"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Im großen Krieg der Worte mehren sich Kollateralschäden (Von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 12. März 2003

Graz (OTS) - Noch ist nicht klar, wie das Tauziehen um eine neue Irak-Resolution im UNO-Weltsicherheitsrat tatsächlich enden wird. Und noch steht daher nicht fest, ob und wann der Krieg gegen Saddam Hussein losgehen wird. Aber ganz sicher ist, dass bei den diplomatischen Ränkespielen der letzten Wochen, beim verbissenen Ringen zwischen Amerika und der UNO alle Beteiligten jede Menge Blessuren abbekamen.

Das Geheimnis einer guten Diplomatie ist es, sie möglichst so betreiben, dass kein Außenstehender etwas davon bemerkt. Derzeit erleben wir genau das Gegenteil, nämlich eine Art "diplomatischen Pferdehändler-Stil". Die "Gäule" auf diesem "Rossmarkt" sind die nicht gebundenen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates, allen voran ein paar afrikanische Kleinstaaten, die plötzlich und wohl nur dieses eine Mal internationale Bedeutung haben.

Die Weltmacht Amerika muss mit allen Tricks und Mitteln um die Gunst von Ländern wie Kamerun oder Guinea buhlen, will sie eine Mehrheit im Sichterheitsrat für den geplanten Feldzug erreichen. Das wird die in den USA ohnedies schon weit verbreitete Meinung fördern, die UNO sei ein nutzloser Debattierklub. Und es wird die Tendenz der amerikanischen Politik sich über die Vereinten Nationen hinwegzusetzen - oder ihnen überhaupt den Rücken zu kehren - wohl stärken. Passierte das tatsächlich, hätte sich die UNO selbst ins Knie geschossen. Denn ohne aktive Mitwirkung der einzigen Supermacht kann sie sich gleich auflösen.

Aber die Liste nachhaltiger Beschädigungen, die durch das verbale Muskelspiel der Hauptakteure entstanden sind, ist noch viel länger:Da wären das nachhaltig gestörte transatlantische Verhältnis, die sich anbahnende Eiszeit zwischen Frankreich und den USA-Deutschlands Marsch ins weltpolitische Abseits, die als EU-Außenpolitik bezeichnete neuerliche Demonstration der Uneinigkeit, die Blamage der NATO nach dem Türkei-Disput und Tony Blairs Drahtseilakt über seinem politischen Abgrund.

Beim Luftkrieg gegen das Regime von Slobodan Milosevic (den übrigens Politiker wie Gerhard Schröder ganz ohne UNO-Sicherheitsratsbeschluss gutgeheißen haben), trafen US-Bomen auch unschuldige Zivilisten. Damals prägten Militärsprecher den Begriff "Kollateralschaden" und umschrieben damit beschönigend unbeabsichtigte Opfer, die man leider in Kauf nehmen müsse...

Im diplomatischen Krieg der Worte rund um den Irak gibt es mittlerweile haufenweise Kollateralschäden.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001