Wien: Keine Änderung bei der Aufnahme von Gastpatienten

Rieder und Pittermann weisen Kritik aus Niederösterreich zurück

Wien (OTS) - "Wien hat sich in Sachen Aufnahme von Patienten aus anderen Bundesländern nichts vorzuwerfen", reagierten Wiens Finanz-und Wirtschaftsstadtrat Dr. Sepp Rieder und Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann am Montag auf entsprechende Kritik aus Niederösterreich.

Rieder: "Es werden in den Wiener Spitälern nicht weniger, sondern mehr Patienten aus Niederösterreich aufgenommen, es hat sich in den letzten Jahren zunehmend eine ´schiefe´ Ebene nach Wien entwickelt. Von 1992 bis 2001 hat sich die Zahl der niederösterreichischen Patienten sogar um 69 Prozent auf 80.052 oder 16 Prozent aller Patienten erhöht."

Tatsache sei, so Rieder, dass sich an der Aufnahmepraxis der Wiener Spitäler nichts geändert habe, wobei Notfälle ohnehin immer und überall behandelt werden. "Es besteht keinerlei Anlass für Panikmache auf Kosten der Menschen, die medizinische Hilfe benötigen. Die Tatsache, dass so gut wie alle Fälle von angeblichen Abweisungen, die in der letzten Zeit unter erheblichem medialen Aufwand präsentiert worden sind, nichts mit der Herkunft der Patienten zu tun hatten, verstärken den Eindruck, dass hier Wahlkampf auf dem Rücken von Patienten betrieben wird", macht Rieder deutlich.

Pittermann: "Akut-Patienten werden selbstverständlich nicht abgewiesen. Ambulant zu versorgende Patienten werden begutachtet und teilweise auf den niedergelassenen Bereich verwiesen - diese Vorgangsweise wird auch bei PatientInnen mit Wohnsitz in Wien praktiziert".

Einen der Hauptgründe, warum viele NiederösterreicherInnen eine Behandlung in Wien vorziehen, ortete Pittermann in der Rufbereitschaft, die in Niederösterreichs Spitälern eingerichtet wurde. Während in Niederösterreich ein Facharzt am Wochenende und während der Nacht bei Bedarf erst herbeigerufen werden muss, ist in Wien rund um die Uhr ein Facharzt pro Fachgebiet im Dienst.

Wien stehe zu länderübergreifenden gesundheitspolitischen Konzepten lasse sich aber nicht ständig unbegründet den Schwarzen Peter zuschieben. Auch der Vorwurf, dass Wien ja mehr Geld aus dem abgestuften Bevölkerungsschlüssel im Finanzausgleich erhalte, gehe, so Rieder, ins Leere. "Der abgestufte Bevölkerungsschlüssel bedeutet, dass Ballungszentren für ihre überregionalen Aufgaben Mittel erhalten. Dies betreffe aber nicht nur die Gesundheit, sondern viele Bereiche wie Verkehr, Bildung, Kultur etc. Keinesfalls ergebe sich daraus gar ein `Fremdpatienten-Geschäft´ wie das manche darstellen wollen. Unterm Strich zahlt der Wiener Steuerzahler nach wie vor rund 150 Mio. Euro für Nicht-Wiener-Patienten".

Bei dem am Dienstag stattfindenden Gesundheitsgipfel an dem neben Rieder und Pittermann auch Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka und Landeshauptmann-Stellvertreterin Heidemaria Onodi teil nehmen werden, würden aus Wiener Sicht folgende organisatorische Vorschläge für eine vertiefte Kooperation vorgelegt werden:

o Die Schaffung einer Einrichtung in Niederösterreich analog der Wiener Bettenzentrale der Wiener Rettung. Diese beiden Einrichtungen sollten im ständigen Dialog stehen und von den Rettungsdiensten bei Spitalsanfahrten verbindlich kontaktiert werden.
o Der Rund-um-die-Uhr-Journaldienst des Wiener Krankenanstaltenverbundes könnte zu einer "schnellen Eingreiftruppe" für akute Engpass-Situationen ausgebaut werden. Dazu wäre die Schaffung eines entsprechenden Pendants in Niederösterreich notwendig.
o Bei sogenannten "Engpass-Fächern" wie z.B. Neurochirurgie, Kardiologie, Orthopädie oder Augenheilkunde ist die Schaffung eines gemeinsamen Standards zur Beurteilung der Dringlichkeit
von Eingriffen anzustreben, unabhängig von der Herkunft der Patienten.
o Die Einrichtung einer solchen "virtuellen Warteliste" sollte begleitet werden von der Schaffung einer gemeinsamen "Clearing-Stelle" für die Ostregion, an der die Patientenanwälte, die Vertreter der Finanzierungsfonds sowie Vertreter der Spitäler
aus Wien, Niederösterreich und Burgenland teilnehmen sollten.

Keinesfalls ließe sich Wien auf einen "Spitalskrieg" zu Lasten der Patienten ein. In deren Sinne wäre es jedoch, gemeinsame koordinierende Maßnahmen zu treffen, schloss Rieder

Zahl Niederösterreichischer Patienten steigt

Jahr für Jahr steigt die Zahl niederösterreichischer Patienten in Wiener Spitälern. So waren im Jahr 1992 47.285 Patienten aus Niederösterreich, im Jahr 1996 waren es bereits 59.622 Patienten und im Jahr 2001 waren es 80.052 Patienten. Dies bedeutet, dass von 1992 auf 2001 die Zahl der niederösterreichischen Patienten in Wiener Spitälern um 69 Prozent gestiegen ist.

Zwar ist im selben Zeitraum auch die Zahl der behandelten Wiener Patienten gestiegen, und zwar von 290.911 auf 405.510, doch in Prozenten ausgedrückt zeigt sich deutlich der regelmäßige Anstieg: Es waren nämlich im Jahr 1992 13,5 Prozent aller Fälle aus Niederösterreich, im Jahr 1996 14,6 Prozent und im Jahr 2001 waren es 16 Prozent.

Legt man die Daten aus den Volkszählungen 1991 und 2001 zu Grunde, so zeigt sich, dass die Zahl der Niederösterreicher um 72.036 zugenommen hat, die Wiener Bevölkerung stieg aber nur um 20.275 Einwohner.

Die Schere zwischen niederösterreichischem Bettenangebot und Einwohnern in Niederösterreich geht immer mehr auseinander. Nimmt man das Jahr 1987 als Basis her, so ist seither die Einwohnerzahl in Niederösterreich um 6,2 Prozent gestiegen, die Zahl der Spitalsbetten ist aber um etwa 20 Prozent im selben Zeitraum zurückgegangen. Dies weist darauf hin, dass immer mehr niederösterreichische Patienten außerhalb Niederösterreichs versorgt werden müssen.

Die Bettendichte in Wien beträgt derzeit 7,7 (Zahl der Akutbetten pro 1.000 Einwohner), in Niederösterreich aber nur 5,4. Dies bedeutet, dass Wien bezogen auf seine Bevölkerung um 42 Prozent mehr Betten zur Verfügung stellt als Niederösterreich.

Hätte Niederösterreich eine Bettenzahl, die der durchschnittlichen Bettenzahl Österreichs entspricht, so müssten in Niederösterreich zusätzliche 1.771 Betten zur Verfügung gestellt werden. De facto befinden sich aber diese Betten zum überwiegenden Teil in Wien.

Die Zahl der stationären Patienten aus Niederösterreich in Wiener Spitälern lag im Jahr 2001 bei 15,9 Prozent. Dies bedeutet, dass jeder 6. bis 7. Patient in einem Wiener Spitalsbett aus Niederösterreich stammt. Fast jeder 4. der niederösterreichischen Patienten liegt im Allgemeinen Krankenhaus. Auch in der Leistungsstatistik des Gesundheitsministeriums kommt dies deutlich zum Ausdruck: Ein in Niederösterreich versorgter Niederösterreicher "kostet" etwa 77.000 Leistungspunkte, während ein in Wien versorgter Niederösterreicher im Schnitt 92.000 Leistungspunkte verursacht (Daten aus 2001).

Besonders belastet in den Wiener Krankenanstalten sind daher die Spezialabteilungen. So waren beispielsweise im Donauspital im Jahr 2002 49 Prozent der Strahlentherapiepatienten aus Niederösterreich, und sogar in der Hautabteilung des Donauspitals waren 29,94 Prozent der Patienten aus Niederösterreich.

Im Allgemeinen Krankenhaus sind 23,8 Prozent aller Belagstage niederösterreichischen Patienten zuzurechnen, im Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel waren es 19,2 Prozent, und im Orthopädischen Krankenhaus Speising 25,4 Prozent. Fächer mit besonders hohen Gastpatientenanteilen sind eben die Krebsbehandlung (Strahlentherapie), Herzoperationen, neurochirurgische Behandlungen, orthopädische Operationen und augenheilkundliche Leistungen. (Schluss) nk/rog

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