"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Lehrerk(r)ampf" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 12. März 2003

Innsbruck (OTS) - Die Lehrergewerkschaft wiederholt sich ständig. Kommen Reformvorschläge für das heimische Schulsystem auf den Tisch, antwortet sie postwendend mit einem bekannten Reflex: Kampfmaßnahmen werden angedroht. Bei der jüngst von Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer geplanten Stundenreduktion funktionierte der Reflex einwandfrei.
Weniger Stunden können jedoch niemals ein Nachteil für Schüler und schon gar nicht für Lehrer sein. Außer man bezweifelt grundsätzlich, dass die Schicksalsgemeinschaft von Lehrern und Schülern nicht in der Lage ist, mit der gewonnenen außerschulischen Freizeit etwas anzufangen. Vielmehr geht es darum, die von der Gewerkschaft vorgerechneten 36 Schulwochen im Jahr professionell und effizient auszunützen.
Hochgerechnet auf ein Schuljahr wäre die Kürzung von insgesamt 72 Unterrichtsstunden leicht zu kompensieren. Darüber sollten sich die Gewerkschafter Gedanken machen, nicht Oberlehrer spielen.
Würde gleich zu Schulbeginn intensiv und zu Semsterende ebenfalls noch mit Elan gelehrt und gelernt werden - von den 72 eingesparten Stunden wäre wohl keine Rede mehr. Dass Reifeprüfungen in Allgemein-und Berufsbildenden Höheren Schulen den Schulbetrieb im Mai und Juni beeinträchtigen, sei nur nebenbei erwähnt. Und angesichts der österreichischen Feiertagsorgie sind die fünf schulautonomen bzw. freien Tage purer Luxus.
Natürlich führt die Gewerkschaft mögliche Personaleinsparungen als Gegenargument ins Treffen. Aber bitte: Wo wird derzeit nicht (ein)gespart?
Die Unterrichtsministerin agiert oft forsch, meist mit Einzelmaßnahmen und lässt Perspektiven leider vermissen. Ihr Weg scheint allerdings die einzige realistische Möglichkeit zu sein, überhaupt Reformen im Bildungssystem gegen den Widerstand der mächtigen Gewerkschaft im öffentlichen Dienst durchzusetzen. Also gegen ihre eigenen VP-Kollegen.

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