OÖNachrichten 15. März 2003 "Die Welt in Unordnung" von Hans Köppl

Die Stricke reißenI, titelt yDie Zeitp und macht einen Trümmerhaufen aus, der die UNO, die Nato und das deutsch-amerikanische Verhältnis zu begraben droht. Hinzugefügt werden können diesem Trümmerhaufen weiters ein mindest ebenso zerrüttetes franko-amerikanisches Verhältnis, eine außenpolitisch total diskreditierte Europäische Union, sich von französischer Arroganz vor den Kopf gestoßen fühlende EU-Bewerber in Osteuropa und eine innenpolitische Krise in Großbritannien.
Der PEconomistF wiederum analysiert die Lage als letzten Sieg Saddams. Keinen Zweifel gebe es darüber, heißt es dort, wem Zerrüttung und Zerrissenheit innerhalb des Westens über die Vorgangsweise gegenüber dem Irak das größte Vergnügen bereitet: dem Gewaltherrscher in Bagdad.
Als unmittelbar nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 die Vermutung geäußert wurde, dieses Verbrechen werde die Welt verändern, wurden berechtigte Zweifel angemeldet. Die zivilisatorischen Niedergangsszenarien, die nach dem Einsturz der angeblichen Symbole westlichen Selbstverständnisses entworfen wurden, erwiesen sich denn auch als hysterisch übertrieben. Für die Ertrags- und Umsatzeinbrüche in vielen Unternehmen konnten alsbald weit hinter dem 11. September zurückliegende Ursachen ausgemacht werden, wenngleich unmittelbare Auswirkungen auf Konsumverhalten und Zukunftseinschätzung m namentlich an den Börsen Ä sehr wohl eintraten.

Heute, am Vorabend eines wahrscheinlich nicht mehr zu verhindernden US-Angriffs auf den Irak, muss man sich eingestehen, dass der Terror des Al-Kaida-Netzwerks den Zusammenhalt der westlichen Welt schwerer erschüttert hat, als man anfangs vermuten hätte können, geschweige denn zu glauben gewagt hat. Dass in der Folge Saddam Hussein den Riss zwischen den Verbündeten so deutlich machen konnte, ist eher ein Treppenwitz der Weltgeschichte: Der verzweifelte Versuch von Präsident George W. Bush, ein für alle Welt, vor allem aber für seine Landsleute, sichtbares Zeichen entschlossener Terrorbekämpfung zu setzen. Bis heute konnte kein Nachweis für eine direkte Verbindung Saddams mit dem Al-Kaida-Netzwerk erbracht werden.

Faktum ist indes, dass sich an der üblen Existenz dieses Mannes die Geister scheiden, ob ein präventiver Militärschlag gerechtfertigt ist oder nicht. Die Auslöser der tiefen Krise in den westlichen Bündnis- und Föderationssystemen, sowie im offen zum Ausbruch gekommenen Misstrauen zwischen der westlichen und islamischen Zivilisation dürfen sich uneingeschränkt über den Erfolg ihres subversiven Tuns freuen. Dass zuletzt mehrere Topterroristen gefasst wurden, ändert nichts an den fatalen Folgewirkungen ihres Handelns. Die Terrorismus-Hydra lebt fort. Wenn sich der Westen dieses Umstands nicht bewusst wird und nicht wieder zu Geschlossenheit zurückfindet, droht die Welt noch weit ärger in Unordnung zu geraten, als dies heute der Fall ist.

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