevölkerung besonders wichtig", sagt Maga. Gabriele Eschig, Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission. Voraussetzung für eine Anerkennung als Biosphärenpark durch die UNESCO ist die Partizipation der Bevölkerung bereits bei der Etablierung des Projektes.

Bundesforste gefordert

"Die Umfrage bringt Rückenwind für mehr Naturschutz und den Biosphärenpark im Wienerwald", freut sich Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes. Bereits im Millenniumsjahr 2002 wurde viel für den Wienerwald erreicht, es erfolgte der politische Startschuss für den Biosphärenpark, ein Management wurde eingerichtet. Nun ist aus Sicht des Umweltdachverbandes eine rasche Flächensicherung für den zukünftigen Biosphärenpark vordringlich. Die Österreichische Bundesforste AG als Verwalter des öffentlichen Waldes sollte hier eine Vorleistung erbringen, verlangt Heilingbrunner und fordert konkret eine

  • sofortige Einstellung der forstwirtschaftlichen Nutzung in den geplanten Kernzonen des Biosphärenparks Wienerwald,
  • keine weiteren Steinbrüche und Schottergruben auf Bundesforsteflächen im Wienerwald sowie
  • einen Stopp für den Verkauf von Wienerwald-Wiesen, um damit der weiteren Zersiedelung Vorschub zu leisten.

Aufstockung des Biosphärenpark-Managements

Um das Schutzkonzept Biosphärenpark in den nächsten Monaten zügig mit Leben erfüllen zu können, müssen die Planungsarbeiten nun mit Nachdruck vorangetrieben werden. Konkrete Naturschutz- und Kulturlandschaftsprojekte sollten bereits in der Planungs- und Vorbereitungsphase umgesetzt werden. Ausreichende Finanz- und Personalressourcen für das in Laxenburg von den beiden Ländern Wien und NÖ eingerichtete Biosphärenpark-Management müssen bereitgestellt werden.

Infos im Web:
http://www.umweltdachverband.at/naturschutz/wienerwald/index.htm
http://www.unesco.org/mab/index.htm

Machbarkeitsstudie Wienerwald:
www.noel.gv.at/Service/Lf/Lf4/Machbarkeitsstudie-Wienerwald.htm

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Sylvia Steinbauer, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/40 113-21
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at
http://www.umweltdachverband.at

Umweltdachverband
Mag. Franz Maier, Geschäftsführer
Tel.: 0664/335 95 32

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