ÖGB-Ledwinka: Frauen finden sich immer häufiger am Rand des Arbeitsmarktes

ÖGB-Frauen fordern 1100 Euro Mindestlohn, höhere Arbeitslosenleistungen, Infokampagne zur Karenz

Wien (ÖGB). Die Krise am Arbeitsmarkt schlägt auf die Beschäftigungssituation der Frauen voll durch. "Immer weniger Frauen schaffen nach der Karenz die Rückkehr in den Arbeitsmarkt. Auch der massive Zuwachs der Teilzeit bei gleichzeitigem Rückgang der Vollzeitstellen zeigt, dass Frauen verstärkt an den Rand des Arbeitsmarktes gedrängt werden", stellte ÖGB-Frauensekretärin Sylvia Ledwinka heute im Rahmen des sozialpolitischen Frauenfrühstücks der Arbeitsgruppe "Frauen und Armut" fest. Zur Verbesserung der Situation der Frauen legte Ledwinka einen umfassenden Forderungskatalog vor.++++

Zwar habe die Arbeitslosenquote der Frauen - nach längerem Anstieg - im Februar 2003 im Vergleich zum Vorjahr leicht abgenommen - "aber nur, wenn man ausschließlich die Zahl der registrierten Arbeit Suchenden heranzieht und andere Faktoren, die für ein objektives Bild wichtig sind, außer Acht lässt", sagte Ledwinka. Karenz- und KindergeldbezieherInnen werden in der offiziellen Statistik als beschäftigt gezählt. Seit Einführung des Kindergeldes Anfang 2002 ist ihre Zahl stark gestiegen: Von 58.600 im Jahresschnitt 2001 auf 97.650 im Februar 2003. Die Beschäftigtenzahlen schauen dadurch deutlich besser aus, die Arbeitslosenquote wird niedriger. Dazu kämen die Frauen, die wegen der Anrechnung eines Partnereinkommens keine Notstandshilfe bekommen und nicht länger in der Arbeitslosenstatistik aufscheinen.

2002 um 10.000 Vollzeitstellen für Frauen weniger als 1997

Die Krise am Arbeitsmarkt bekommen Frauen auch am Rückgang der Vollzeitstellen zu spüren. Von 1997 bis 2002 nahm die Zahl der weiblichen Vollzeitbeschäftigten um 10.000 ab, die Zahl der Teilzeit-und geringfügig Beschäftigten stieg um 147.000. "Von einem 20-Stunden Teilzeitjob im Handel, bei dem frau ca. 500 Euro brutto erhält, lässt sich nicht leben", kritisierte Ledwinka.

Niedrige Einkommen hätten unzureichende Sozialleistungen zur Folge. "Das Arbeitslosengeld der Frauen lag 2001 im Mittel gerade bei 591 Euro, die Notstandshilfe bei 460 Euro", erklärte die ÖGB-Frauensekretärin. Käme es zu der von der Regierung angekündigten Ausweitung des Durchrechnungszeitraums für die Berechnung der Pension von den besten 15 Jahren auf 40 Jahre, würden langjährige Teilzeitbeschäftigte und Frauen mit unterbrochener Erwerbskarriere am meisten verlieren.

Existenzsichernde Sozialleistungen und bessere Rahmenbedingungen für die Erwerbstätigkeit der Frauen stellen die Hauptforderungen der ÖGB-Frauen an die neue Regierung dar. Die Arbeitslosen-Leistungen müssten dringend angehoben werden. Für Eltern in Karenz sollten höhere Geldleistungen, die vom vorhergehenden Einkommen abhängen, geschaffen werden, sagte Ledwinka. Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbständige sollten in die Arbeitslosenversicherung einbezogen werden "verpflichtend anstatt freiwillig, wie die Regierung das plant".

1.100 Euro Mindestlohn und Infokampagne zur Karenz

Von der neuen Frauenministerin forderte die ÖGB-Frauensekretärin als vordringlichstes eine Infokampagne zur Sensibilisierung für den Unterschied zwischen Kindergeld und Karenzdauer. "Minister Haupt hat das schon im Juli 2002 versprochen, aber leider nie umgesetzt", sagte Ledwinka. Dabei gäbe es akuten Handlungsbedarf. "Da es das Kindergeld für zweieinhalb Jahre gibt, nehmen die Frauen fälschlich an, auch die Karenz samt Entlassungsschutz gelte so lange", berichtete Ledwinka.

Neben der Politik müsse aber auch die Wirtschaft für anständige Rahmenbedingungen sorgen, meinte Ledwinka. Hauptforderung an die Arbeitgebervertreter: Einen Mindestlohn von 1.100 Euro, der bei den Kollektivverhandlungen vereinbart werden solle. (mfr)

ÖGB, 11. März 2003
Nr. 149

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