Einführung der hedonischen Methode im Verbraucherpreisindex

W i e n , 2002-03-12 - Mit Jänner 2003 wurde die so genannte "hedonische Methode" von der Statistik Austria für den Teilbereich Bestsellerbücher in den österreichischen Verbraucherpreisindex (VPI) eingeführt. Sie ist ein neueres Verfahren der Qualitätsbereinigung und eignet sich zur Schätzung von impliziten Preisen für preisbestimmende Produktmerkmale, die nicht direkt beobachtet werden können. Ziel der Anwendung ist die exaktere Messung von Preisveränderungen unbeeinflusst von Qualitätsänderungen.

Bewertung von Qualitätsänderungen
Die Qualitätsbereinigung, das ist die Bewertung von Veränderungen in der Qualität von Produkten und Dienstleistungen, stellt derzeit eine der wichtigsten Fragen der Preisstatistik auf europäischer Ebene dar. Die Beantwortung dieser Frage ist notwendig, um Veränderungen in der Qualität von Veränderungen im Preis trennen zu können, damit die Bewegungen im VPI nur die reine Preisveränderung widerspiegeln. Dies ist vor allem dann nötig, wenn ein Produkt durch raschen technologischen Fortschritt oder wie bei Büchern durch rasch wechselnde Varietäten gekennzeichnet ist.

Hedonische Methode im internationalen Vergleich
In den USA wird die hedonische Methode seit den 90er Jahren eingesetzt, um Qualitätsänderungen bei Computern, Fernsehern, Waschmaschinen, Mikrowellen und Kühlschränken einzuschätzen. Darüber hinaus wird derzeit die Anwendbarkeit bei DVD-Playern, Videorekordern, Camcordern und Stereoanlagen überprüft. Auch in Europa wird die hedonische Methode derzeit forciert, mit dem Ziel, eine bessere Vergleichbarkeit der Verbraucherpreisindizes verschiedener Länder zu erhalten. In Frankreich, Großbritannien und Deutschland wird sie beispielsweise bei Computern und Haushaltsgeräten, aber auch bei Büchern schon eingesetzt.

Seitenanzahl, Art des Einbandes und Größe sind preisbestimmend Auch die Statistik Austria erweitert aufgrund von österreichischen Forschungsergebnissen im Auftrag der EU das Methodenrepertoire mit Beginn 2003 und setzt die hedonische Qualitätsanpassungsmethode bei Bestsellerbüchern ein. Um die Aktualität und die Repräsentativität der Stichprobe bei Büchern zu gewährleisten, wird seit 1996 mit Hilfe einer monatlichen Bestsellerliste erhoben. Dies hat aber gleichzeitig den Nachteil, dass monatlich die Preise von Büchern mit unterschiedlichen Merkmalsausprägungen miteinander verglichen werden, was eine relativ volatile Preisbewegung im VPI und HVPI verursacht. Die hedonische Methode wird derzeit als überlegene Methode angesehen, um objektive Schätzungen für die Qualitätsänderungen zu erhalten und gleichzeitig diese großen Schwankungen zu vermeiden. Im Jahr 2002 wurde eine hedonische Analyse durchgeführt, bei der mit Hilfe einer Regressionsrechnung die Preise von Büchern aufgrund von Unterschieden der verschiedenen Merkmale eines Buches zerlegt wurden. Das resultierende Modell enthält die Seitenzahl, die Art des Einbandes und die Größe eines Buches als erklärende Merkmale für die preisbestimmende Qualität eines Buches.

Hedonische versus traditionelle Berechnung im Jänner 2003
Die Veränderungsrate für Bestsellerbücher unter Anwendung der hedonischen Berechnung lag bei -3,1% im Jänner 2003 gegenüber dem Vormonat. Nach der traditionellen Methode würde die Preisveränderung +5,5% betragen. Aus Voruntersuchungen ist bekannt, dass sich der Teilindex kurzfristig und auch längerfristig weniger volatil verhält als unter Verwendung der herkömmlichen Methode. Das Vorurteil, dass hedonisch berechnete Indizes immer zu niedrigeren Inflationsraten führen, ist insofern unbegründet, als das vorliegende Ergebnis nur eine Einzelbeobachtung darstellt und neuere Ergebnisse zeigen, etwa der hedonisch berechnete Preisindex für Computer in Deutschland (www.destatis.de), dass auch der umgekehrte Fall, d.h. der hedonisch berechnete Index ist höher als der traditionell berechnete Index, eintreten kann.
Eine detaillierte Darstellung der Ergebnisse folgt in den Statistischen Nachrichten 04/2003.

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Nähere Informationen bzw. Tabellen zu diesem Thema erhalten Sie bei Mag. Alexandra Beisteiner, Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria, unter der Tel.-Nr.: 71128/8067 DW. Für allgemeine Indexberechnungen steht die VPI/HVPI-Informationszentrale unter der Tel.-Nr.: 71128/7643, 7644, 7645 DW zur Verfügung. Unter der Rufnummer (01) 1544 kann der letzte Stand des Verbraucherpreisindex sowie jener aller verketteten Vergleichsziffern der Indizes abgehört werden.

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