Pharmig: Kritik an den Gesundheitsplänen der neuen Regierung

Die Vereinigung Pharmazeutischer Unternehmen fordert eine klare Kompetenzaufteilung, Bürokratieabbau und Kostentransparenz.

Wien (OTS) - "Für mich ist das Regierungsprogramm eine herbe Enttäuschung." So kommentiert Ulrich H. Bode, Präsident der Pharmig, die Gesundheitspläne der neuen Regierung. "Denn gerade diese Regierung hat immer wieder angekündigt, die dringend notwendigen Reformen endlich durchzuführen. Davon ist aber im neuen Regierungsprogramm nur sehr wenig zu bemerken", erklärte Bode heute vor Journalisten.

Schon die Kompetenzaufteilung der neuen Regierung im Gesundheitsbereich sorgt beim Pharmig-Präsidenten für Unmut: Die Aufsplitterung der Gesundheitsagenden auf nunmehr drei Ministerien (Gesundheits-, Sozial- und - indirekt - das Wirtschaftsministerium), zwei Staatssekretariate (Gesundheits- und Familienstaatssekretariat) sowie die geplante Schaffung von neun Landesfonds werde das schon bestehende Kompetenzchaos noch weiter vergrößern, befürchtet Bode. Auch der von der Branche schon seit Jahren dringend geforderte Bürokratieabbau sei unter diesen Umständen nicht zu erwarten. Derzeit müssen etwa bei einem Antrag auf Aufnahme ins Heilmittelverzeichnis alle erforderlichen Dokumente in 34(!)facher Ausführung beim Hauptverband einlangen, was pro Antrag durchschnittlich 16.500 Kopien bedeutet. "Für die pharmazeutischen Unternehmen ist das eine Zumutung und außerdem noch teuer", ärgert sich Präsident Bode.

Darüberhinaus, heißt es, solle die Regierung endlich für die längst überfällige Kosten-transparenz und brauchbare Daten sorgen:
"Es ist unvorstellbar, dass wir im Jahr 2003 immer noch nicht wissen, was das österreichische Gesundheitssystem überhaupt kostet", kritisiert Erhard P. Geisler, Geschäftsführer der Pharmig. Nicht umsonst würden Expertenschätzungen über die Höhe der Gesundheitskosten bis zu sieben Milliarden Euro auseinander klaffen.

Weitere zentrale Forderungen der Pharmig: Ein sinnvoller Umgang mit Medikamenten statt Billigmedizin um jeden Preis - denn das billigste Medikament ist für den Patienten nicht immer auch das beste. Und die Abschaffung der Chefarztpflicht bei der Medikamentenverschreibung, "ein sinnloses", und wie man bei der Pharmig meint "auch teures Ärgernis für den Patienten." Außerdem wird gefordert, dass neue Medikamente endlich zum EU-Durchschnittspreis ins österreichische Heilmittelverzeichnis aufgenommen werden können. "Denn warum", fragt Erhard P. Geisler, "sollen Medikamente, die es in anderen EU-Staaten bereits auf Kassenkosten gibt, in Österreich noch einmal geprüft werden?" Das sei patientenfeindlich, meint der Pharmig-Geschäfstführer: "Durch den Zeitverlust, den eine nochmalige Prüfung mit sich bringt, laufen die österreichischen Patienten Gefahr, vom europäischen Fortschritt abgeschnitten zu werden."

Nur in einem Punkt gab es von Seiten der Pharmig auch Lob für die neue Regierung, und zwar für die angestrebte Formulierung konkreter Gesundheitsziele. Der Ankündigung, heißt es, müssten jedoch rasch Taten folgen.

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