Büromarkt Wien im Umbruch

Wien (OTS) - Im Rahmen der Präsentation der von der INVESTKREDIT durchgeführten Studie "Büromarkt Wien 2003" und der im Auftrag der Stadt Wien - Magistratsabteilung MA 21 A seitens der Regional Consulting Ziviltechniker GmbH. durchgeführten Analyse über die aktuelle Entwicklungssituation der Wiener Innenstadt und der City-Randgebiete zog Planungsstadtrat DI Rudolf Schicker am Donnerstag eine kurze Bilanz über die Teilnahme der Vienna Region bei der MIPIM 2003.

"Wenngleich bei der heurigen MIPIM auch ein Aussteller- und Besucherrückgang vor allem aus den USA, dem arabischen Raum und Deutschland festzustellen war, konnte sich die Vienna Region hervorragend positionieren. Wie wichtig die Teilnahme von Städten und Regionen gewordne ist, zeigt die Tatsache, dass etwa aus Berlin, London, München, Paris oder Warschau die Bürgermeister bzw. höchstrangige VertreterInnen anwesend waren.

Mit dem upgrading des Standes der Vienna Region und einem hochrangig besetzten Standprogramm sowie einer international besuchten Pressekonferenz haben wir einen gewaltigen Entwicklungssprung gemacht. Für die kommenden Jahre wollen wir die Städte und Regionen Bratislava, Brno und Györ-Sopron dazu gewinnen, mit uns im Rahmen der Europaregion eine 'Straße der Städte Zentraleuropas' zu bespielen."

Problemzone City ?

Ausgehend von einer Bestandsaufnahme und der Erhebung relevanter Daten, wie Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung, wurden von Regional Consulting Problemlagen und die daraus resultierenden Konsequenzen analysiert sowie Trendszenarien entworfen. Ein wesentliches Ergebnis war, dass die - in vielen Gesetzen, Verordnungen und Vereinbarungen formulierten - Schutzinteressen die nicht in der gleichen Form manifestierten Funktionsinteressen dominieren. Daraus resultierend wurden Empfehlungen formuliert, um die Wiener Innenstadt auch in Zukunft als lebendigen Stadtteil zu erhalten. Dabei soll es künftig vor allem darum gehen, durch geeignete Maßnahmen eine Balance zwischen den Anforderungen des kulturellen Erbes einerseits und den funktionellen und wirtschaftlichen Erfordernissen andererseits zu finden.

Kurzfassung der Analyse

Ausgangsbasis war, dass die im Zeitraum zwischen der "Ostöffnung" und dem EU-Beitritt Österreichs begonnene Diskussion über die künftige Rolle und Position des Standorts Wien vor dem Hintergrund der EU-Erweiterung auch heute an Aktualität nichts verloren hat. Städte sind funktionell sehr komplexe Systeme und die Positionierung eines solchen Systems im internationalen Wettbewerb kann nur gelingen, wenn sämtliche Systemelemente die ihnen adäquaten Rollen auch weiterhin übernehmen können. Das heißt, ohne eine positive Rolle der City in einem solchen Prozess sind gesamtstädtische Ziele nicht zu erreichen.

Problemlagen in der City

Die im Rahmen der Analyse erhobenen Daten und die Befragung ausgewählter Akteure zeigen, dass die Entwicklung der Wiener City von mehreren Problemlagen gekennzeichnet ist:

Was sagen die Daten?
o Die Wohnbevölkerung nimmt deutlich ab (-5,3 Prozent 1991/2001);
o Die City verliert schrittweise die Funktion als wichtigster Bürostandort und Standort von Unternehmenszentralen in Wien;
o Die City verliert Arbeitsplätze in den dominierenden Wirtschaftsgruppen (1996-2001):
- Öffentliche Verwaltung: -25 Prozent
- Kredit- und Versicherungswesen: -16 Prozent
- Verkehr und Nachrichtenübermittlung: -35 Prozent
Die geringen Zuwächse im Beherbergungs- und Gaststättenwesen, bei den Wirtschaftsdiensten und beim Unterrichtswesen können
die Verluste bei weitem nicht ausgleichen;
o Die City zählt zur Gruppe der wenig dynamischen Geschäftszentren.

Was sagen die Akteure?
o Unternehmenszentralen wandern ab:
- weil eine Expansion in der City kaum möglich ist,
- weil die Kosten pro Arbeitsplatz zu hoch sind,
- weil eine Flächeneffizienz im Altbestand nicht erreichbar
ist;

o Institutionelle Anleger zeigen sich desinteressiert:
- weil aufgrund zu vieler hemmender Faktoren zu wenig Rendite erwirtschaftet werden kann,
- weil oft einfache Adaptierungen sehr aufwändige Verfahren bedingen;
o Wirtschaftsnahe Dienstleister bleiben nur solange, solange die Zentralen bleiben:
- weil sie den unmittelbaren Kontakt zum Kunden brauchen;
o Wohnungen sind gut zu vermarkten:
- weil der Standort ein Image hat und
- weil Dachgeschosse einen Liebhaber-Markt haben.

Die City braucht Spielraum

Der City nutzt jede Veränderung von Rahmenbedingungen,
o die es zumindest ermöglicht, den Schutzgedanken gegen
berechtigte wirtschaftliche Argumente abzuwägen und
o die zumindest die reale Rechtssicherheit in der City für Investoren eindeutig erhöht bzw. an das kodifizierte Recht annähert.

Empfohlen wird daher:
o Die Formulierung von strategischen Zielen für die City:
Die Herausforderung der City-Entwicklung wird darin bestehen,
eine Balance zwischen den Anforderungen des kulturellen Erbes einerseits und den funktionellen und wirtschaftlichen Erfordernissen andererseits zu finden, eine Balance die über
die Jahrhunderte die Entwicklung der City geprägt hat.
o Eine differenzierte Bebauungsplanung:
Es wird erforderlich sein, sämtliche Restriktionen (Schutzzone, Wohnzone u.ä.) gebietsweise differenziert anzuwenden, um ein vernünftiges Maß an Spielräumen für Erneuerungsinvestitionen zurückzugewinnen.
o Eine gesetzeskonforme Bundesdenkmalschutzpraxis einzufordern
und ein Gebot der Abwägung verschiedener öffentlicher
Interessen in den Bundesdenkmalschutz aufzunehmen.
o Die "Weltkulturerbe-Initiative" neu zu bewerten.

Augenmaß gefragt

Stadtrat Schicker dazu: "Für die Stadt ist es wichtig, nutzbare Immobilienreserven zu haben, wenn die Konjunktur wieder anzieht und dies international anzubieten. Was das Weltkulturerbe anbelangt, so ist sicher eine Neubewertung nötig: Touristisch gesehen ist das Prädikat offenbar für Städte wie Wien nicht wirklich relevant. Wir müssen damit einfach sachlicher umgehen. Es geht aber sicher nicht darum, es aufzugeben oder von uns aus zurückzulegen. Gleiches gilt für den Denkmalschutz. Wir brauchen ihn und es ist kein Zufall, dass die Stadt etwa die gesamte City in der Flächenwidmung zur Schutzzone erklärt hat. Wir warten uns aber vom Bundesdenkmalamt ein Vorgehen mit Augenmaß." (Schluss) lf

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