ÖGB: Erste österreichische Betriebsvereinbarung gegen Mobbing unterschrieben

"Jugend am Werk" fördert partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz

Wien (ÖGB). "Mobbing nimmt gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und schwacher Konjunktur überproportional zu. Umso erfreulicher ist es, dass die Organisation 'Jugend am Werk' nun die erste österreichische Betriebsvereinbarung zum partnerschaftlichen Verhalten am Arbeitsplatz und gegen Mobbing, Diskriminierung und sexuelle Belästigung abgeschlossen hat", erklärte Dr. Richard Leutner, Leitender Sekretär im ÖGB, am Sonntag. "Die Betriebsvereinbarung und eine Broschüre wurden von einem professionellen Arbeitskreis erarbeitet. Sie sollen die MitarbeiterInnen sensibilisieren, damit Konflikte rechtzeitig ausgesprochen werden und Mobbing erst gar nicht entstehen kann", so Angelika Hlawaty, Betriebsrätin des Bereiches Begleitung von Menschen mit Behinderung bei "Jugend am Werk".++++

Die Betriebsvereinbarung sieht vier "KonfliktlotsInnen" als Kontaktpersonen vor, die präventive Maßnahmen ergreifen und als AnsprechpartnerInnen für Mobbing-Betroffene dienen. Dadurch sollen Konflikte am Arbeitsplatz frühzeitig erkannt und friedlich bearbeitet und gelöst werden. Zudem wurden Maßnahmen und Konsequenzen bei tatsächlichen Mobbinghandlungen festgelegt; damit ist sichergestellt, dass nicht mehr die von Mobbing Betroffenen, sondern die Mobbing-TäterInnen die Konsequenzen zu tragen haben.

Acht Prozent der ArbeitnehmerInnen in der EU werden gemobbt, in Österreich ist von rund 300.000 Betroffenen auszugehen. Sie sind dauerhaften Angriffen ausgesetzt, die langfristig ihre körperliche und seelische Gesundheit angreifen. Schon in der Anfangsphase leiden die meisten Mobbing-Betroffenen unter Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen, je länger der Mobbing-Prozess dauert, umso mehr häufen sich körperliche und psychische Probleme. Darunter leidet auch die Arbeitsleistung: Deutsche Studien gehen davon aus, dass ein Mobbingfall im Betrieb einen jährlichen betriebswirtschaftlichen Schaden von 73.000 Euro verursacht.

Betriebsvereinbarung hilft

Der deutsche Mobbing-Report bestätigt, dass speziell im sozialen Bereich das Mobbing-Risiko höher als in anderen Branchen ist. Daher ist die neue Betriebsvereinbarung zum partnerschaftlichen Verhalten am Arbeitsplatz von "Jugend am Werk" ein bedeutendender Schritt in die richtige Richtung. "Eine Betriebsvereinbarung kann hier die Konfliktbearbeitung vereinfachen und damit die Entstehung von Mobbing-Ursachen verhindern. Die erfolgreichen Beispiele bei VW Deutschland und der Stadt München zeigen, dass eine derartige Vereinbarung in allen Branchen, auch im öffentlichen Bereich, abgeschlossen werden kann", so Leutner.

Service: Kostenlose Erstberatung

Seit nunmehr fast zwei Jahren bietet der ÖGB von Mobbing betroffenen Mitgliedern eine persönliche und kostenlose Erstberatung an. Allein im Jahr 2002 konnten rund 1.500 Betroffene beraten werden, viele von ihnen nahmen zusätzlich eine finanzielle Unterstützung im Ausmaß von 200 Euro jährlich bei weiterer Betreuung durch PsychologInnen und SupervisorInnen in Anspruch. ÖGB-Mitglieder können telefonisch einen Termin für eine kostenlose Erstberatung unter der Nummer 01/53 444/553 vereinbaren.

Die ÖGB-Mobbingberatungsstelle unterstützt Betriebe und BetriebsrätInnen beim Abschluss einer Betriebsvereinbarung zum partnerschaftlichen Verhalten am Arbeitsplatz. Der ÖGB bietet zudem regelmäßig Seminare für Mobbing-Betroffene, ArbeitnehmerInnen und BetriebsrätInnen an und informiert in Schulen und Betrieben über die Gefahren und die Entstehung von Mobbing. Mehr Informationen dazu erhalten Sie bei der ÖGB-Mobbingberatungsstelle unter der Nummer 01/53 444/553.

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ÖGB Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Franz Fischill
Tel. (01) 534 44/510 oder 0664/814 63 11

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