EU-Junglandwirte fordern fairen Agrar-Welthandel

Rund 200 Teilnehmer aus Europa beraten über agrarpolitische Weichenstellungen

Wien (AIZ) - Unter dem Motto "Wir gestalten unsere Zukunft mit" treffen sich dieses Wochenende rund 200 Junglandwirte aus 20 europäischen Ländern in Eisenstadt. Der Rat der europäischen Jungbauern (CEJA) veranstaltet gemeinsam mit der Österreichischen Landjugend und der Österreichischen Jungbauernschaft ein internationales Seminar zu den Themen EU-Erweiterung, Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und die Agrarverhandlungen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO).

Anlässlich dieses Seminars richteten heute, Freitag, Martin Wetschka, Obmann der Österreichischen Jungbauernschaft, und Hans Benno Wichert, Präsident des europäischen Jungbauernrates, einen Appell an alle agrarpolitisch verantwortlichen Akteure in der Welthandelsrunde WTO. "Wir fordern fairen Handel statt freien Handel", sagte Wichert. Er verlangte von den Verhandlungsteilnehmern "nicht nur durch die betriebswirtschaftliche Brille" zu sehen, sondern auch die so genannten Nichthandelsanliegen wie Umwelt-, Tierschutz- und Lebensmittelsicherheit zu berücksichtigen.

Junglandwirte hoffen auf WTO-Kompromissvorschlag

Wetschka hofft, dass der nachgebesserte Vorschlag des Vorsitzenden des Landwirtschaftskomitees der WTO, Stuart Harbinson, mehr beinhaltet, als ausschließlich die Forderung der industriell produzierenden Agrarexporteure der Welt. "Wir hoffen auf einen Kompromissvorschlag, in dem die Idee eines vollständig liberalisierten Agrarhandels von einem Konzept eines fairen Agrarwelthandel abgelöst wird", so Wetschka. Würde Harbinson an seinem Konzept festhalten und der gegenwärtige Vorschlag, wonach Zölle und Preisstützungsmaßnahmen für Agrarprodukte bis zu 60% abgebaut werden sollen, Realität werden, dann würde es unweigerlich zu einem massiven Höfesterben kommen, ist Wichert überzeugt.

Bäuerliche Landwirtschaft zu Weltmarktpreisen ist nicht möglich

Auch der junge Hofübernehmer und Bundesobmannstellvertreter der Österreichischen Landjugend, Georg Gstöttenbauer, ist besorgt:
"Sollten sich diese extremen WTO-Standpunkte durchsetzen, werden die Erzeugerpreise für Agrarprodukte wesentlich mehr unter Druck kommen. Ich sehe mich außer Stande, meine Produktion zu Weltmarktpreisen aufrechtzuerhalten und nebenbei noch sämtliche Qualitäts-, Umwelt-und Tierschutzauflagen zum Nulltarif zu erfüllen."

Der Vizepräsident der Vereinigung der französischen Jungbauern, Thierry Uhlmann, bekräftigte, dass die Landwirtschaft "einen speziellen Status" in den WTO-Agrarverhandlungen haben muss. "Wir erfüllen gerne die Anforderungen der Gesellschaft, aber wir brauchen dazu praktikable Rahmenbedingungen", sagte der französische Jungbauernvertreter. Die Vorschläge zur Agrarreform sind für Uhlmann "eine Kopie" des US-Agrargesetz "Fair Act", welches seinen Angaben zufolge "katastrophale Folgen" für das landwirtschaftliche Einkommen der Landwirte und Märkte hatte. "Die USA hat daraus gelernt und eine Wende um 180 Grad gemacht", sagte Uhlmann und verwies darauf, dass die EU mit ihren Vorschlägen zur Agrarreform "den verkehrten Weg" einschlägt.

"Wir wollen konstruktiv die Zukunft mitgestalten"

Ihre Kritik an die Reform der Agrarpolitik und an die WTO-Verhandlungsführung wollen die Junglandwirte nicht als "Reform-Verhinderung" verstanden wissen. Alle vier Junglandwirtevertreter betonten, konstruktiv an der Weiterentwicklung der Agrarpolitik mitzuarbeiten. "Wenn wir vorankommen wollen, dann brauchen wir eine breite Unterstützung sowohl durch unsere Agrarpolitiker als auch durch die gesamte Gesellschaft", unterstrich Wetschka.

In zwei Wochen wird in Rom eine Agrarministerkonferenz über die Zukunft der europäischen Junglandwirte stattfinden. Wichert hofft auf "Impulse" und wünscht sich, dass dadurch die Belange der Junglandwirte stärker "in den Focus der EU-Agrarpolitik" gerückt werden.

Während ihrer Tagung in Eisenstadt formulieren die Teilnehmer Positionspapiere zur EU-Erweiterung, Agrarreform, Tiergesundheit und Kompensationszahlungen. Nationale und internationale Experten nehmen zu spezifischen, agrarpolitischen Themen Stellung. Die Veranstaltung endet am Sonntag mit einem Exkursionsprogramm.

Der Rat der europäischen Jungbauern (CEJA) wurde 1958 in Rom gegründet und vertritt rund eine Million Junglandwirte. 22 Mitgliederorganisationen aus den 15 EU-Mitgliedsländern sowie aus Mittel- und Osteuropa sind darin eingebunden.
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